Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.05.2019


Exklusiv

Aufregung um geplantes Großhotel in Kirchberg

Nach dem Verkauf des Hotel Alpenhof in Kirchberg sorgen die ersten Pläne des neuen Eigentümers für Diskussionen. Für die Touristiker im Ort sind die 500 geplanten Betten deutlich zu viel.

Derzeit steht der Alpenhof leer. Schon bald soll er einem Hotel-Großprojekt weichen.

© Harald AngererDerzeit steht der Alpenhof leer. Schon bald soll er einem Hotel-Großprojekt weichen.



Von Harald Angerer

Kirchberg i. T. – Für die einen dringend notwendige Betten, für die anderen zu viel des Guten. Die Meinungen über ein geplantes neues Hotel in Kirchberg gehen weit auseinander. Entstehen soll das Gebäude auf dem Areal des bisherigen Alpenhofs. Der gewerkschaftsnahe Verein Sozialwerk Bau-Holz hat das 3-Stern-Haus mit 93 Betten im Vorjahr an die Lenikus GmbH aus Wien um kolportierte 17 Millionen Euro verkauft.

Inzwischen werden erste Pläne bekannt, wie die Zukunft des Alpenhofs aussehen soll, und die gefallen nicht allen in Kirchberg. So soll ein 4-Stern-Hotel mit 499 Betten errichtet werden, dazu noch ein Mitarbeiterhaus mit 300 Einheiten. Erst vor Kurzem gab es dazu Gespräche der Gemeinde mit der Raumordnungsabteilung des Landes Tirol. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung wollte Vizebürgermeister Andreas Schipflinger (Unser Kirchberg) von Bürgermeister Helmut Berger (SPÖ) den Stand der Dinge wissen.

Von Seiten der Raumordnung gebe es positive Signale, schildert Berger, und auch der Tourismusverband Brixental und die Bergbahn Kitzbühel hätten sich positiv zu den Plänen geäußert. Von Seiten des TVB gebe es lediglich den Einwand, dass die Dimension zu groß sei, ließ Berger die Gemeinderäte wissen. Ganz so positiv sieht es von Seiten des TVB aber offenbar nicht aus, zumindest wenn es nach einer Stellungnahme des Verbandes geht, welche an die Gemeinde Kirchber­g ging und der TT vorliegt. So sei grundsätzlich ein Beherbergungsprojekt zu befürworten. Sehr positiv steht Obmann Alexander Aigne­r dem Vorhaben gegenüber, anders sieht es im Aufsichtsrat aus. „In der Aufsichtsratssitzung vom 30. 4. 2019 wurden vom Aufsichtsrat aber Bedenken geäußert und das Projekt in der Dimension 499 Betten und 300 Mitarbeiter-Einheiten einstimmig abgelehnt“, heißt es in dem Schreibe­n.

Man würde sich für eine Limitierung auf maximal 250 Gästebetten aussprechen. Auch sollen die Freiflächen erhalten bleiben und alle Investorenmodelle sind auszuschließen. Mit den Flächen ist das zum Hotel gehörende Freiland mit 35.000 m2 gemeint. Weiters gehen nun einige Hoteliers um den Kirchberger Will Steindl (Hotel Sonne) auf die Barrikaden. Für sie ist klar, die geplante Dimension ist „realitätsfremd“, wie Steindl es bezeichnet. Er und seine Kollegen befürchten durch das neue Haus einen Preis- und Verdrängungswettkampf. „Wir sind nicht gegen ein neues Hotel, aber nicht in dieser Größe“, sagt Steindl gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Auch er spricht sich für maximal 250 Betten aus. Mehr sei für Kirchberg nicht verkraftbar. Er zweifelt auch den Bedarf an, denn es gebe nur ganz wenige Wochen, an denen Kirchberg wirklich ausgebucht ist.

„Von einigen familiengeführten Betrieben gibt es Ausbaupläne mit insgesamt 400 zusätzlichen Betten. Wenn ein solches 500-Betten-Haus kommt, traut sich das niemand mehr zu“, sagt Steindl. Die Ausbaupläne seien der Gemeinde bekannt. Umso mehr verwundert es ihn, dass Bürgermeister Berger dem Großprojekt so positiv gegenüberstehe. „Die Kirchberger Betriebe zahlen seit Generatione­n Steuern in der Gemeinde, sie gehören unterstützt“, fordert Steindl.

Bürgermeister Berger kann die Aufregung nicht verstehen. Es sei eine Diskussion über ungelegte Eier. „Es war für uns immer klar, dass Investorenmodelle ausgeschlossen sind und dass die Freiflächen erhalten bleiben“, betont der Bürgermeister. Man sei in Gesprächen und der neue Eigentümer sei sehr kooperativ. „Inhaltlich wurde uns von Anfang an gesagt, dass der ‚Alpenhof NEU‘ bis zu 499 Betten aufweisen soll und auch kann. Sämtliche Kalkulationen und auch der Kaufpreis basieren daher auf dieser Größenordnung und auch das Land Tirol geht von einem solchen Projekt aus“, sagt dazu Marti­n Leniku­s von der Lenikus GmbH. Er betont auch weiter, dass man mit dem Hotel neue und andere (vor allem internationale) Gästeschichten ansprechen wolle. Zum Beispiel mit Kongressen, welche es in Kirchberg so noch nicht gibt. „Weiters wollen wir unbedingt einen echten Ganzjahresbetrieb implementieren. Dazu muss es aber auch das passende Produkt geben, eben den ‚Alpenhof NEU‘“, erklärt Lenikus.

Sorgen gibt es in Kirchberg auch bezüglich der Zufahrt zu dem neuen Großhotel. Diese führt über eine kleine Nebenstraße, welche in die Bundesstraße einmündet. Hier gebe es schon jetzt Probleme beim Abbiegen. Es soll dazu bereits eine Unterschriftenaktion der Anrainer geben. „Die Zufahrt war schon jetzt über diese Straße ausreichend, das wird auch weiter so sein“, betont Berger. Dass in Zukunft aber statt 93 Gästen bis zu 500 zufahren, sei kein Problem. „Dann müssen die Gäste halt beim Abbiegen eine Sekunde warten“, erklärt Berger.