Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.03.2019


Bezirk Kitzbühel

Kitzbühel auf der Suche nach Flächen für Betriebe

Der städtische Wirtschaftsausschuss setzt auf mehr Kommunikation mit Unternehmern und ortet Potenzial für Betriebserweiterungen.

Zukunftsvision: Hier im Bereich Langau könnten vier bis sechs Hektar für die Ansiedlung von Betrieben zur Verfügung stehen.

© Harald AngererZukunftsvision: Hier im Bereich Langau könnten vier bis sechs Hektar für die Ansiedlung von Betrieben zur Verfügung stehen.



Von Michael Mader

Kitzbühel – Fünf Monate lang hat Gemeinderat Ludwig Schlechter als Obmann des städtischen Ausschusses für Wirtschaft und Stadtentwicklung den Bedarf an Erweiterungsflächen für Betriebe in der Stadtgemeinde erhoben.

„Ich gebe keine Zahlen an, das waren Gespräche im Vertrauen“, erklärt Schlechter. Auf jeden Fall hätte man viel Potenzial nach oben. Würden entsprechende Flächen angeboten, wären sie schnell weg. Ausgangspunkt für diese Annahme ist eine Bedarfserhebung über einen Fragebogen, aber auch „sehr offene und konstruktive Gespräche, die über die Flächenerhebung hinaus geführt wurden. Weiters gab es umfangreiche Kontakt­e in Form von E-Mails, Telefonaten und zahlreiche persönliche Treffen.“

Primär gehe es um klein­e und mittlere Unternehmen. Auf Nachfrage bestätigt Schlechter, dass es auch Unternehmen gäbe, die von Kitzbühel absiedeln, wenn sie in den nächsten Jahren keine entsprechenden Flächen zur Expansion vorfinden würden. „Wann, wenn nicht jetzt?“, sagt Schlechter und spricht in diesem Zusammenhang die Wiesen in der Kitzbüheler Langau an: „Das sind etwa vier bis sechs Hektar Grund. Damit wären auch viele Themen des Stadtentwicklungsplanes umsetzbar.“

Gemeinderat Ludwig Schlechter, Obmann des Wirtschafts- und Stadtentwicklungsausschusses, präsentierte das Ergebnis einer Erhebung.
Gemeinderat Ludwig Schlechter, Obmann des Wirtschafts- und Stadtentwicklungsausschusses, präsentierte das Ergebnis einer Erhebung.
- Michael Mader

Ein Ansatzpunkt für Schlechter ist aber auch der Qualitätscheck der Nahversorgung sowie Wertschöpfung in der Region, bei dem er sich speziell Kitzbühel angeschaut hat. „Wenn man von Österreich mit 100 Prozent ausgeht, liegt Tirol bei 95,8 Prozent und Kitzbühel bei 112,4 Prozent. Keine weitere erhobene Gemeinde des Bezirkes kommt über den Tirol-Schnitt, auch St. Johann nicht“, weiß der Gemeinderat. Wie berichtet, hat St. Johann mit 34.000 Quadratmetern zwar um 23 Prozent mehr Verkaufsfläche als Kitzbühel, mit einem Umsatz von 141 Millionen Euro liege man aber weit vor St. Johann mit 118 Millionen Euro. Erfreut ist Schlechter aber über die Kommunalsteuer, die im Jahr 2018 die 6-Millionen-Euro-Marke überschritten hat.

In Bezug auf Neuansiedlungen müssten die Unternehmen selbst wissen, ob es Sinn mache, sich in Kitzbühel niederzulassen. Bei der Warengruppe Möbel etwa mit einer Kaufkraftbindung in Kitzbühel von nur 17 Prozent und der starken Konkurrenz in St. Johann mache es wenig Sinn, ein Möbelgeschäft anzusiedeln. Überlegenswert wären aber Waren des mittelfristigen Bedarfs wie Bücher, Schreibwaren, Bekleidung, Schuhe oder Spielwaren. Jeder müsse aber selbst wissen, wo er Umsatzpotenzial sehe.

Arbeitsschwerpunkte im Ausschuss sind der Ausbau von Informations- und Kommunikationsplattformen, die Betriebs- und Wirtschaftsflächenerweiterungen sowie die Verbesserung der Aussichten für Jugendliche im Bereich der Wirtschaft – u. a. durch ein­e verstärkte Kooperation mit der Wirtschaftskammer.