Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.03.2019


Bezirk Imst

„Ofenflamme 2019“: Franco Schiechtl holt Ofen-Oscar ins Pitztal

Franco Schiechtl aus Jerzens zeigt international groß auf und erhält morgen Mittwoch in Frankfurt am Main den Designpreis „Ofenflamme 2019“ für den schönsten Ofen.

Franco Schiechtl hat mit der Hafnerei seine Berufung gefunden. Der Pitztaler entwarf und baute den „schönsten Ofen“.

© Florian ScherlFranco Schiechtl hat mit der Hafnerei seine Berufung gefunden. Der Pitztaler entwarf und baute den „schönsten Ofen“.



Von Thomas Parth

Jerzens, Frankfurt a. M. – Die ISH ist die Weltleitmesse und der internationale Branchentreffpunkt für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und Energie in Gebäuden. Und das Beste daran: Franco rockt die Szene!

Franco Schiechtl, ein 27-jähriger Pitztaler aus Jerzens, ist seit sechs Jahren Hafnermeister. Von etlichen seiner begeisterten Kunden wurde der Ofensetzer dazu überredet, eines seiner Exponate für die „Ofenflamme“, den Designpreis der Branche, einzureichen. Prompt hat es geklappt und die Nachricht aus Frankfurt besagt, dass der schönste Ofen 2019 aus dem Pitztal stammt. „Das ist echt lässig, dass ich den Preis gewinnen konnte!“, jubelt Franco im TT-Gespräch. Erstens sei es eine finanzielle Anerkennung, da der Preis mit 800 Euro Cash und einem Werbevolumen von 7000 Euro dotiert ist. „Und zweitens muss ein guter Ofensetzer nicht zwangsläufig aus einem Ballungszentrum stammen. Auch bei uns wird Qualitätsarbeit geleistet“, unterstreicht Schiechtl – pro Jahr produziert der Pitztaler zwischen 15 und 20 Öfen. Allesamt Unikate. „Mir hat das von Beginn an getaugt, meinen eigenen Weg zu gehen“, berichtet der Youngster, der bei Ofenbau Federspiel in Landeck seine Lehre genossen hat. Die Hafnerei bot dem kreativen Kopf die Möglichkeit, seine eigene Handschrift in Design und Umsetzung von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung wahr werden zu lassen. „Das gibt es in vielen Berufen in dieser Form nicht“, bricht Schiechtl eine Lanze für seine Berufung.

Rund drei Monate würde es dauern und um die 20.000 bis 25.000 Euro würde es kosten, einen seiner Entwürfe im eigenen Zuhause zu installieren. „Mit den Auftraggebern, den Bauherrn, wächst man während dieser Entwicklungszeit eng zusammen“, weiß Schiechtl. In die Entstehungsgeschichte können oft Ideen von Raumplaner, Innenarchitekt und Bauherrn sowie der Designvorschlag des Hafnerprofis mit einfließen. „Dabei spielt die moderne Technik eine wichtige Rolle. Schließlich müssen die Emissionswerte für Holzfeuerstätten eingehalten und der Wirkungsgrad optimal ausgenutzt werden. Die Ofen-Steuerung erfolgt elektronisch“, zeigt Schiechtl auf. Wo es früher noch ein Ofentürl gab, gleitet heute eine Glasscheibe elegant nach oben und gibt später den Blick auf die Feuerstelle frei. Der Temperaturfühler misst die Wärme und optimiert über eine regelbare Zuluftklappe die Luftzufuhr. „So wird die Energie des Holzes bis zuletzt ausgenutzt“, so der Hafner. Ein Ofen gibt durch seine Speicherfähigkeit über mehrere Stunden Wärme ab und erzeugt nicht zuletzt durch den Anblick der Flammen und Glut eine heimelige Atmosphäre. „Beim ersten Anzünden eines Feuers im neuen Ofen brennen wir Tiroler die Hex’ aus. Nach einem Sprüchlein durch den Ofenbauer gießt man ein Stamperl Schnaps in den Ofen. Das soll dafür sorgen, dass der Ofen stets gut zieht“, berichtet Franco Schiechtl lachend. Ob er diesen Aberglauben auch den Frankfurtern auf der Messe beibringt, wollte der Ausgezeichnete vorab nicht verraten, nur so viel: „Man muss einfach offen sein für alles – sollte ich einen Auftrag dafür bekommen, würde ich sogar in Alaska einen Ofen bauen!“

Vom Design bis zur Realisierung des mit der „Ofenflamme 2019“ ausgezeichneten Ofens stammt alles aus einer Hand.
Vom Design bis zur Realisierung des mit der „Ofenflamme 2019“ ausgezeichneten Ofens stammt alles aus einer Hand.
- Florian Scherl