Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.04.2019


Bezirk Schwaz

TT-Forum zu Tourismus in Mayrhofen: “Haben Ordnung im Ort nötig“

Mayrhofen ohne Tourismus – das geht nicht. Doch die Bewohner wollen nicht unter Lärm und Randale der Gäste leiden. Beim TT-Forum im Europahaus Mayrhofen wurde über mögliche Maßnahmen diskutiert.

Am Podium diskutierten Johannes Sandhofer, TT-Chefreporter Manfred Mitterwachauer, TVB-Obmann Andreas Hundsbichler, BM Monika Wechselberger und Bezirkspolizeikommandant Romed Giner (rechtes Bild, v. l.).

© Vanessa Rachlé / TTAm Podium diskutierten Johannes Sandhofer, TT-Chefreporter Manfred Mitterwachauer, TVB-Obmann Andreas Hundsbichler, BM Monika Wechselberger und Bezirkspolizeikommandant Romed Giner (rechtes Bild, v. l.).



Von Eva-Maria Fankhauser

Mayrhofen – Hauswände, die mit Eiern beschmiert sind. Zäune, die niedergerissen wurden. Grölende Menschen, die durch die Straßen ziehen. Jugendliche, die auf Balkonen die Musik voll aufdrehen, Alkohol trinken und halbnackt herumschreien. Mit Szenarien wie diesen zeigte Johannes Sandhofer beim TT-Forum in Mayr­hofen zum Thema Sicherheit, was sich im Ortskern teilweise abspielt.

Dass die Sicherheit im Ort die Bewohner bewegt, das ist laut BM Monika Wechselberger offensichtlich. Nun heiß­e es einen gemeinsamen Weg finden, damit man wieder mehr „Ordnung“ schaffen könne. Das war auch das Stichwort für TVB-Obmann Andreas Hundsbichler. Denn für ihn sei Mayrhofen sicher. Aber: „Wir haben Ordnung im Ort nötig. Und das können die Gemeinde und die Polizei organisieren.“ Den TVB nehme er da aus der Verantwortung raus. Aber man helfe, wo man könne. Er pocht auf die Eigenverantwortung der Touristiker.

„Die Pflicht fängt bei den Vermietern an. Man darf die Situation aber nicht pauschalieren. Es gibt eben einige Hotspots. Das setzt aber den ganzen Ort unter Stress, wenn immer so ein Lärm und Radau herrscht“, sagte Sandhofer. Er schreite als Vermieter ein, wenn seine Gäste über die Stränge schlagen. Aber es gebe auch Häuser, die einfach mit Gästen vollgestopft werden, wo aber kein Verwantwortlicher vor Ort sei, um einzuschreiten, kritisierte BM Wechsel­berger.

„Was ist denn nun seit dem Sicherheitsfrühstück passiert?“, fragte Peter Stöckl, der mit einer Petition Anfang des Jahres für mehr Sicherheit im Ort plädierte. Laut der Orts­chefin wurden bereits Gespräche mit den Betrieben an neuralgischen Punkten im Ortszentrum geführt. „Sie sind bereit, eine Nachtstreife mitzufinanzieren“, sagte Wechselberger. Man wolle weiterhin laufend Verbesserungen besprechen. Zudem erklärte Gemeindepolizist Didi Wechselberger, dass man eine Art Arbeitsgruppe installiere. „Wir wollen mit Experten aus den einzelnen Bereichen fünf Punkte für eine bessere Ordnung in Mayrhofen finden“, sagte er. Am 7. Mai steht ein Termin mit der Bundespolizei an. Alle wollen an einem Strang ziehen. „Wir müssen jetzt versuchen, es besser zu machen“, sagte er.

GR Notburga Huber meldete sich aus dem Publikum mit dem Vorschlag, ab 23 Uhr wie bei einer Hausordnung lärmende Leute auf Balkonen zu strafen. Ein anderer Mayrhofner glaubt, dass es nur durch „physische Polizeipräsenz“ zur Besserung kommen könne.

„Die Mehrheit des Gemeinderates ist derzeit nicht für einen dritten Gemeindepolizisten“, betonte BM Wechselberger. GR Huber betont, dass sie dagegen sei, weil ein weiterer Bundespolizist mehr Handhabe hätte. Für Didi Wechselberger wäre ein dritter Gemeindepolizist zwar wünschenswert, aber: „Den bräuchten wir generell. Ob es nun der dritte oder zehnte Gemeindepolizist wird, das wird nichts an der Situation ändern. Da braucht es andere Schritt­e.“ Bundespolizeikommandant Romed Giner stimmte ihm zu.

BM Wechselberger fragt­e, ob man die Bundespolizei nicht temporär aufstocken könne. Giner: „Das machen wir schon. Wir verschieben zu bestimmten Zeiten Kräfte zum Mayrhofner Posten.“ Auch Sonderfahrten des Bezirkspolizeikommandos würden immer wieder stattfinden. Es werde heuer drei neue Beamte im hinteren Zillertal geben. Aber auch Abgänge. „Diese Aufstockung passiert sowieso“, sagte Giner.

Eine Zuhörerin schlug zudem eine Hundestreife vor. Sowohl Gemeindepolizisten als auch die Bundespolizei sehen darin keine Vorteile. „Vor allem ist es wegen des ganzen Glases auf den Straßen zu gefährlich für einen Hund.“

„Ich bin überzeugt, dass man die Vermieter an der Nase nehmen muss – sie müssen die Preise raufschrauben“, sagte ein Zuhörer. Hundsbichler gab zu bedenken, dass der TVB bei den Preisen nicht mitzureden hätte. Dass höhere Preise „bessere“ Gäste bringen, das wollte Hundsbichler nicht unterschreiben.

Moderator und TT-Chefreporter Manfred Mitterwachauer fragte abschließend, was sich Sandhofer von den künftigen Maßnahmen erhofft. „Ich glaube, das geht jetzt in eine richtige Richtung und kann zu einer Bewusstseinsbildung führen“, sagte er. Für ihn kommt nun eine Übergangsphase für die nächsten Jahre. So lang müsse man noch durchhalten. Aber es sei an der Zeit, etwas zu tun.