Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.02.2019


Standort Tirol

Tirol mit ein Drittel mehr Privatpleiten

Fehlender Finanz-Überblick und Jobverlust sind häufigste Gründe für Privatpleiten. Firmenpleiten im Tief, heuer droht aber Trendumkehr.

Die Niki Airline, die im Sog der Air Berlin in die Insolvenz flog, war im vergangenen Jahr die wohl prominenteste Firmenpleite.

© ReutersDie Niki Airline, die im Sog der Air Berlin in die Insolvenz flog, war im vergangenen Jahr die wohl prominenteste Firmenpleite.



Wien – Mit der Reform des Insolvenzrechts Ende 2017 wurde für überschuldete Privatpersonen der Weg in den Neustart erleichtert. Wie erwartet, hat die Zahl der Privatpleiten dadurch rasant zugenommen. Wie nun die endgültigen Zahlen der Gläubigerschutzorganisation Creditreform zeigen, ist im Vorjahr die Zahl der Privatinsolvenzen in Tirol im Vergleich zu 2017 um fast ein Drittel (31,5 %) gestiegen. Konkret entschieden sich 880 Personen in Tirol, den Weg in die Privatinsolvenz anzutreten. Die stärksten Zuwächse gab es im Burgenland (+97,6 %), in der Steiermark (+72,6 %) und in Vorarlberg (+69,7 %).

Bundesweit kletterte die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen um 38,7 % auf über 11.300 Verfahren. Hauptgründe für das finanzielle Scheitern sind laut Creditreform der Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Selbstständigkeit oder ein persönlicher Schicksalsschlag wie Krankheit oder Scheidung. „Das Grundübel ist aber immer der mangelnde Überblick über die eigene finanzielle Lage, sei es bei Online-Bestellungen oder in der Selbstüberschätzung beim Gang in die Selbstständigkeit“, erklären die Gläubigerschützer. Hauptgläubiger seien Banken, Versicherungen, Mobilfunkbetreiber und Online-Shops.

Steil bergab dagegen ging es mit den Firmenpleiten. Österreichweit sanken die Unternehmensinsolvenzen auf 5224 – der niedrigste Stand seit 2001. Den stärksten Pleiten-Rückgang verzeichneten der Tourismus (-11,6 %) und die „Sachgütererzeugung“ (-7,1 %). Die von Pleiten am stärksten betroffene Branche war das Bauwesen mit 25 Insolvenzen je 1000 Unternehmen, und das trotz guter Auftragslage.

Den stärksten Rückgang an Firmenpleiten gegenüber 2017 verzeichnete Tirol mit einem Minus von 9,4 % auf 271 Insolvenzen. Obwohl bundesweit vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern betroffen waren, war das vergangene Jahr von Insolvenzen namhafter Unternehmen geprägt, erklärt Creditreform: etwa die Niki-Airline, Autozubehörhändler Forstinger, die Modekette Charles Vögele oder die Autobahnraststättengruppe Rosenberger. Vor allem kaufmännische Fehler des Managements, Liquiditätsprobleme aufgrund sinkender Margen und Forderungsverluste führten laut den Gläubigerschützern in die Pleite.

Die eintrübenden Konjunkturaussichten könnten 2019 allerdings wieder eine Trendwende einläuten, meinen die Insolvenz-Experten: „Das kann bedeuten, dass der sechsjährige Trend mit sinkenden Insolvenzen 2019 ein Ende finden wird.“ (mas)