Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 15.05.2019


Exklusiv

Kraftwerksgruppe Sellrain/Silz: Freitag ist Stunde der Wahrheit

Ende 2018 hat der Verwaltungsgerichtshof den positiven Umweltbescheid für die Erweiterung der Kraftwerksgruppe gekippt. Nun hat die Tiwag nachgebessert.

Im Kühtai sind ein weiterer Speichersee und ein Pumpspeicherkraftwerk geplant.

© Michael KristenIm Kühtai sind ein weiterer Speichersee und ein Pumpspeicherkraftwerk geplant.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Ende des Vorjahres hat der Verwaltungsgerichtshof den positiven Umweltbescheid (UVP) für die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain/Silz gekippt. Sehr zur Verwunderung des Landesenergieversorgers Tiwag. Für das Höchstgericht waren die erteilten Auflagen für die Ausgleichsmaßnahmen auf einer Fläche von 2,5 Hek­tar allerdings zu unkonkre­t.

Vor allem im Bereich des neuen Speicherteichs Kühtai gibt es einen erheblichen Verlust von Mooren und hochwertigen Feuchtlebensräumen. Der 2009 eingereichte Ausbau sieht nämlich einen zusätzlichen Speichersee mit 31 Mio. Kubikmetern Fassungsvermögen sowie ein Pump­speicherwerk (Kühtai 2) als zweite Oberstufe vor. Um 50 Prozent kann damit die Speicherkapazität erhöht werden.

Ende Jänner hat die Tiwag die Maßnahmen nachgebessert und nachgereicht. „Sie wurden bereits von Sachverständigen begutachtet“, erklärt Tiwag-Vorstand Johann Herdina. Das Höchstgericht hat das Verfahren an das Bundesverwaltungsgericht zurückverwiesen, am kommenden Freitag findet dort die entscheidende mündliche Verhandlung statt.

„Wir haben die Optionenverträge noch einmal vertieft, aus unserer Sicht passt alles“, glaubt Herdina an einen positiven Ausgang und rechnet mit einer Entscheidung noch im Juni. Der Tiwag-Vorstand geht jedoch davon aus, dass der Bescheid erneut beeinsprucht und eine weitere Runde beim Verwaltungsgerichtshof notwendig sein wird. Im ersten Verfahren hatten die Gemeinde Neustift, der Öster­reichische und der Deutsche Alpenverein sowie der Umweltdachverband Beschwerde eingelegt. „Sollte es aber grünes Licht geben, werden wir die Baumaßnahmen vorbereiten.“

Nach wie vor hält Herdina einen Baubeginn im kommenden Jahr für möglich. Was die Kosten betrifft, muss die Tiwag die seinerzeitigen 550 Millionen deutlich nach oben korrigieren. Derzeit steht man bei rund 800 Millionen Euro für die Erweiterung, nach Fertigstellung (Valorisierung) werden es aber noch mehr sein.

Auf einer anderen UVP-Baustelle warnt hingegen die Liste Fritz vor einer Realisierung des Zusammenschlusses der Gletscherskigebiete Pitztal und Ötztal. Ab heute liegt die UVP auf, LA Markus Sint warnt vor noch mehr Verkehr auf den Zubringerstrecken bei einer Gletscherehe.