Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.03.2019


Exklusiv

Physiotherm plant Autositze, Differenzen mit Ex-Eignern

Physiotherm schielt nach Skandinavien und auf E-Autos. Beim turbulenten Ausstieg zweier Miteigentümer stand sogar der Verkauf der Firma im Raum.

Seinen Wirkungsbereich will Physiotherm über die klassische Infrarotkabine hinaus ausbauen.

© PhysiothermSeinen Wirkungsbereich will Physiotherm über die klassische Infrarotkabine hinaus ausbauen.



Von Max Strozzi

Thaur – Seit Kurzem ist der Infrarotkabinen-Hersteller Physiotherm mit Sitz in Thaur wieder großteils in Besitz von Firmengründer Josef Gunsch. Er hält 93 %, Trafikant Martin Wacker die restlichen 7 %. Ende Jänner waren der Innsbrucker Steuerberater Wilfried Stauder und die Werbeagentur P8 bei Physiotherm ausgestiegen und hatten ihre Firmenanteile von 42 % an Gunsch verkauft. Sie waren 2016 beim Unternehmen eingestiegen und hatten an Physiotherm auch Kredite vergeben. Wie jetzt bekannt wurde, dürfte der Ausstieg nicht ganz friktionsfrei über die Bühne gegangen sein. Wie aus dem Abtretungsvertrag hervorgeht, war Gunsch eine Frist bis Ende Jänner 2019 gesetzt worden, um die Anteile von Stauder und P8 zurückzukaufen und die Kredite samt Zinsen an die beiden zurückzuzahlen – insgesamt 675.000 Euro. Andernfalls würde – sichergestellt durch eine Mitveräußerungspflicht – das ganze Unternehmen an Dritte verkauft.

„Die Mitveräußerungspflicht sollte nur sicherstellen, dass ich keinen Rückzieher beim Kauf der Anteile mache“, erklärt Gunsch. Für ihn sei deshalb der Passus, wonach die Firma verkauft werden könnte, kein Thema gewesen. „Denn für mich war klar, dass ich die Anteile erwerbe.“ Dass es zwischen Gunsch und den Ex-Eigentümern gebrodelt hat, scheint aber offenkundig. „Die 100-prozentige Zufriedenheit mit den Partnern war nicht da, weil ich fachlich mehr Input erwartet hätte“, erklärt Gunsch. Wilfried Stauder bestätigt Differenzen: „Der Verkauf war Ergebnis unterschiedlicher Auffassungen über Strategie und operative Führung des Unternehmens. Wir als Minderheitengesellschafter – P8 GmbH und Wilfried Stauder – haben daher die Konsequenz gezogen und die Anteile dem Hauptgesellschafter zum Kauf angeboten.“

Im Geschäftsjahr 2017/2018 setzte Physiotherm laut Gunsch 24 Mio. Euro um. Im aktuellen Geschäftsjahr, das bis Ende April läuft, rechnet er mit einem leichten Umsatzrückgang, aber unterm Strich mit einem positiven Ergebnis. „Für das nächste Geschäftsjahr sind wir auf Wachstum ausgerichtet“, so Gunsch. Etwa in Benelux-Ländern oder nach Skandinavien. „Wir haben ein Produkt entwickelt, das via Plug &Play aus Saunen eine Infrarotkabine macht“, schildert Gunsch. „Alleine in Finnland gibt es 3 Mio. Saunen.“

Auch bei Infrarotsesseln, etwa fürs Büro, sieht Gunsch einen „Riesenmarkt“. In E-Autos will Physiotherm ebenfalls Platz nehmen. „Wir haben einen Infrarot-Autositz entwickelt und ein Patent drauf“, so Gunsch. Vorteil sei auch der Energieverbrauch: „Mit unserem System wird der Körper aufgewärmt und es muss nicht der gesamte Innenraum beheizt werden.“

Physiotherm produziert im deutschen Treuen. In Thaur ist die Holding mit 25 bis 30 Mitarbeitern angesiedelt, die für Marketing, Finanzen, Vertrieb, Geschäftsleitung und F&E zuständig sind. Unter dem Holding-Dach gibt es Vertriebstöchter für Österreich und die Schweiz sowie eine Produktions- und Vertriebstochter in Deutschland und eine Franchise-Tochter für Shops in Tirol, Salzburg, OÖ und Kärnten. Insgesamt beschäftigt Physiotherm laut Gunsch 170 Mitarbeiter.