Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.04.2019


Bezirk Kitzbühel

Mehr Schnee, weniger Gäste im Bezirk Kitzbühel

Die Touristiker im Bezirk Kitzbühel ziehen eine durchwachsene Bilanz. Die Wintersaison war von den großen Schneefällen im Jänner geprägt und konnte bei den Nächtigungen kaum Steigerungen bringen.

In Kitzbühel läuft die Wintersaison noch, die anderen Tourismusverbände im Bezirk haben die Saison schon abgeschlossen.

© KitzSkiIn Kitzbühel läuft die Wintersaison noch, die anderen Tourismusverbände im Bezirk haben die Saison schon abgeschlossen.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Ein Winter wie im Bilderbuch mit jeder Menge Schnee – und trotzdem ließ die abgelaufene Saison die Touristiker im Bezirk nicht nur jubeln. Denn mit dem vielen Schnee kamen weniger Gäste. „Der große Schneefall im Jänner hat uns vor Herausforderungen gestellt“, sagt Max Salcher, GF TVB Brixental.

Der Winter habe sehr gut angefangen, aber dann im Jänner seien bei dem starken Schneefall kaum Neubuchungen hinzugekommen. „Gäste, die bereits gebucht hatten, sind kaum ausgefallen, die haben sich bei uns über die Situation informiert“, schildert Salcher. Die am häufigsten gestellte Frage war, ob man überhaupt erreichbar sei. „Unser Tal ist aber über zwei Seiten erreichbar, bei uns gab’s nie größere Probleme“, schildert Salcher.

Dennoch war es schwierig, diese Sicherheit in den Zielmärkten an den potenziellen Gast zu bringen. „Die sehr negative Bereichterstattung in den deutschen Medien hat die Menschen verunsichert“, sagt Salcher. Dazu kam heuer noch der sehr späte Ostertermin. Trotzdem verbuche man im Brixental lediglich ein Minus von 1,6 Prozent. „Und da messen wir uns am Rekordwinter des Vorjahres“, betont Salcher.

Ein kleines Plus von 0,7 Prozent vermeldet der TVB Pillerseetal. Auch Geschäftsführer Armin Kuen betont, dass der Jänner schwierig war. „Im Jänner sind die Kurz- und Wochenendurlauber ausgeblieben. Bei den Bayern hatten wir ein Minus von zwölf Prozent“, schildert Kuen. Die klassischen Winterurlauber seien aber wie immer gekommen. Auch er sieht das Problem in der negativen Berichterstattung in deutschen Medien. „Wenn ich in München sitze und mir Katastrophenbilder und Staus gezeigt werden, würde ich auch nicht wegfahren“, sagt Kuen. Der TVB Hohe Salve hingegen verzeichnete über den heurigen Winter mit -0,5 Prozent ein leichtes Minus gegenüber dem Vorwinter. Trotz Schneemengen lagen die Jännerzahlen über jenen vom Vorjahr, aber der März wies ein starkes Minus auf.

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Den Blick von den Nächtigungszahlen lösen, das fordert indes TVB-St.-Johann-Geschäftsführer Gernot Riedel. „Die Nächtigungszahl allein sagt letztlich nichts über Wertschöpfung, Auslastung, Umsatz pro verfügbarem Bett usw. aus, und auch der kurzfristige Vergleich mit der vorherigen Saison oder dem Vergleichsmonat des Vorjahres birgt extrem wenig Aussagekraft über Erfolg oder Misserfolg in sich“, erklärt Riedel. Es würden sehr viele Faktoren bei Erfolg und Misserfolg im Tourismus mitspielen. So zum Beispiel neue Projekte, geschlossene Häuser, die Lage der Feiertage und eben auch die Witterung. Das betonen auch die Kollegen Kuen und Salcher. „Wir hatten heuer im Winter zwei Häuser weniger, die alleine haben im Winter des Vorjahrs 20.000 Nächtigungen gemacht, heuer haben wir 16.000 weniger Nächtigungen verbucht“, schildert Salcher.

Wichtiger sind für die Touristiker die Auslastung und auch die Vollbelegstage in der Region oder der Umsatz pro Gästebett. Wichtige Zahlen über die Entwicklung im Mehrjahresvergleich würde dazu die Tirol Tourism Research (TTR) liefern. Daraus geht hervor, dass die Region St. Johann im Zeitraum 2016–2018 die Vollbelegstage von 125 auf 134 steigern konnte. Auch der Umsatz pro Bett konnte deutlich von 6700 im Jahr 2013 auf 8692 Euro erhöht werden. Auch im Pillerseetal sind die Vollbelegstage von 123 auf 129 gestiegen. Überrascht zeigt sich Kuen vom Ergebnis beim Umsatz pro Bett. Hier gab es eine Steigerung von 4400 Euro auf 6400 Euro im Zeitraum, von 2013 bis 2018.

Im Brixental ist dieser Umsatz im Vergleichszeitraum von 5500 Euro (2013) auf 7300 gestiegen. Die Vollbelegstage sind minimal von 147 (2015/16) auf 150 gestiegen. Im Verbandsgebiet Hohe Salve sind die Vollbelegstage von 91 (15/16) auf 114 gestiegen, der Umsatz pro Bett hat sich ebenfalls deutlich gesteigert von 3300 (2013) auf gut 7300 im Vorjahr.

Noch nicht vorbei ist die Wintersaison in Kitzbühel, hier zieht Direktorin Viktoria Veider-Walser erst eine Vorabbilanz. „Es wird heuer wohl ein kleines Minus bleiben“, sagt Veider-Walser. Auch in Kitzbühel habe der viele Schnee im Jänner dazu beigetragen. „Zudem lag die Latte vom Vorjahr sehr hoch“, betont auch die Kitzbühel-Direktorin. Besonders stark ist Kitzbühel hingegen beim Umsatz pro Bett. Dieser lag im Vorjahr bei gut 18.600 Euro (2013: 14.800 Euro). Damit liegt man klar an der Spitze Tirols. Stagnierend sind hingegen seit 2016 die Vollbelegstage, diese liegen stabil bei 138 Tagen.




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