Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.04.2019


Luftfahrt

Fliegen bleibt turbulent: Doppelt so viele Beschwerden wie im Vorjahr

Die Zahl der Beschwerden von Passagieren hat sich im Jänner und Februar 2019 zum Vorjahr bereits verdoppelt. Fliegen bleibt laut Experten also auch 2019 turbulent.

Wer seinen Flug verpasst, muss warten. Manchmal auf den nächsten Flieger, oft auch auf die Bahn.

© Getty ImagesWer seinen Flug verpasst, muss warten. Manchmal auf den nächsten Flieger, oft auch auf die Bahn.



Innsbruck – Wer beruflich oder privat viel fliegt, muss sich offenbar damit abfinden – Flugverspätungen mit all ihren Folgen, etwa einem verpassten Anschlussflug, gehören mittlerweile zum Alltag. Wer zu spät in Wien-Schwechat landet, bemerkt dies trotzdem oft erst bei der Verabschiedung des Piloten knapp vor der Landung. Und dann herrscht unter gestrandeten Passagieren manchmal Unverständnis, warum sich der Anschlussflug nicht mehr ausgeht. AUA-Sprecherin Marleen Pirchner erklärt den Grund in „engen Zeitfenstern, die ein Starten und Landen nach Belieben bzw. nach Verspätung unmöglich machen“. Die so genannte „minimum connection time“ am Flughafen Wien betrage jedenfalls 25 Minuten.

Ist der Anschlussflug verpasst, dann wartet nicht immer – wie ja eigentlich geplant – einfach das nächste Flugzeug. Denn wer keinen Platz auf einem der nächsten Flüge bekommt, der muss mit dem Zug fahren. Eine offenbar mittlerweile nicht seltene Umbuchung, inklusive Hinweis auf mögliche Reklamation.

„Die meisten Beschwerden gibt es in Österreich – naturgemäß – zur Flugline Austrian Airlines (AUA)“, sagt Sabrina Köcher, Sprecherin der Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf). Und diese Beschwerden dürften auch 2019 anhalten. Allein im Jänner und Februar 2019 hätte sich die Zahl der eingebrachten Beschwerden im Vergleich zu den Vorjahresmonaten verdoppelt (2018: 445, 2019: 853). Flugverspätungen, Annullierungen, lange Schlangen vor der Sicherheitskontrolle – auch für heuer werden wieder Probleme in der europäischen Luftfahrt erwartet. Als Hauptschuldige werden von Köcher Kapazitätsengpässe, Streiks und pleitegegangene Fluglinien ausgemacht. Flugzeiten sind also offenbar eher Vorschläge, nicht mehr fixe Angaben. Das unterstreicht auch eine Erhebung von AirHelp, einer Organisation für Fluggastrechte. Demnach sind am Flughafen Wien 2018 mehr als ein Viertel aller Flüge nicht nach Plan gestartet. Damit landet der Airport in Schwechat in Sachen Flugverspätungen und -ausfällen auf Platz fünf einer Rangliste der zehn größten Flughäfen im deutschsprachigen Raum.

Die meisten Probleme gab es übrigens am Drehkreuz Frankfurt am Main. Dort verkehrte laut AirHelp gleich mehr als ein Drittel aller Flüge unplanmäßig: 33,9 Prozent aller Starts am Airport seien verspätet gewesen oder ausgefallen. Damit verzeichnete der größte Flughafen des deutschsprachigen Raums die schlechtesten Pünktlichkeitswerte. (ver)