Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


Innsbruck

Werbequerdenker Hafele setzt auf frische Bilder

Der Tiroler Filmemacher Andreas Hafele baut auf Unterscheidbarkeit – auch bei touristischen Kampagnen.

Mut zu Neuem prägt die Werbefilme von Andreas Hafele.

© Matthias HelldopplerMut zu Neuem prägt die Werbefilme von Andreas Hafele.



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – 1998 ging der gebürtige Innsbrucker und jetzt wieder in Vill sesshaft gewordene Werbefilmer, Filmemacher und Regisseur Andreas Hafele zum Filmstudium nach England. 2011 kam er zurück, mit einem befreiten und veränderten Blick auf das Genre Werbefilm.

München und Wien waren Hafele für sein Filmstudium zu naheliegend – England musste es sein. Nicht nur weil es „weit genug weg von der Heimat“ war, wie Hafele in seinem Innsbrucker Büro lächelnd anmerkt, sondern weil „mich auf der Insel sowohl Filmproduktionen, eine schöne Frau als auch Werbefilme irritiert, fasziniert und ganz einfach angesprochen haben“.

Von der, wie er es nennt, „alten Schule“ der Filmausbildung am Arts Institute in Bournemouth, mit Filmrollen in der Kamera und perforierten Filmstreifen am Schneidetisch, profitiert der Regisseur noch heute. „Detaillierte Produktionsvorbereitung und ein starkes Konzept im Kopf sind der Schlüssel zu einem guten Spot. Viele Werber im Zeitalter digitaler Produktionstechnik vergessen das, filmen drauflos und versuchen, ihre Botschaften im Schnitt mit Effekten zu retten. Dann ist es meist zu spät“, meint Hafele.

In Folge war er bis 2011 mit seiner Produktionsfirma „Hafzoo“ von seinem Büro in London aus, das immer noch von Zeit zu Zeit „aktiviert“ wird, europaweit tätig. Die unterschiedlichen Zugänge in verschiedenen Ländern zum Thema Werbung haben ihn maßgeblich geprägt. Er selbst versteht seine Werbefilme als eine Art „Kunsthandwerk“, das in nur wenigen Sekunden beim Betrachter etwas auslösen, ja eine gewisse „Irritation“ erzeugen soll.

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Ebenjenen Anspruch legte er auch bei heimischen Kampagnen an, nachdem er 2011 „Hafzoo“ nach Tirol übersiedelt hatte. In einem Winterspot für die Tirol Werbung filmte er etwa nicht nur verschneite Hänge, sondern etwa auch Lawinengalerien, Schneefräsen oder Liftstützen. Untermalt wurde der Imagespot mit den damit verbundenen Geräuschen. „Wir wollen die Plätze Tirols erklingen lassen – und zwar authentisch und durch innovative Erzähltechnik.“ Den sonst üblichen blauen Himmel oder beispielsweise den dampfenden Knödel inklusive grinsender Gesichter findet man in dieser Arbeit nicht.

Auch für die Kampagne „Bist du wild genug?“ für die Axamer Lizum, derzeit in Innsbruck omnipräsent, setzt er auf dezente Irritation. Statt glücklicher Skifahrer gibt es in Schwarz-Weiß-Bildern unter anderem die Achselhaare des weiblichen Models, Schnecken, Schneekanonenstürme und Waxing-Praktiken zu sehen. „Wir wollen die jungen, wilden Innsbrucker aufwecken“, führt Hafele aus. „Das tote Schönwetterbild ist eben ausgesaugt und unterscheidet sich durch nichts mehr“, so der Werbefilmer. Exakt diese Unterscheidbarkeit sei aber wichtig: „Man muss die Leute zum Nachdenken bringen.“

Dass das mit der immer gleichen Masche gelingt, glaubt der Tiroler Werbequerdenker dabei nicht. „Gut möglich, dass in ein paar Jahren überall Achselhaare und Liftstützen in Werbeclips präsentiert werden“, schmunzelt Hafele. „Übersättigung und die kurze Aufmerksamkeitsspanne der Zuseher sind die große Herausforderung und haben zur Folge, dass sich der Werbefilm ständig neu erfinden muss. Solange der Betrachter die Liebe zum Detail in der Konzeption und Umsetzung der Botschaften spürt, wird er sie annehmen und dafür offen sein“, beschreibt Hafele seine ästhetischen Ansprüche.

Sein Wunsch: „Die Filmbilder sollen im Kopf des Zusehers hängen bleiben, zünden und im besten Fall ein kleines Feuerwerk auslösen.“