Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.03.2019


Standort Tirol

Kraftwerke Assling und Imst werden unter die Lupe genommen

Die Förderungen für zwei Biomassekraftwerke in Tirol laufen aus bzw. sind ausgelaufen. Das Biomasse-Grundsatzgesetz sieht vor, dass die Effizienz geprüft wird.

Die Förderungen für das Biomasse(-heiz-)kraftwerk in Imst laufen heuer aus.

© PaschingerDie Förderungen für das Biomasse(-heiz-)kraftwerk in Imst laufen heuer aus.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Die Zukunft ineffizienter Biomassekraftwerke hat in den vergangenen Wochen politisch hohe Wellen geschlagen. Nachdem sich die SPÖ gegen die weitere Förderung dieser Anlagen ausgesprochen hat, hätten österreichweit 47 Anlagen geschlossen werden müssen. Betroffen sind jene Anlagen, die nur Strom erzeugen und als ineffizient gelten und deren Förderungen 2017, 2018 und 2019 ausgelaufen sind bzw. auslaufen.

Der Entwurf des Biomasse-Grundsatzgesetzes sieht vor, dass die Förderung dieser unrentablen Kraftwerke weiter möglich ist. Dafür geht die Verantwortung für die Förderung vom Bund auf die Länder über, die selber entscheiden können, ob sie ihre auch ineffizienten Anlagen retten wollen. Die Länder sind zudem für die Höhe der – von den Stromkunden finanzierten – geförderten Tarife verantwortlich.

In Tirol geht es laut Christa Entstrasser-Müller aus dem Büro von LR Josef Geisler „um zwei Anlagen, nämlich in Imst und in Assling. Ihre Förderdauer ist ausgelaufen bzw. sie läuft aus und sie sind zwei von insgesamt elf Tiroler Biomasse-KWK-Anlagen, die Strom und Wärme produzieren. Die vielen anderen Biomassekraftwerke, die nur Wärme erzeugen, stehen ja nicht in Diskussion.“ Bis wann die neuen Einspeistarife feststehen, kann laut Entstrasser-Müller „noch nicht gesagt werden. Noch ist das Gesetz in der Begutachtung und solange kein endgültiger Gesetzestext feststeht, hängen wir irgendwie im luftleeren Raum.“ Für die österreichischen Stromkunden soll sich laut Umweltministerium gegenüber bisher nur ändern, dass auf den Stromrechnungen der Biomasse-Anteil der Ökostromförderung extra ausgewiesen wird. Zu einer Mehrbelastung werde es nicht kommen, betont Entstrasser-Müller.

Für die Tiroler Anlagen sieht Landesenergiebeauftragter Stephan Oblasser keine Probleme: „Durch den so genannten wärmegeführten Betrieb ist sichergestellt, dass es sich um hocheffiziente Biomasse-KWK-Anlagen – auch Heizkraftwerke genannt – handelt. Das heißt, dass mehr als 60 % der eingesetzten festen Biomasse als Nutzenergie Strom und Wärme verwertet werden. Von ineffizienten Kraftwerken kann man sprechen, wenn aus der eingesetzten Biomasse lediglich bis 30 % Strom produziert wird und der Rest als Kondensationswärme abgeführt wird.“

Weil der Entwurf des Biomasse-Grundsatzgesetzes aber vorsieht, dass sich die Länder die Effizienz der Anlagen im Einzelnen – gestützt auf Sachverständigengutachten – ansehen, wird es weitere Gespräche geben. „Wie das dann im Detail aussehen wird, wird demnächst in einer Koordinationsbesprechung zwischen Bund und Ländern erörtert“, so Oblasser. Man gehe derzeit davon aus, „dass wir für jedes in die Regelung fallende Biomassekraftwerk – und das dürften die beiden genannten sein – ein eigenes Gutachten brauchen, das sowohl die technischen als auch die wirtschaftlichen Komponenten umfasst.“

Kritisiert wird immer wieder, dass Schadholz oder Pellets – Energieträger für die Biomassekraftwerke – aus dem Ausland kommen und die Transportwege lang sind. „Richtig ist, dass der Rohstoff Holz (Rundholz) etwa zur Hälfte nach Tirol importiert wird. Durch die stoffliche Verwertung innerhalb der Tiroler Holz­industrie fallen in etwa ein Drittel der bearbeiteten Sortimente als Sägenebenprodukte – wie Sägespäne, Rinde, Hackgut – an. Es bietet sich an, diese in effizienten Heizwerken und Heizkraftwerken zu verwerten.“ Dass die ökologische Nachhaltigkeit bei Importware nicht gegeben sei, kann Oblasser so nicht unterschreiben: „Wir können davon ausgehen, dass innerhalb Europas eine weitestgehend nachhaltige Forstwirtschaft betrieben wird.“

Für Oblasser ist klar, dass man in Tirol weiter auf Biomasse setzen wird. „Die Biomasse ist insbesondere im Lichte von Tirol 2050 energieautonom ein unverzichtbarer erneuerbarer Energieträger. Die kürzlich vorgestellten Energie- und Ressourcenszenarien 2050 gehen davon aus, dass die feste Biomasse in etwa im gleichen Ausmaß wie bisher genutzt wird.“