Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.05.2019


Landeck

Wenn die Tiere fehlen, wird es problematisch

Rückgang des Almviehs im Bezirk Landeck macht der Bauernkammer Sorgen. Produkte von der Alm gelten als „Jungbrunnen“.

null

© Zangerl



Von Toni Zangerl

Zams – Die Almen in Tirol und speziell im Bezirk Land­eck stehen vor Herausforderungen, hob Experte Peter Frank von der Bauernkammer Landeck kürzlich bei der Almtagung im Zammer Jägerhof hervor. Die Bestoßung – der Auftrieb der Almtiere – ist im Bezirk seit dem Jahr 2000 um 365 Tiere bzw. um 15 Prozent geschrumpft. Daher sind Tiere aus anderen Bezirken Tirols aufgenommen worden.

Ungünstig wirke sich die neue Almstruktur im Unterland aus, wie Frank aufzeigte: „Die Kuh bleibt unten im Tal, das Jungvieh kommt auf die Alm. Aber diese Tiere können in unserem Bezirk nicht mehr gealpt werden. Daher wird die Lücke größer.“

Aktuell werden heuer rund 9000 Tiere (2000 Milchkühe, 800 Pferde sowie 6000 Schafe und 610 Ziegen) aufgetrieben. „Wir brauchen jedes Tier, um die Almwirtschaft im Bezirk ordentlich machen zu können“, sagte Frank.

null
- Zangerl

Die hohe Dichte im Bezirk Landeck mit 27 Senn- und acht Kuhalmen sei einzigartig in Tirol. Rund 60 Kühe pro Alm werden dabei auf den Gemeinschaftsalmen gehalten. Die größte davon ist die Komperdell-Alpe in Serfaus mit 200 Kühen. Pro Almsommer wird rund eine Million Kilogramm Milch gemolken, daraus werden laut Frank 95 Tonnen Käse und 30 Tonnen Butter hergestellt.

Dass kulinarische Erzeugnisse von Tirols Almen „pure Originalität und Regionalität“ darstellen, sei unbestritten, sagte Ernährungsmedizinerin Angelika Kirchmaier im Rahmen der Almtagung. „Almprodukte sind ein Jungbrunnen für die Konsumenten“, hob die Expertin hervor. Die Aktion „Gesundes von der Alm“ sei ein wesentlicher Beitrag zu gesunder, ausgewogener Ernährung, sagte Peter Frank. In diesem Zusammenhang fordert er „Kostenwahrheit für Almprodukte“.

Kirchmaiers wissenschaftlich fundierte Aussagen sorgten bei den Zuhörern der Almtagung für großes Interesse. Sie plädierte, den Konsum der gesunden Produkte verstärkt anzukurbeln. „Kühe, die Gräser auf unseren Almen fressen, geben bessere Milch. Almbutter ist für den menschlichen Organismus am leichtesten zu verdauen“, sagte die seit 20 Jahren tätige Expertin.