Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.04.2019


Exklusiv

Aus für Einwegplastik: Bis 2020 flächendeckend Kaffeebecher aus Papier

Die Firma Holly aus Hall forciert in ihren 7000 Automaten das Aus für Plastikbecher, eine E-Ladestation soll öffentlich zugänglich sein.

Schon seit Jahren wird versucht, Plastikbecher zu verbannen und auf recycelbare Papierbecher umzustellen.

© Getty Images/iStockphotoSchon seit Jahren wird versucht, Plastikbecher zu verbannen und auf recycelbare Papierbecher umzustellen.



Innsbruck – Einwegplastik vergrößert zweifelsohne den Müllberg – offizielle Zahlen für Österreich gibt es keine, Umweltschützer kritisieren jedoch die Einwegkaffeebecher seit Langem. In Deutschland wird mit rund 320.000 Bechern pro Stunde gerechnet, das sind rund 2,8 Milliarden Becher pro Jahr. Das bedeutet etwa 40.000 Tonnen Einwegbecherplastikmüll. Tiroler Unternehmen beteiligen sich daran, Plastikmüllberge – bereits vor einem gesetzlichen Verbot in Österreich (ab 2020) und der EU (ab 2021) – kleiner werden zu lassen.

Carina Schiestl-Swarovski (Swarovski Optik) und Bernhard Peskoller (Holly) setzen auf recycelbare Kaffeebecher.
Carina Schiestl-Swarovski (Swarovski Optik) und Bernhard Peskoller (Holly) setzen auf recycelbare Kaffeebecher.
- © SWAROVSKI OPTIK

So verfolgt die Firma Holly aus Hall in ihrer „Vision 2020“ konsequent die Reduktion von Plastik. Und die Kunden ziehen mit. Die erste Umstellung von Plastik- auf recycelbare Papierbecher erfolgte 2018 bei Swarovski Optik in Absam. Carina Schiestl-Swarovski, Vorsitzende des Vorstands bei Swarovski Optik, will mit der Aktion die Liebe der Menschen zur Natur wecken: „Denn Dinge, die man liebt, schützt man.“ Sie sieht es auch als klare Aufgabe des Unternehmens, nachhaltig zu handeln – im Großen wie im Kleinen. „Denn jeder kann seinen Beitrag leisten.“ Die Umstellung zeigte Erfolg. 2018 konnte am Standort Absam der Plastikverbrauch bei Kaffee- und Kakaobechern um 92 Prozent reduziert werden. Denn: Es bleibt kein Abfall übrig von den Papierkaffeebechern. Diese können vollständig über das Altpapier entsorgt werden.

Bis jetzt haben bereits 20 Prozent der Holly-Kunden den Wechsel vom Plastik- zum Papierbecher vollzogen. „Bis 2020 soll der Kaffeebecher aus Papier dann flächendeckend eingeführt sein“, sagt Holly-Geschäftsführer Bernhard Peskoller. Diese Umstellung zum Schutz der Umwelt kostet auch Geld. Denn Papierbecher seien im Einkauf erheblich teurer als Plastikbecher. Daher bedingt die Umstellung von Plastik- auf Papierbecher zwangsläufig eine Preiserhöhung bei den Heißgetränken. Doch für die Umwelt wird offenbar auch ein bisschen mehr bezahlt. Die Preiserhöhung werde von den Kunden durchwegs positiv aufgenommen, sagt Peskoller. Dadurch fühlt er sich in seinem – nachhaltigen – Weg bestätigt. Ein Entgegenkommen des Unternehmens gibt es aber: „Sämtliche Kosten, die aufgrund der technischen Umrüstung anfallen, werden zu 100 Prozent von uns getragen.“ Holly setzt auch abseits der Plastikbecher auf Umweltschutz. So habe Tirol als kleinstrukturiertes Gebirgsland in Europa große Wettbewerbsnachteile zu tragen, sagt Peskoller: „Um auf dem europäischen Markt bestehen zu können, müssen wir uns abheben. Dazu ist es vor allem wichtig, dass wir selbst hinter den Tiroler Produkten stehen.“

Holly ist daher dem Klimabündnis Tirol beigetreten, um mit Gemeinden, Bildungseinrichtungen, Betrieben und dem Land einen sichtbaren Schritt zur Reduktion der Treibhausgas-Emission zu setzen. So wurde etwa der Fuhrpark erneuert, er ist zur Zeit zu 19,5 Prozent mit Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (Gas und Elektro) ausgestattet. Zusätzlich wurde mit der Errichtung einer 70-kW-Photovoltaik-Anlage auch der Grundstein für E-Tankstellen auf dem Holly-Betriebsgelände gelegt. Es sollen aber nicht nur Holly-Firmenfahrzeuge dort aufgeladen werden, die E-Ladesäulen sollen auch der Öffentlichkeit zugänglich sein. (ver)