Letztes Update am Fr, 08.02.2019 10:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Tirol-Werbung-Chef setzt auf Tirol Berge und sportliche Großevents

Auch der neue Tirol-Werbung-Chef Florian Phleps setzt auf Tirol Berge und auf sportliche Großevents im Land. Einen Bettenstopp brauche es keinen, wohl aber Initiativen, um die Tourismusgesinnung zu heben.

Prokurist Florian Phleps ist seit 1. Jänner Chef der Tirol Werbung, wo er Josef Margreiter nachfolgte. Der rückte zum Geschäftsführer der Lebensraum-4.0-Holding auf und ist damit wieder Phleps Chef.

© Prokurist Florian Phleps ist seit 1. Jänner Chef der Tirol Werbung, wo er Josef Margreiter nachfolgte. Der rückte zum Geschäftsführer der Lebensraum-4.0-Holding auf und ist damit wieder Phleps Chef.



Nach 24 Jahren gibt es einen neuen Chef in der Landestourismusorganisation. Was wird sich denn in der Tirol Werbung ändern?

Florian Phleps: Das Haus ist gut aufgestellt und wurde sehr amikal von Josef Margreiter an mich übergeben. Ich arbeite sehr gerne in Strukturen, ich bin jemand, der plant und gut vorbereitet, gerne im Team arbeitet und am Ende die Entscheidungen trifft und die Verantwortung übernimmt.

Worauf kann sich die Branche einstellen? Jetzt, wo die Tirol Werbung neben Agrarmarketing und Standortagentur Teil der „Lebensraum 4.0“-Holding ist?

Phleps: Unsere Kernaufgabe ist die Vernetzung und die Kommunikation. Der Schwerpunkt wird der Tourismus bleiben, aber wir werden uns Richtung Standortkommunikation entwickeln.

Zur Person

Florian Phleps ist Jurist samt Anwaltsprüfung, war Geschäftsführer des TVB Pillersee Tal und der Kitzbüheler Alpen Marketing GmbH. Seit Dezember 2016 ist er als Prokurist in der Tirol Werbung tätig und seit 1. Jänner Geschäftsführer. Anfang der Nullerjahre war Phleps Landesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) und stellvertretende FPÖ-Landesparteiobmann von Tirol.

Das war immer die Urangst der Touristiker, dass die Marke Tirol, die sie mit viel Geld positioniert haben, verwässert wird. Wie wollen Sie denn die Touristiker beruhigen?

Phleps: Man braucht sie nicht zu beruhigen. Es ist ganz klar, dass der Tourismus die Marke aufgebaut hat. Der Tourismus wird profitieren. Wenn die Marke Tirol mit anderen Spitzenleistungen aufgeladen wird, dann trägt das zur Profilierung der Marke bei.

Sie sitzen in dem Büro, wo Sie bereits als Prokurist der Tirol Werbung gesessen sind, weil nebenan im Chefbüro noch immer Ihr Vorgänger, der jetzige Holding-Chef Josef Margreiter, sitzt. Wie sollen Sie sich da entfalten?

Phleps: Das ist kein Problem. Wir haben immer ein starkes Miteinander in der Führung der Tirol Werbung gehabt. Das wird in unseren neuen Rollen auch so sein.

In den letzten Jahren hat sich die Tirol Werbung sehr stark darauf konzentriert, sportliche Großevents an Land zu ziehen. Wird das weiter so sein?

Phleps: Wesentlich wird sein, dass es eine Spitzensportstrategie gibt und man genau weiß, welche Sportveranstaltungen man im Land haben will. Als Tirol Werbung wird es unsere Aufgabe sein, diese Events für die Marke zu aktivieren und Geschichten drumherum zu erzählen. Tirol ist das Sportland Nummer 1 in den Alpen. Dieser sportliche Ansatz ist schon in der DNA der Marke mit drin.

Tourismusreferent und LH Günther Platter spricht davon, dass Belastungsgrenzen im Tourismus erreicht seien. Ist es da geschickt, wenn man zusätzlich Großevents ins Land holt?

Phleps: Die Rad-WM ist das beste Beispiel, wie es funktionieren kann. Gut vorbereitet, gut koordiniert konnte in diesem Zug auch sehr viel Infrastruktur geschaffen werden. Und dann wurde die Veranstaltung unter Einbindung der Bevölkerung und mit Wetterglück sehr gut umgesetzt. Das schafft Vertrauen.

Ein zweites Merkmal für die Tirol Werbung ist der Tirol Berg, der derzeit bei der Ski-WM in Aare steht. Wird das der letzte Tirol Berg sein?

Phleps: Das glaube ich nicht. Es gibt auch bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld einen Tirol Berg. Der Tirol Berg ist eine Plattform, wo es darum geht, Geschichten über Tirol zu erzählen. In Aare bringen wir zusätzlich die Tiroler Gastlichkeit in den WM-Ort und in Seefeld geht es um die Medialisierung. Erstmals wird das ORF-WM-Studio im Tirol Berg untergebracht sein. Dort werden wir keine Gäste bewirten, das wird ganz Seefeld übernehmen.

Die Seefelder Gastronomie hätte wohl auch keine Freude damit, wenn im Tirol Berg Gratis-Speck und -Käse verteilt würden. Hat man für Aare dieses Mal das richtige Fleisch eingekauft?

Phleps: Ja. Der Tirol Berg hat sich wieder weiterentwickelt und wird eine Plattform sein, wo der gesamte Standort beworben werden kann.

Das Nein zur Olympiabewerbung war im urbanen Bereich besonders groß und wurde auch als schwindende Tourismusgesinnung interpretiert. Will die Tirol Werbung stärker gegensteuern und wenn ja, wie?

Phleps: Ich bin überzeugt davon, dass das Bewusstsein in der gesamten Bevölkerung da ist, dass der Tourismus ein sehr wichtiges wirtschaftliches Standbein für Tirol ist. Dass die Gesinnung angeknackst ist, ist auch ein Faktum. Das wird die Tirol Werbung allein nicht lösen können. Das geht alle an, die im Tourismus tätig sind. Es ist ganz wichtig, diesen Dialog zu führen. Tirol ist Erholungs- und Lebensraum, das schließt sich nicht aus. Der Tourismus hat ein Freizeitangebot geschaffen, von dem auch jeder Einheimische profitiert. Ohne Tourismus wird man diese Lebensqualität nicht halten können.

Viele Tiroler haben Angst, dass die Lebensqualität durch zu viel Tourismus leidet. Vor Jahren war bereits die Rede von einem Bettenstopp. Nun machen dauernd Hotelprojekte und Chaletdörfer Schlagzeilen. Braucht es einen rigiden Bettenstopp?

Phleps: Wir haben keinen Bettenzuwachs, sondern im langjährigen Vergleich einen Rückgang. Es hat eine deutliche Qualitätssteigerung beim Angebot gegeben. Das heißt, Drei-Stern-Betriebe haben sich zu Vier- oder Fünf-Stern-Betrieben weiterentwickelt. Wir haben also ein qualitatives Wachstum, das für mehr Wertschöpfung sorgen sollte.

Wir brauchen aber immer mehr Gäste, um die seit Langem rückläufige Aufenthaltsdauer zu kompensieren.

Phleps: Worauf wir schauen müssen, ist, das bestehende Bettenangebot noch hochwertiger zu machen. Mein Ansatz ist, Familien- und eigentümergeführte Betriebe zu unterstützen, nicht aber Investorenmodelle.

Würden Sie sich als Chef der Tirol Werbung eine klare Tourismusstrategie der Landesregierung wünschen, wo klar wird, was geht und was nicht?

Phleps: Das steht mir nicht zu.

Wie sieht denn die Strategie der Tirol Werbung aus? Wie und woher will man Gäste lukrieren? Braucht es beispielsweise eine aktive Bewerbung des chinesischen Marktes?

Phleps: Ich glaube, wir müssen den chinesischen Markt kennen und wir müssen auch aktiv auf diesem Markt tätig sein. Ziel muss sein, dass wir die Aufenthaltsdauer deutlich erhöhen. Derzeit ist es der Sightseeing- und Shoppingtourist aus China, der kommt.

Der bleibt überhaupt nur Stunden oder maximal eine Nacht. Auch kein Mittel, die Aufenthaltsdauer zu erhöhen.

Phleps: Das klassische Urlaubsverhalten der Menschen hat sich geändert. Wir fahren gerne kürzer, dafür öfter auf Urlaub und dieser Trend trifft Tirol als Naherholungsgebiet eben auch. Wir haben Herkunftsländer mit einer nach wie vor sehr langen Aufenthaltsdauer. Zu China noch einen Satz: Die Erwartungshaltung, dass China ein wesentlicher Markt wird, die teile ich nicht.

Worunter die Branche sehr leidet, ist der Facharbeitermangel. Sehen Sie es als Aufgabe der Tirol Werbung, hier entgegenzuwirken?

Phleps: Ich glaube, das muss ein Gesamtplan aller handelnden Akteure im Tourismus sein. Wir können einen Beitrag leisten, wenn es um die Kommunikation über Arbeiten im Tourismus geht. Seit 2001 haben wir 65 Prozent mehr Arbeitnehmer im Tourismus. Wir wachsen deutlich stärker als andere Branchen, die ebenso am Facharbeitermangel leiden. Die größte Herausforderung im Tourismus wird also nicht die Suche nach Gästen, sondern nach Arbeitnehmern sein.

Das Interview führte Anita Heubacher

Marke Tirol soll für den Standort stehen

Das rot-weiße Tirol-Longo, die Marke Tirol, soll künftig nicht mehr nur für Tourismus, sondern für den Standort stehen. Dazu wurde bereits 2016 die Lebensraum-4.0-Holding gegründet. Diese steht im Eigentum des Landes und wurde ehrenamtlich von Ex-ÖVP-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle geleitet.

Seit 1. Jänner hat Langzeit-Tirol-Werber Josef Margreiter den Job als Geschäftsführer übernommen. Unter der Holding segeln die Tirol Werbung, die Standortagentur und die Agrarmarketing. Das Budget der drei Tochtergesellschaften, die zusammen 150 Beschäftigte haben, beträgt derzeit zusammen rund 35 Millionen Euro. Davon kommen 15 bis 20 Millionen Euro vom Land, der Rest über verschiedene Kooperationen, etwa mit Tourismusverbänden oder Seilbahnen. Das Budget der Tirol Werbung allein liegt für 2019 bei 25 Millionen Euro.

Ursprünglich sollte die Holding in ein neu zu schaffendes Tirol Haus einziehen, derzeit ist sie aber in der Tirol Werbung untergebracht. (aheu, va)