Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.03.2019


Wasser-Debatte

Wasserpapst Haueis: “Weil es das wichtigste Nahrungsmittel ist“

Bei Seppl Haueis ist das Trinkwasser seit über 20 Jahren gratis. Für den Wirt ist das aber eine Entscheidung, die jeder selber treffen muss.

Seppl Haueis schenkt Wasser ein – beim Zammer Wirt gehört das zum Service dazu.

© ReichleSeppl Haueis schenkt Wasser ein – beim Zammer Wirt gehört das zum Service dazu.



Zams — Bei Seppl Haueis wird die Trinkwasserkaraffe ungefragt und kostenlos auf den Tisch gestellt. Was derzeit in der EU verhandelt wird — dass die Gastronomie Wasser gratis bzw. gegen eine kleine Servicegebühr anbieten soll —, das hat der Zammer Wirt in der Gemse schon vor über 20 Jahren umgesetzt. Und dafür ist er landauf, landab auch als Wasserpapst bekannt. Er fürchtet durch die neue Wasserrichtlinie aber auch den Einfluss großer Konzerne auf das Wasser und fordert, die Ressource zu verteidigen und die Gemeinden in Sachen Trinkwasser zu stärken.

Darf oder soll Wasser im Gasthaus etwas kosten?

Haueis: Meine Meinung ist: Es kann jeder entscheiden, was ihm mehr wert ist. Wenn ich im Gasthaus gratis Wasser hinstelle, dann ist das mein Service. Weil ich der Meinung bin, dass es das wichtigste aller Nahrungsmittel ist und das Wertvollste, was das Land Tirol besitzt. Normalerweise gehört auch noch eine Wasseranalyse dazu, damit man die Wertigkeit noch mehr hervorhebt.

Also auf freiwilliger Basis?

Haueis: Es liegt bei jedem selber. Für mich ist das klar. Meine Entscheidung ist gefallen, ich habe dafür auch den Wasserpreis Tirol erhalten. Wasser ist keine Aktie oder Dividende, sondern eine soziale und moralische Frage, und das gründet auf der Tatsache, dass der Mensch zu 70 Prozent aus Wasser besteht.

Muss die Gemse deshalb auf Umsatz verzichten?

Haueis: Ich sage so, wenn einer drei Flaschen Wein trinkt und dann bekommt er ein Wasser dazu, dann schmeckt ihm die vierte Flasche auch noch gut. Weil er wieder frisch wird.

Also kein Verlust?

Haueis: Ich habe ein kleines Bauerngasthaus, da ist das nicht gravierend.

Wird das von manchen Gästen auch ausgenutzt?

Haueis: Das ist nicht einmal ein Prozent. Die spielen keine Rolle. Die Gäste erkennen das auch an, dass das eine Serviceleistung ist vom Haus.

Ist es legitim für ein Glas Trinkwasser eine Servicegebühr zu verlangen?

Haueis: Als Hotelier muss ich mich entscheiden, was mir wichtiger ist: ein Haus mit goldenen Bädern oder der Service. Der eine geht in Richtung Gewinnmaximierung, damit er in die Infrastruktur investieren kann. Ich entscheide mich nicht nur für die Hardware, sondern auch für die Software und biete das kostenlose Trinkwasser als Service an.

Beides ist okay?

Haueis: In der heutigen Zeit — mit Personal, Behörden, Kontrollen — ist der Aufwand groß. Wirte sperren der Reihe nach zu, die Hotels werden verkauft. Wenn das Geschäft so gewinnbringend wäre, würde das nicht passieren. Da kann man auch eine Servicegebühr verlangen.

Das Gespräch führte Matthias Reichle