Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.04.2019


Exklusiv

Internat in Neustift als Hotel? Land Tirol in der Kritik

Ski-Internat vermietet bis zu 76 Betten samt Vollpension. Land ortet keinen Grund für Gewerbeschein. Oberhofer ist darüber „entsetzt“ und kritisiert Konkurrenz zu Hotels.

Die Vermietung von Zimmern mit Vollpension im neuen Ski-Internat in Neustift lässt Fragen offen.

© Denise DaumDie Vermietung von Zimmern mit Vollpension im neuen Ski-Internat in Neustift lässt Fragen offen.



Von Max Strozzi

Neustift – Mit rund 33 Mio. Euro hat das Land Tirol in Neustift einen Schulcampus errichtet. Volksschule, Neue Mittelschule, Polytechnische Schule werden an dem Standort vereint. Ebenso findet die Ski-Mittelschule und ein neues Internat Platz. Träger der Ski-Mittelschule samt Internat sind Land und Tiroler Skiverband.

Bei NEOS-LA Dominik Oberhofer sorgt nun die Nutzung des Schulcampus für Verwunderung. Denn Internatsbetten werden das ganze Jahr über mit Frühstück oder Vollpension auch an externe Trainingsgruppen und Einzelpersonen vermietet. Das ist einem Werbeprospekt zu entnehmen, das auf der Homepage der Ski-Mittelschule heruntergeladen werden kann und das Oberhofer laut eigenen Angaben von einem deutschen Reiseveranstalter zugesandt wurde. Dem Prospekt zufolge biete das Ski-Trainingszentrum „in der Schulzeit (September bis Ende Juni) Platz für 18 Personen. In den Ferienzeiten können im Haus bis zu 76 Personen aufgenommen werden. Im Trainingszentrum selbst wird durch die Großküche samt Küchenteam Vollpension angeboten.“ Auch die Preise werden angeführt: zwischen 27 Euro und 60 Euro pro Person und Nacht inkl. freier Kraftraumbenützung und Turnhalle und exklusive Kurtaxe (2,80 Euro).

Dominik Oberhofer (NEOS): "Ein mit 33 Mio Euro Steuergeld errichteter Schulcampus konkurriert mit Hotels. Und das ohne Gewerbeschein."
Dominik Oberhofer (NEOS): "Ein mit 33 Mio Euro Steuergeld errichteter Schulcampus konkurriert mit Hotels. Und das ohne Gewerbeschein."
- Böhm

Damit trete der Schulcampus mit Hotels in Konkurrenz, kritisiert Oberhofer: „Mit 33 Millionen Euro Steuergeld, die für Bildung vorgesehen sind, ist auch ein Tourismusbetrieb entstanden. Die Landesregierung fügt touristischen Betrieben Schaden zu, indem sie einen mit öffentlichen Geldern subventionierten Tourismusbetrieb den Unternehmern vor die Nase setzt“, so der NEOS-Chef. Es sei nie die Rede von Zimmervermietung gewesen, andernfalls wäre die Abstimmung über die Mittelaufstockung für den Campus im Dezember anders verlaufen.

Für eine Bettenvermietung dieser Größenordnung samt Vollpension sieht die Gewerbeordnung eigentlich verpflichtend eine Gewerbeberechtigung für das Gastgewerbe vor. Wie das Land auf TT-Anfrage bestätigt, verfügt das Internat der Ski-Mittelschule aber nicht über eine solche Gewerbeberechtigung für das Gastgewerbe. Das Land verweist auf seine dafür zuständige BH Innsbruck. „Von der Gewerbebehörde [...] wurde mitgeteilt, dass das Internat der Ski-Mittelschule Neustift bzw. dessen Vermietung keinen Gastgewerbebetrieb darstellt. Somit ist auch keine Gewerbeberechtigung notwendig“, teilte das Büro des zuständigen LH-Stv. Josef Geisler mit. Die Vermietung sei in den Statuten des Vereins zur Erreichung des Vereinszweckes vorgesehen und auch im vormaligen Internat betrieben worden. Und das Kompetenzzentrum „Ski“ stelle laut Geisler auch keine Konkurrenz zu den Tourismusbetrieben dar, sondern sei eine Ergänzung zu den Bemühungen des Tourismusverbandes, das Stubaital als Sportdestination zu platzieren.

„Ich bin einfach nur fassungslos“, erklärt Oberhofer, selbst Hotelier, zur fehlenden Gewerbeberechtigung. „Es werden in bis zu 76 Betten Privatpersonen mit Vollpension beherbergt und zusätzlich Leistungen wie Turnhalle etc. angeboten – wenn hier kein Gastgewerbebetrieb vorliegt, wann dann“, fragt er sich. Für den NEOS-Mandatar stelle sich die Frage, ob alle Genehmigungen erfüllt seien. Zudem sei es seltsam, dass als Kontakt zur Vermietung die E-Mail-Adressen des Tiroler Schulnetzes (tsn.at) benutzt werden.