Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 24.03.2019


Exklusiv

Handl digitalisiert die Speckproduktion

Am Standort Haiming investierte der Speckproduzent Handl Tyrol 60 Millionen Euro in ein automatisiertes Werk mit 20.000 Quadratmetern Nutzfläche. 60 Mitarbeiter arbeiten dort.

Verlässliche Produktion, maximale Hygiene und Sicherheit und dazu ein gutes Arbeitsumfeld bietet der Standort Haiming.

© Verlässliche Produktion, maximale Hygiene und Sicherheit und dazu ein gutes Arbeitsumfeld bietet der Standort Haiming.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Die handwerkliche Speckproduktion bei der Firma Handl laufe wie vor 200 Jahren. „Würzen, pökeln, räuchern, trocknen – das ist alte Technologie“, erklärt Karl Christian Handl im TT-Gespräch. Modern und technologisch auf neuestem Stand ist jedoch das Umfeld für die Produktion: Handl Tyrol baute in Haiming „das digitalste Speckwerk, mitten in den Bergen von Tirol“, schwärmte auch ÖVP-Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck. 60 Millionen Euro investierte Handl in den Neubau mit 20.000 Quadratmetern Nutzfläche, ein weiterer Ausbau sei möglich, die Fläche am Areal vorhanden. 60 Mitarbeiter arbeiten seit der Fertigstellung im Frühjahr 2018 in Haiming und stellen zwei Sorten Speck her. 40 Arbeitsplätze davon seien neu entstanden. Das Stammwerk in Pians besteht weiterhin, dort werde der Fokus auf die „kleine, feine“ Speckmanufaktur gelegt.

„Wie bekomme ich einen handwerklichen, traditionellen Prozess in einen modernen, industriellen, automatisierten Ablauf?“, sei die Ausgangsfrage gewesen, erzählt Handl, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Hintergrund dafür war auch eine wegen des Fachkräftemangels notwendig gewordene Modernisierung des Arbeitsumfeldes. Junge, gut ausgebildete Techniker seien für die monotone, oft harte körperliche Arbeit des Speckmachens nicht zu gewinnen, sagt Handl. Es habe eine Perspektive gebraucht – für die Mitarbeiter und für eine effiziente, konstante und nachhaltige Produktion in Europa. Handl: „Mir war klar, ich will die Produktion in Tirol behalten und wenn ich bestehen will, muss ich mir was einfallen lassen. Wir müssen den Prozess smarter machen.“

Von der ersten Idee bis zur Realisierung des Projekts dauerte es Jahre. 2007 sah Handl erstmals das revolutionäre Lagersystem der Firma Kiva Systems in den USA. Mit „kleinen Ameisen“, selbstfahrenden Robotern, wurde dort die Ware zu den Mitarbeitern gefahren. Für die Realisierung holte der Tiroler Speckproduzent vor etwa vier Jahren Fachleute von außerhalb der Speck-Branche dazu. Fraunhofer Austria sorgte für die Innovations- und Technologieberatung und entwickelte eine moderne Produktionslogistik. „Es wurde eine Maschine entwickelt, die den Speck salzen kann“, erklärt Handl. Und: „Die wesentlichen Arbeitsschritte sind nun automatisiert. Der Mensch macht aber weiterhin die Feinarbeit.“

Vier Jahre dauerten Planung und Bau des Werks, die Implementierung von Produktionslogistik und Datenmanagement. Jetzt laufen die Optimierungen der standardisierten Prozesse dank selbstlernenden Algorithmen.

„Das Fachwissen, dass derzeit der Speckmeister hat, muss man versuchen zu digitalisieren“, sagt Handl. Die Kombination von Big Data und künstlicher Intelligenz mit dem handwerklichen Know-how sei eine „knochenharte Step-by-step-Phase“. Will Handl Tyrol mit seinem Werk in Haiming Vorbild sein? „Kunden lassen wir rein, sonst sind wir sehr verschlossen“, sagt Karl Christian Handl. Unternehmens-Chef Handl sieht seinen Speck als „Genussprodukt“. 2018 betrug der konsolidierte Umsatz 137,7 Millionen Euro, das ist ein Plus von 10,1 Mio. zum Vorjahr. 544 Mitarbeiter arbeiten an allen Handl-Standorten, plus 54 im Vergleich zu 2017. Die Kernmärkte sind Österreich und Deutschland – der Speck hat sowohl das AMA-Gütesiegel als auch das deutsche Gegenstück – die „Kultur des Specks“ wolle man aber auch „in die Welt tragen“, erzählt Handl von der USA als „Ziel, nicht als Priorität“. Noch fehle die Zulassung für den Export des haltbaren Produkts dorthin, einen Zertifizierungstermin gebe es noch nicht. Potenzial sehe man in China, „positiv“ seien auch Kanada, Südkorea und Japan.

2019 erwartet sich der Handl-Tyrol-CEO kein schnelles Wachstum. „Wir planen vorsichtig“, sagt Handl. Generell werde immer weniger Zuwachs durch ein Konsum-Plus erreicht.