Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.04.2019


Exklusiv

Struktur-Umbau geplant: Swarovski will heuer kräftig zulegen

Der Swarovski-Umsatz blieb 2018 bei 3,5 Mrd. Euro. In Wattens, wo heuer die neue Kristallfabrik starten wird, wurden 140 Beschäftigte neu eingestellt.

Eine Visualisierung der hochmodernen und 53 Mio. Euro teuren Kristallfabrik, die heuer im September in Wattens anlaufen soll.

© SwarovskiEine Visualisierung der hochmodernen und 53 Mio. Euro teuren Kristallfabrik, die heuer im September in Wattens anlaufen soll.



Von Alois Vahrner

Wattens – Tirols größter Industriekonzern Swarovski blieb im Vorjahr beim Umsatz etwas unter den selbstgesteckten Erwartungen. Der Umsatz stagnierte demnach bei 3,5 Mrd. Euro, obwohl man im operativen Geschäft um etwa 4 Prozent zugelegt habe, sagt Konzernsprecher Markus-Langes-Swarovski gegenüber der TT. Verantwortlich dafür seien vor allem Währungseffekte beim US-Dollar und Chinesischen Yuan gewesen.

Heuer scheint sich das Blatt zu wenden: Das 1. Quartal sei sehr gut angelaufen, so Langes-Swarovski. Für 2019 hat Swarovski in der Gruppe ein kräftiges Umsatzplus von etwa 7 Prozent auf über 3,7 Mrd. Euro eingeplant. Zudem werde das 2017 eingeleitete Kosten-Optimierungsprogramm erstmals voll durchschlagen und das Ergebnis des Konzerns nachhaltig verbessern.

In der Kristallsparte als mit Abstand größtem Geschäftsbereich blieb der Umsatz im Vorjahr mit 2,7 Mrd. Euro stabil. Der Schleifmittelhersteller Tyrolit legte leicht von 670 auf 676 Mio. Euro zu, die Swarovsk­i Optik von 147 auf 156 Mio. Euro. Weltweit hat Swarovski 34.500 Beschäftigte, davon allein 29.000 im Kristallbereich. Die Produkte werden in über 3000 Stores in 170 Ländern vertrieben. Tyroli­t hat 4600 Mitarbeiter, die Swarovski Optik 960.

In Tirol ist die gesamte Swarovski-Grupe mit über 6600 Beschäftigten der größt­e private Arbeitgeber, davon arbeiten allein 4800 in der Kristallsparte in Wattens. Laut Langes-Swarovski habe man nach einigen Kürzungswellen in den letzten Jahren erstmals wieder Personal in der Produktion aufgebaut. „Alleine 2019 haben wir 140 Produktionsmitarbeiter eingestellt, wir haben noch 30 offene Stellen in der Kristallproduktion und 70 Stellen im Angestelltenbereich, vor allem in der IT, dem Data Service und der Produktentwicklung.“ Man setze ganz bewusst auf einen bunten Talente-Mix, auch „jenseits von Lebensläufen und klassischen Profilmerkmalen“. Auch die Betriebskinderkrippe wurde von gut 30 auf 100 Plätze jüngst mehr als verdreifacht.

Markus Langes-Swarovski ist für heuer sehr optimistisch.
Markus Langes-Swarovski ist für heuer sehr optimistisch.
- Swarovski

Nach der Eröffnung der Kristall-Manufaktur (bisher haben bereits über 350 Kunden hier mit den Swarovski-­Experten neue Produkte kreiert) soll heuer im September auf 36.000 Quadratmeter Fläch­e die „modernste Kristallfabrik der Welt“ starten. Für dieses neue Kristallschleifzentrum, in dem alle Arbeitsprozesse unter einem Dach möglich sind und das einen Sprung bei der Effektivität und „riesige Kostenvorteile“ bringen soll, werden 53 Mio. Euro investiert. Die Fabrik soll Stück für Stück besiedelt werden. „Das ist eine Operation am offenen Herzen“, sagt Langes-Swarovski. Sehr gut entwickelt habe sich auch die Werkstätte Wattens. Hier hätten sich bereits 55 Unternehmen mit 250 Mitarbeitern angesiedelt, ein weiterer Ausbau von derzeit 4100 um weitere 1200 Quadratmeter ist geplant.

Weiter investiert werde auch in die 1995 eröffneten und seither mehrmals umgebauten und kräftig erweiterten Swarovski Kristallwelten. „Ziel ist, die Besucher stetig mit neuen Attraktionen staunen zu lassen und glücklich zu machen“, so Langes-­Swarovski. Kommen soll u. a. ein Karussell. Zuletzt lockten die Kristallwelten 650.000 Besucher an, vor allem Indien und China punkten mit kräftigen Zuwachsraten von bis zu 15 Prozent.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit wolle Swarovski neue, große Schwerpunkte setzen. „Die Produktion nach ökologischen Kriterien wird ein zunehmend wichtigerer Faktor für unsere Kunden. Hier sind wir schon jetzt Vorreiter.“ Swarovski habe verschiedene UNO-Ziele zu den eigenen gemacht, von der Geschlechter­gleichheit über die nachhaltige Bewirtschaftung mit Wasser, der Ressourcen­schonung bis zum ökologischen und nachhaltigen Umgang mit Energie. Ein Drittel der Energie komme jetzt schon aus eigenen Kraftwerken, man plane weitere Initiativen, kündigt Langes-­Swarovski an.

Kristall-Clan will Struktur umbauen

Im Jahr 1895 hatte der aus Böhmen stammende Daniel Swarovski das Unternehmen mit der ersten industriellen Kristallschleifmaschin­e in Wattens aus der Taufe gehoben. Tirols größter Industriekonzern hat seit Langem Weltruf, einen Markenwert in ansehnlicher Milliarden- höhe, und lässt heute auch viele Stars und Top-Events wie den Opernball oder die Oscar-Gala mit unzähligen Kristallen funkeln.

Swarovski ist auch 124 Jahr­e nach der Gründung noch immer zu 100 Prozent ein Familien­unternehmen, der Konzern wird heute von der Familie in fünfter Generation geführt. Die Zahl der Familienmitglieder im Kristall-Clan ist auf über 200 angewachsen, davon sind 80 als Gesellschafter auch stimmberechtigt.

Seit Jahren wird familienintern intensiv darum gerungen, effizientere und raschere Entscheidungsstrukturen zu schaffen, weil viele wichtige Entscheidungen laut den Verträgen von 1977 nur mit ex­trem hohen Quoren oder gar einstimmig erfolgen können.

„Wir müssen und möchten uns weiter professionalisieren und eine umfassende Reform für die Zukunft einführen", sagt Konzern-Sprecher Markus Langes-Swarovski zur TT. Mit Jahreswechsel wurd­e bereits die Struktur in der Geschäftsführung umgebaut: Daniel Cohen schied aus dem Executive Board aus. Im nunmehr nur noch vierköpfigen Gremium sitzen neben Markus Langes-Swarovski Nadja Swarovski, Robert Buchbaue­r und Mathias Margreiter. Mit der Reform wurden die Zuständigkeiten neu verteilt und dabei vor allem auch das Firmenkunden- vom Privatkundengeschäft genauer getrennt.

Man arbeite an effizienteren Entscheidungswegen und einer Struktur, „mit der wir Möglichkeitsräume schaffen und uns alles offenhalten". So schließt Langes-Swarovsk­i nicht aus, dass zukünftig auch externe Manager in die Geschäftsleitung und Aufsichtsorgane einziehen können. Swarovski habe für alle geplanten Maßnahmen und Pläne, etwa auch Übernahmen, genügend Eigenkapital. Und niemand in der Familie wolle zurzeit etwa Anteile verkaufen oder an die Börse gehen. Aus seiner Sicht wäre das jetzt auch nicht vernünftig „Trotzdem sollten wir uns eine Struktur geben, die nicht durch Dogmen von vornherein beschränkt wird."