Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.01.2019


Osttirol

Bauboom bei Wohnungen wirft in Lienz Fragen auf

Obwohl die Stadt nicht wächst, werden Wohnungen am laufenden Band gebaut. Ältere Bleiben werden immer öfter unvermietbar, sagt BM Blanik.

Neu (links) neben alt im Lienzer Grafenanger: Wohnungsneubauten boome­n, während alte Wohnungen immer wieder leer bleiben.

© Blassnig ChristophNeu (links) neben alt im Lienzer Grafenanger: Wohnungsneubauten boome­n, während alte Wohnungen immer wieder leer bleiben.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Die Stadt Lienz gehört nicht zu jenen Tiroler Bezirkshauptstädten, die einen großen Zuzug verzeichnen. Anders als in Nordtirol und dort vor allem in Innsbruck sind Wohnungen noch keine Mangelware.

Dennoch wird in Lienz seit etlichen Jahren unentwegt gebaut. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik erwähnt in diesem Zusammenhang speziell Mietwohnungen, die von gemeinnützigen Gesellschaften errichtet werden. „Die Stadt muss für jedes dieser Bauprojekte den Bedarf bestätigen, damit Förderungen möglich sind“, erklärt Blanik, warum die Stadtgemeinde den Überblick über alle Vorhaben hat. „Wir bestätigen das auch. Doch letztlich frage ich mich, ob es diesen Wohnbedarf tatsächlich gibt. Es entstehen laufend neue Anlagen, obwohl die Stadt nicht wächst“, sagt sie. Die Wohnbauträger würden bei jedem neuen Projekt vermelden, dass es genug Interessenten gebe – doppelt oder dreimal so viele, wie Wohneinheiten zu vergeben sind, sagt Blanik.

„Andererseits haben wir bei der Wohnungsvergabestelle der Stadt Lienz Unterkünfte zu vergeben, die niemand auf unserer Warteliste haben will“, schildert die Stadtchefin. Und das, obwohl auf dieser Liste zurzeit über 200 Personen als wohnungssuchend aufscheinen. „Meist sind dies­e Wohnungen zu groß, zu teuer, zu alt.“ Alt bedeute in diesem Zusammenhang zehn bis 15 Jahre. „Diese Wohnungen geben wir dann an die Bauträger zurück, wenn wir keine Mieter finden können.“

Ob es wirklich so viele Neubau-Interessenten gibt, wie die Anmeldungszahlen bei den Gemeinnützigen vermuten lassen, ist für Blanik keineswegs sicher. „Das lässt sich nicht überprüfen. Die Namen dieser Interessenten dürfen zwischen den Bauträgern untereinander oder mit der Stadt nicht ausgetauscht werden, das würde dem Datenschutz widersprechen“, sagt die Bürgermeisterin. Sie vermutet, dass viele Wohnungssuchende sich gleich bei mehreren Projekten als Interessenten registrieren lassen – für alle Fälle.

Diese Vermutung teilt auch Wolfgang Wilhelmer, einer der Geschäftsführer der OSG (Osttiroler gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft). Abgesehen davon sieht Wilhelmer einen Grund für den Bauboom darin, dass die Haushalte kleiner werden. Und in neuen Lebenskonzepten: „Wenn sich ein junges Paar findet, ziehen die beiden nicht gleich zusammen, sondern jeder behält vorerst seine eigene Wohnung“, beschreibt er einen Trend. Mit älteren Wohnungen oder mit Leerstand generell habe die OSG kein Problem. „Abgesehen von ein paar Wohnungen in Prägraten sind alle unsere Wohneinheiten im Bezirk vergeben.“