Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.03.2019


Bezirk Landeck

Pepo ist Franzose und fährt mit Meldezetteln ab

Der „digitale Rezeptionist“ soll für Innovationsschub in der Beherbergungszunft sorgen. Ein Schönwieser IT-Haus entwickelt die Software, das Projekt wird aus EU-Mitteln gefördert.

Firmenchef Alexander Ehrhart bringt Pepo gute Manieren bei. Das Schönwieser Softwarehaus Casablanca programmiert den Assistenten auf Dienstleistungen an der Hotelrezeption, Meldezettel werden überflüssig.

© WenzelFirmenchef Alexander Ehrhart bringt Pepo gute Manieren bei. Das Schönwieser Softwarehaus Casablanca programmiert den Assistenten auf Dienstleistungen an der Hotelrezeption, Meldezettel werden überflüssig.



Von Helmut Wenzel

Schönwies – „Schalten Sie bitte Ihr Handy aus“, sagte eine Computerstimme im weißen Roboter mit schwarzen Kulleraugen. Der Chef des Hauses hatte gerade mit einem Vortrag begonnen, als irgendwo im Raum Klingeltöne zu hören waren.

Die etwa einen Meter große humanoide Kunstfigur hört auf den Namen Pepo. Sie reagiert auf Zurufe, auf Eingaben am Bildschirm an der Brust und soll künftig auch für Schmunzeln sorgen – vor allem bei den Gästen an der Hotelrezeption.

Pepo kommt aber nicht, wie man vermuten würde, aus China oder Japan. „Er ist ein Franzose“, klärt der Chef des Schönwieser Softwarehauses Casablanca, Alexander Ehrhart, auf. Dort wird Pepo derzeit zum „digitalen Rezeptionisten“ ausgebildet.

Bei der Auslieferung ist die Kunstfigur, so Ehrhart, nur mit einem Betriebssystem bzw. mit Basis-Software ausgestattet. Der Firmenchef glaubt nicht, dass Pepo in Tirol derzeit schon Geschwister hat. „Wenn ja, dann sicher nicht mit der Software, die wir jetzt entwickeln.“

Die Software, die das Casablanca-Team bis Ende August programmieren will, ist ein über das Leaderprogramm der EU gefördertes Projekt. Das Kostenvolumen liegt bei 44.000 Euro. 40 Prozent davon werden gefördert. Die Abwicklung übernimmt das Landecker Regionalmanagement regioL mit Ressortleiterin Stefanie Raich. „Auch wenn wir seit 29 Jahren Hotel­software machen, ist der digital­e Rezeptionist für uns spannendes Neuland“, sagte der Firmenchef diese Woche bei der ersten Medien-Präsentation von Pepo in seinem Schönwieser Betrieb.

Hintergrund der neuen Herausforderung seien die globale Digitalisierung generell und der akute Mitarbeitermangel im Tourismus speziell. Wobei Pepo primär nicht antreten werde, um Mitarbeiter zu ersetzen. „Vielmehr werden Zimmervermieter den Personaleinsatz optimieren können“, hob Ehrhart hervor. „Während sich der Rezeptionsmitarbeiter mit den Gästen unterhält, erledigt Pepo die Formalitäten beim Einchecken.“ Mit dem Einsatz des Roboters werde die bisherige Zettelwirtschaft ersatzlos abgeschafft. „Der Gast wird keinen Kugelschreiber mehr in die Hand nehmen müssen, um einen Meldezettel auszufüllen.“ Die gesetzliche Basis für das digitale Meldewesen gebe es seit dem Jahr 2016. Selbst die Reservierungsbestätigung, die der Gast vor seinem Eintreffen haben möchte, soll der digitale Assistent übermitteln können.

Neben dem Ein- und Auschecken werde Pepo in einer zweiten Entwicklungsphase zahlreiche weitere Dienstleistungen übernehmen können. Auch wenn die Rezeption nicht besetzt ist. Er soll digitale Gästemappen übermitteln, Buchungen der Wellness-Anlagen im Hotel bestätigen, Bezahlvorgänge abwickeln oder im Beschwerdemanagement eingesetzt werden. Und das alles 24 Stunden ohne Ermüdungserscheinungen – an sieben Tagen in der Woche.

Der Gast könne die gewünschten Dienstleistungen per App am Monitor von Pepo abrufen. Zudem werde er die Handy-Signatur des Gastes identifizieren können. „Nur Koffertragen wird er nicht können“, räumen die Schönwieser Programmierer ein.

Weil das Team Casablanc­a wissen wollte, wie die mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Figur auf Menschen wirkt, habe man sie auf eine Gastro-Messe mitgenommen. „Es hat sich gezeigt, die Leute haben zum Teil noch etwas Angst“, fasst Ehrhart zusammen. „Zur Akzeptanz des Rezeptionsroboters sind aber noch Umfragen und Interviews mit wissenschaftlicher Begleitung geplant.“

Dennoch ist der Oberländer IT-Spezialist überzeugt, dass es für den Einsatz von Pepo „ungeahntes Potenzial“ im Tiroler Tourismus gibt.