Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Bezirk Reutte

Wer braucht schon Fischleitern ...

Beim Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Reutte sprach Tirols Kammerpräsident Christoph Walser erstmals vor großer Zuhörerschaft im Außerfern. Die Wirtschaftsvertreter zeigten sich kämpferisch pointiert.

Bestens unterhielten sich (l., v. l.) WK-Präsident Christoph Walser, Polizeichef Egon Lorenz, BH Katharina Rumpf, VP-Bezirksfrauenchefin Carmen Strigl-Petz, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und LR Patrizia Zoller-Frischauf.

© Mittermayr HelmutBestens unterhielten sich (l., v. l.) WK-Präsident Christoph Walser, Polizeichef Egon Lorenz, BH Katharina Rumpf, VP-Bezirksfrauenchefin Carmen Strigl-Petz, Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und LR Patrizia Zoller-Frischauf.



Von Helmut Mittermayr und Hans Nikolussi

Reutte – Am Reuttener Wirtschaftskammerobmann Christian Strigl ist ein Entertainer verloren gegangen. Beim Neujahrsempfang im Festsaal der Wirtschaftskammer am Freitagabend punktete er trotz meist ernster Themenlage mit (gut vorbereiteter) Situationskomik. Er erklärte etwa, die offiziell zu begrüßenden Gäste in Rubriken eingeteilt zu haben. Applaus habe erst am Ende einer jeden einzusetzen. „Rubriken“ waren beim regionalen Who-is-who-Treffen auch notwendig, waren doch neben Wirtschaftstreibenden Spitzenvertreter aus allen Gesellschaftsbereichen geladen. Dass der Andrang beim ersten öffentlichen Auftritt des neuen Tiroler Wirtschaftskammerpräsidenten dann trotzdem überschaubar blieb, dürfte den Verkehrssperren und der Großwetterlage zuzuschreiben sein.

Anlässlich des 500. Todestages von Kaiser Maximilian griff Strigl die Heiratspolitik der Habsburger auf. Er sah darin eine nachahmenswerte Strategie für die Wirtschaft im Bezirk. Nicht umsonst sei deshalb das aktuelle Werben um spanische Jugendliche im Zuge des Projekts „Talents for Europe – Fachkräfte für Tirol“ eine folgerichtige Kampagne ganz im Sinne der Erbfolgeaktivitäten Maximilians auf der Iberischen Halbinsel. Händeringend werde im Bezirk nach wie vor in vielen Branchen Fachpersonal gesucht. Weitblickend sich über Grenzen hinweg zu engagieren, sei ein Gebot der Stunde, der riesige Markt in Süddeutschland locke. Für den Tourismus gelte schon fast, dass Gäste wesentlich leichter zu finden seien als einschlägiges Personal, stellte Strigl launig fest.

Auch EWR-Vorstand Michael Hold, Hubert Glätzle, Raiba-Vorstand Wolfgang Hechenberger und AAB-Chef Johannes Mutschlechner hatten einen kurzweiligen Smalltalk.
Auch EWR-Vorstand Michael Hold, Hubert Glätzle, Raiba-Vorstand Wolfgang Hechenberger und AAB-Chef Johannes Mutschlechner hatten einen kurzweiligen Smalltalk.
- Mittermayr Helmut

In einer fast neuen Rolle, ungewöhnlich angriffig, präsentierte sich Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller- Frischauf. Urlaubsgäste würden nun einmal das Geld nicht aus der Ferne überweisen, sondern auch kommen. Und das erzeuge Verkehr. Das sei noch lange kein „Overtourism“, sondern Lebensgrundlage vieler Menschen in Tirol. Jeder sei gefordert, für die Wirtschaft aufzustehen, der die öffentliche Stimmung entgegenschlage. Auch das dauernde „Gold Plating“, das Vorneweg-Rennen bei Umweltauflagen, fand keineswegs ihre Zustimmung. Nicht um seltene Vögel, Würmer und Fischaufstiegsleitern solle man sich vorrangig kümmern, sondern etwa um den Vormarsch Chinas, wo nicht die gleichen (Umwelt)-Spielregeln gelten würden.

Ehrliche Lösungen mit einem Blick aufs Ganze forderte Tirols „neuer“ Kammerpräsident Christoph Walser. Einseitige Blickwinkel und fehlende Perspektiven führten oft zu falschen Schlüssen, bemängelt er. Speziell beim heiß diskutierten Thema Verkehr fehlt ihm die gebotene Sachlichkeit. Da werde vergessen, dass ein Großteil der Transporte der Versorgung der Tiroler Bevölkerung diene. Auch die aktuelle Tourismusdebatte habe eine negative Schlagseite bekommen, meint er, obwohl der Tourismus in Tirol eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen sei.

Einer Bemautung der Fernpassstrecke wurde eine deutliche Absage erteilt. „Der Wunsch nach einer Verkehrsreduktion am Fernpass ist zwar absolut nachvollziehbar, doch die Einführung einer Maut auf dieser Route ist sehr kritisch zu sehen. Der Wirtschaftsstandort würde dadurch massiv belastet werden, die Stau- und Verkehrsreduktion trotz allem weiterhin fraglich bleiben“, zeigte sich Christian Strigl wenig begeistert von dieser Idee.

Zum Aroma/Kaffee-Austausch kam es zwischen Evelyn Deutsch-Grasl und Thomas Grasl mit Christoph Valier.
Zum Aroma/Kaffee-Austausch kam es zwischen Evelyn Deutsch-Grasl und Thomas Grasl mit Christoph Valier.
- Mittermayr Helmut

Unternehmer, Vertreter der Sozialpartnerschaft und weitere „Herzeigbare“ kamen sich auf dem perfekt inszenierten gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres bei vielen Gesprächen näher. Für anhaltenden Beifall der Gäste sorgten die Nicknames – eine reine A-cappella-Formation (das Instrument ist die Stimme). Traditionell war auch wieder das „Beuschel“ vom Hirschenwirt. Beim Buffet stand nicht nur das „Kulinarische“ im Mittelpunkt. Da waren dann die Netzwerker in ihrem Element.