Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.05.2019


Innsbruck-Land

“Bergsteigerdorf“: Aufschwung für das Gschnitztal

Das Wipptal hat mit dem Gschnitztal ein zweites Bergsteigerdorf. Der Alpenverein sieht darin einen Kontrapunkt zum Massentourismus in Tirol, der TVB erwartet sich einen Impuls für Investitionen.

Das Gschnitztal darf sich nun offiziell "Bergsteigerdorf" nennen.

© TVB WipptalDas Gschnitztal darf sich nun offiziell "Bergsteigerdorf" nennen.



Von Denise Daum

Trins, Gschnitz – Das Gschnitztal mit seinen dominanten Bergen, schroffen Felsen und grünen Wiesen ist ein besonders schönes Fleckerl Erde. Seinen ländlichen Charakter, die Unberührtheit und Ursprünglichkeit hat sich das Tal trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Nähe zu Innsbruck bewahrt, von Massentourismus will man nichts wissen. Damit ist die Region mit den Orten Trins und Gschnitz geradezu prädestiniert für das alpine Tourismusprojekt „Bergsteigerdörfer“ des Alpenvereins. Die Bewerbung des Tals ist deshalb auch wohlwollend angenommen worden. Seit Kurzem darf sich das Gschnitztal „Bergsteigerdorf“ nennen. Gestern Sonntag fand in Trins die offizielle Beitrittsfeier statt, bei der unter anderem auch Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins, dabei waren.

Ausgewiesene Bergsteigerdörfer, derer es in Österreich 20 gibt und zu denen seit 2013 auch St. Jodok, Schmirn- und Valsertal gehören, unterliegen strengen Kriterien und stehen für einen nachhaltigen Tourismus. Ermacora sieht in dieser Philosophie einerseits eine Ergänzung, andererseits einen Kontrapunkt zum Massentourismus. „Menschen, die Ruhe, Natur und einen sanften Tourismus wollen, werden das im Gschnitztal finden“, sagt Ermacora.

Der Tourismusverband sieht seine Positionierung des Wipptals, mit den unberührten Bergtälern einen naturnahen, nachhaltigen Bergtourismus anzustreben und stetig weiterzuentwickeln, damit bestätigt. TVB-Wipptal-Geschäftsführer Joakim Strickner verweist auf die anspruchsvollen Bergtouren sowie die zahlreichen Hütten und Almen, die sprichwörtlich von der Haustür aus zu erreichen sind. „Im Gschnitztal gibt es ein gewisses Maß an Infrastruktur und trotzdem ist die Region authentisch und ursprünglich, ohne große Seilbahnanlagen und Hotelburgen“, erklärt Strickner. Er erhofft sich, dass durch die Aufnahme in den Kreis der Bergsteigerdörfer die Investitionsfreude im Tal steigt und es zu einem Aufschwung kommen wird. Bei der Auslastung der knapp 1000 Gästebetten in Trins und Gschnitz sieht er nämlich noch „Luft nach oben“. Die Erfahrungswerte des zweiten Wipptaler Bergsteigerdorfes St. Jodok, Schmirn- und Valsertal sind jedenfalls vielversprechend. „Die Partnerbetriebe dort verzeichnen Zuwächse von 30 bis 50 Prozent“, weiß Strickner.