Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.01.2019


Bezirk Schwaz

Vision von Talstation in Vomp gefällt den Vompern nicht

Der Kellerjochbahn-Betreiber lässt derzeit die Entwicklungsmöglichkeiten seines Skigebietes untersuchen. Der TVB macht das Gleiche für alle Skigebiete seiner Region.

Am Kellerjoch ist eine neue Gondelbahn geplant. Sie könnte bis ins Tal verlängert werden.

© TVB Silberregion KarwendelAm Kellerjoch ist eine neue Gondelbahn geplant. Sie könnte bis ins Tal verlängert werden.



Von Angela Dähling

Schwaz, Vomp – Der Ruf des Piller Bürgermeisters nach einer Liftverbindung vom Kellerjoch ins Tal (die TT berichtete gestern) hat Werner Kostenzer erreicht. Der Betreiber des Schwazer Skigebietes hätte durchaus auch selbst Interesse an einer Seilbahnverbindung ins Tal. „Wir planen eine neue Umlaufbahn – beginnend im Bereich der ehemaligen Mittelstation – mit Zehner- oder Zwölfergondeln. Es wäre technisch möglich, die Bahn von dort Richtung Tal zu verlängern“, erklärt Kostenzer auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. „Genauer gesagt wäre die Talstation dann bei der Kaserne in den Vomper Feldern und über eine neue Innbrücke von der Schwazer Seite aus erreichbar“, fährt Kostenzer fort. Nachsatz: „Aber die Vomper wollen das nicht.“

Da dürfte er Recht haben. Die erste Reaktion des Vomper Bürgermeisters Karl-Josef Schubert auf Kostenzers Pläne: „Bitte nicht schon wieder!“ Über alle Parteigrenzen hinweg sei man sich in Vomp einig, dass man die Talstation im Ortsgebiet nicht brauche, denn Vomp habe bereits genug Verkehr. Schubert ist sich zudem sicher, dass eine Liftverbindung von Schwaz bzw. Vomp aus oder aber von Weer aus ins Zillertal scheitern wird. „Denn es wären zu viele Gemeinden dagegen“, meint er.

Kostenzer dementiert, an einer Verbindung nach Fügen zu basteln. „Wir sehen uns als familienfreundliches Skigebiet für Einheimische. Wir sind nicht bestrebt, einen Zusammenschluss zu kriegen“, erklärt er gegenüber der TT. 95 Prozent der Gäste seien Einheimische, der Großteil habe Saisonkarten. Nach Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro in den letzten Jahren (gefördert durch TVB, die Gemeinden Schwaz und Pill und das Land) sei die Frequenz in den letzten zwei Jahren erfreulich gestiegen. Kann man als Liftbetreiber nun gut davon leben? „Gut? Na ja, man lebt und daschnauft’s, solange man sich im Flachen bewegt“, meint Kostenzer lachend. Für BM Schubert stellt sich daher die Frage, wie das alles kostendeckend zu führen sei, wenn in einen Lift ins Tal investiert wird. „In drei Monaten, wenn der Winter vorbei ist, braucht die Talverbindung keiner mehr, da kann man dann mit dem Auto problemlos rauffahren“, gibt er zu bedenken.

Unabhängig von der Vision einer neuen Talstation im Inntal arbeitet Kostenzer jetzt an dem, was machbar ist. „Der Beschneiungsteich ist in Ausschreibung und der Baubeginn im Sommer geplant“, informiert der Bergbahnchef. 60.000 m³ soll der Teich fassen und die Beschneiung des gesamten Skigebietes sicherstellen. Zudem habe sowohl seine Skiliftgesellschaft als auch der TVB Silberregion Karwendel eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die nach dem Winter vorliegen soll.

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„Bei unserer Studie geht es um die Entwicklung und Ausrichtung all unserer Kleinstskigebiete samt Skischulen“, erklärt TVB-Vorstand Manfred Berkmann. Ob der TVB für oder gegen eine Erweiterung ins Zillertal ist, hänge von den Ergebnissen ab. „In jedem Fall braucht es ein größeres Skigebiet in Schwaz mit höher gelegenen Liften als die bisherigen Schlepper“, sagt Berkmann. Bei Kostenzers Studie wird das Kellerjoch unter die Lupe genommen. „Es geht darum, was man früher oder später hier verwirklichen kann – inklusive Verbindung ab Autobahn“, sagt Kostenzer. „Wir haben nicht so viel Geld und wollen uns daher keine Fehler leisten.“