Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.04.2019


Bezirk Kufstein

Öl und Gas dominieren rund um die Stadt Wörgl

Im Planungsverband 29 sollen mittels Pilotprojekt fossile Brennstoffe durch nachhaltige Wärmeversorgung ersetzt werden.

Weniger fossile Brennstoffe sollen künftig in den Haushalten rund um Wörgl die Kamine zum Rauchen bringen.

© www.muehlanger.atWeniger fossile Brennstoffe sollen künftig in den Haushalten rund um Wörgl die Kamine zum Rauchen bringen.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Wie heizt Tirol 2050? Eine gute Frage, die aber in jedem Ort anders beantwortet werden muss. Daher hat das Land Tirol ein Pilotprojekt mit dem Planungsverband 29, also Wörgl und Umgebung, gestartet. Vorab, so Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler, ging es darum, den Energiebedarf und dessen Deckung zu erheben und daraus Rückschlüsse auf Änderungspotenzial zu bekommen.

Die Dienstleistungs-GmbH „Wasser Tirol“ stellte diese Zahlen für acht Gemeinden (Angath, Angerberg, Bad Häring, Breitenbach, Kirchbichl, Kundl, Maria­stein und Wörgl) zusammen. Der Hauptteil der benötigten Energie wird mit 31 Prozent für Strom verwendet, 28 Prozent fließen in die Wärme für Industrie und 23 Prozent in die Wärme für Gebäude, 18 Prozent des gesamten Energieverbrauchs werden für Mobilität benötigt. Bei letzterem Wert ist auch die Autobahn miteingerechnet. Die gute Nachricht: 100 Prozent des Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen. Die weniger gute: Bei der Wärme überwiegen noch immer fossile Stoffe, wobei das Heizöl mit 26 Prozent mehr im Einsatz ist (weitere Daten siehe rechts).

Diesen Bereich Wärme will man nun mit gezielten Maßnahmen möglichst frei von fossilen Brennstoffen machen. „Die Herausforderung besteht jetzt darin, Öl und Gas aus den Gebäuden hinaus- und Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse und Sonnenenergie hineinzubringen“, sagt LHStv. Geisler. Wie das gehen könnte: „Wir müssen gemeinsam verstärkt daran arbeiten“, ist die Planungsverbandsobfrau, Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner, überzeugt. Sie bringt dazu auch die Stadtwerke Wörgl in Stellung, die gleich praktischerweise in das Projekt miteingebunden sind. Denn auch LHStv. Geisler betont, „dass kleine Gemeinden einen Kümmerer brauchen. Das würde deren Möglichkeiten übersteigen.“

442 Gigawattstunden Energie werden zum Heizen benötigt.
442 Gigawattstunden Energie werden zum Heizen benötigt.
- thomas boehm

Ein Vertreter dieser kleinen Gemeinden, die so einen Kümmerer brauchen, ist Bürgermeister Josef Haaser. In seiner Gemeinde Angath werden 82 Prozent der Häuser mit fossilen Brennstoffen beheizt. Eindeutig zu viel, daher will er den Ausstieg aus Gas und Öl auch verstärkt forcieren.

Tatsächlich zeigt die Studie große örtliche Unterschiede, wie Rupert Ebenbichler vom Studienersteller „Wasser Tirol“ erklärt. Musterschüler ist Kundl, wo nur 23 Prozent der Häuser mit Öl und Gas beheizt werden. Ursache ist ein bereits vor Jahrzehnten gestartetes Fernwärmeprojekt mit der heißen Abluft der Sandoz-Werke. Auch in Wörgl wurde Ähnliches mit der Tirol Milch umgesetzt. Im gesamten Planungsverband kommt die Fernwärme-Versorgung auf 20 Prozent.

„Der Planungsverband hat viele Ressourcen, die noch besser genutzt werden können“, sagt Ebenbichler. Über das Wie wird im Juni bei einem Wärme-Symposium diskutiert.

Die fossile Energie überwiegt als Wärmequelle.
Die fossile Energie überwiegt als Wärmequelle.
- Wasser Tirol

Verband in Zahlen

Der Planungsverband hat 33.650 Einwohner. Über 8500 Gebäude (davon 80 % Wohngebäude), 400 Betriebe.

Energiebedarf: 614 GWh Strombedarf (davon 65 GWh Haushalte), 442 GWh Gebäudewärme für Heizung und Warmwasser (davon 308 GWh Wohngebäude). 352 GWh Mobilitätsbedarf.

Bedarfsdeckung: Strom: 100 % erneuerbar; Wärme: Gebäude 51 % fossil, Mobilität: 99 % fossil. Quelle: Wasser Tirol.