Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.03.2019


Osttirol

WWF kritisiert Ausbau des Schwarzach-Kraftwerks

Die Tiwag will das Schwarzach-Kraftwerk in Hopfgarten um eine Turbine erweitern. Die Umweltschutzorganisation WWF protestiert.

Die Schwarzach, die durch das Defereggental fließt, gilt für die Umweltschutz-Organisation WWF als wichtiger Zubringer der Isel. Der Kraftwerksausbau bei Huben würde Schaden anrichten, sagt der WWF.

© WWF_ATDie Schwarzach, die durch das Defereggental fließt, gilt für die Umweltschutz-Organisation WWF als wichtiger Zubringer der Isel. Der Kraftwerksausbau bei Huben würde Schaden anrichten, sagt der WWF.



Hopfgarten, Huben – Seit 2012 arbeitet die Tiwag daran, ihr Kraftwerk an der Schwarzach, gelegen in der Gemeinde Hopfgarten, zu vergrößern. Eine zweite Turbine soll die Leistung steigern.

Die Umweltorganisation WWF hat große Vorbehalte gegen dieses Projekt. Schädlich sei vor allem, dass die Tiwag mit dem Ausbau noch mehr Wasser aus der Schwarzach ableiten wolle als jetzt schon – bis zu 80 Prozent. Auch die Geschwindigkeit, mit der das Wasser fließt, wäre dann geringer. „Über viele Wochen pro Jahr wäre im Fluss nur mehr ein Bruchteil des Wassers vorhanden“, kritisiert Gerhard Egger, Gewässer-Experte des WWF.

Im Projekt der Tiwag ist auch vorgesehen, als Ausgleichsmaßnahme Tamarisken einzusetzen, und zwar im Einzugsbereich des Kraftwerks. Darüber kann Gerhard Egger nur den Kopf schütteln. „Wildvorkommen in einem dynamischen Flusslebensraum kann man nicht einfach durch ausgesetzte Pflanzen ersetzen. Die geplanten Begleitmaßnahmen können die Verschlechterungen sicher nicht ausgleichen“, warnt er.

Tamarisken kann man nicht einfach umpflanzen, meint der WWF.
Tamarisken kann man nicht einfach umpflanzen, meint der WWF.
- Oblasser

Der WWF betrachtet nicht nur das Vorhaben an der Schwarzach kritisch, sondern sieht die Isel und ihre Zubringer insgesamt in Gefahr. „Die entscheidende Frage, wie die Osttiroler Gletscherflüsse angesichts von Kraftwerks-projekten geschützt werden können, wurde bis jetzt nicht beantwortet. Wir brauchen dringend eine Gesamtstrategie für die Wasserkraftnutzung im Isel-Einzugsgebiet“, fordert Egger.

Laut Informationen der Tiwag zum Projektstand liegt die wasserrechtliche Bewilligung für den Ausbau in Hopfgarten seit 2013 vor. Zur naturschutzrechtlichen Bewilligung gab es am 7. März eine mündliche Verhandlung im Landhaus in Innsbruck, bei der auch Umweltorganisationen Parteistellung hatten. Nun wird auf das Ergebnis gewartet.

Die Tiwag erklärt, dass eine der Ausgleichsmaßnahmen in Hopfgarten bereits erfolgt sei, man habe eine Fischwanderhilfe errichtet. Laut Projektbetreuer Frank Mühlbacher seien beim Ausbau auch keine größeren Arbeiten nötig. „Es wird nur das Krafthaus vergrößert, um dem zweiten Maschinensatz Platz zu machen“, sagt er. (TT, co)