Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Bezirk Landeck

Dicke Luft um geplante Skischaukel Kaunertal-Langtaufers

In Zusammenhang mit der geplanten Liftverbindung Kaunertal-Langtaufers gibt es Unstimmigkeiten: Der Bürgermeister von Graun sieht „geänderte Vorzeichen“ und fordert Mandatar zum Rücktritt auf.

Für die Besucher der Aussichtsplattform am Karlesjoch bleibt die Liftverbindung Kaunertal-Langtaufers weiterhin ein unerfüllter Wunsch.

© WenzelFür die Besucher der Aussichtsplattform am Karlesjoch bleibt die Liftverbindung Kaunertal-Langtaufers weiterhin ein unerfüllter Wunsch.



Von Helmut Wenzel

Kaunertal, Langtaufers – Das 25-Mio.-Euro-Projekt Skischaukel Kaunertal-Langtaufers hängt in der Warteschleife – die TT berichtete. „Wir warten auf das Gutachten des sozioökonomischen Beirates“, bestätigte Paul Jakomet, Sprecher des Projektbetreibers Oberländer Gletscherbahn AG, am Mittwoch. „Dann erwarten wir zeitnah eine Entscheidung der Süd­tiroler Landesregierung.“

Während die Kaunertaler Gletscherbahnen mit Investor Hans Rubatscher derzeit im „Beobachterstatus“ verharren, überschlagen sich in Graun die Ereignisse. Bürgermeister Heinrich Noggler hatte Gemeinderatsmitglied und Wirtschaftsreferent Josef Thöni aus Langtaufers zum Rücktritt aufgefordert. „Mit Thöni gibt es kein Vertrauensverhältnis mehr. Er ist untätig und verfolgt nur das Projekt Langtaufers-Kaunertal. Dabei muss man sehen, dass sich bei unseren Skigebieten wesentliche Rahmenbedingungen geändert haben.“

Im Sommer 2015 hatten elf Grauner Gemeinde­räte inklusive Bürgermeister Noggler für den Grundsatzbeschluss zugunsten der Liftehe Kaunertal-­Langtaufers gestimmt, drei Mandatare enthielten sich der Stimme, einer war dagegen. „Mit dem Zusammenschluss der Skigebiete Schöneben und Haider Alm haben wir ein hervorragendes Projekt. Der Kuchen für einen weiteren Player ist zu klein, aus dem Kaunertal sind keine neuen Gäste zu erwarten.“ Würde der Gemeinderat heute nochmals über den Grundsatzbeschluss Kaunertal-­Langtaufers abstimmen, gäbe es keine Mehrheit, ist Noggler überzeugt.

Thöni weist die Vorwürfe Nogglers entschieden zurück. „Ich habe vor den versammelten Gemeinderäten gesagt, dass Noggler über seinen eigenen Rücktritt nachdenken sollte. Offenbar ist er nicht bereit, Gemeinderatsbeschlüsse zu respektieren und umzusetzen.“ Es sei bedenklich, „dass sich der Bürgermeister gegenüber den zuständigen Stellen der Provinz Bozen im Namen der Gemeinde Graun gegen die Realisierung eines vom Gemeinderat genehmigten Projekts ausgesprochen hat“. Doch der politische Wille der Gemeinde für die Liftverbindung Langtaufers-Kaunertal bleibe so lange aufrecht, „bis der Gemeinderat einen neue­n gesetzeskonformen Beschluss fasst, mit dem der bestehende Beschluss aufgehoben wird“, erklärte Thön­i. Und: „Die Tatsache, dass ich ein Projekt unterstütze, das vom Gemeinderat genehmigt wurde, ist sicher kein Grund für meinen Rücktritt.“