Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Bezirk Reutte

Reuttener E-Werke: Jeder fünfte EWler ist bei der Feuerwehr

Die Reuttener E-Werke als ein feuerwehrfreundlicher Vorzeigebetrieb. Plansee schätzt die Zahl der Feuerwehrmitglieder auf 150 bis 200 – zusätzlich zur eigenen Werksfeuerwehr mit 41 Aktiven.

Die besondere Verbindung zwischen EWR-Belegschaft und Feuerwehr ist auf dem Foto sprichwörtlich auszulesen.

© Rolf MarkeDie besondere Verbindung zwischen EWR-Belegschaft und Feuerwehr ist auf dem Foto sprichwörtlich auszulesen.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Bei den Reuttener E-Werken gibt es eine akustische Besonderheit, die dieses Unternehmen von anderen im Außerfern stark unterscheidet. Wann immer dieses besondere Geräusch hörbar wird, vermindert sich die Zahl der anwesenden Mitarbeiter in Sekundenschnelle. Sie eilen wortkarg davon, um sich nur wenig später in sandfarbene Monturen zu stürzen. Die Rede ist von Mitgliedern der Feuerwehr.

Jeder fünfte EWler, immerhin 80 von 398 im österreichischen Teil des Unternehmens, trägt einen Pager, mit dem er zu einem Einsatz gerufen werden kann. Und es vergeht kein Tag, an dem es im Außerfern nicht einen Einsatz gibt. Nicht umsonst darf sich die Unternehmensgruppe EWR AG schon seit 2007 über die Bundesauszeichnung „Feuerwehrfreundlicher Betrieb“ freuen. Bei den EWR arbeiten unter anderem zwei aktive Kommandanten, unter ihnen auch der meistbeschäftigte aus dem Bezirkshauptort. Hinzu kommen zwei Kommandant-Stellvertreter, der Bezirksfeuerwehrinspektor und viele weitere in Feuerwehr-Führungsebenen. „Gewiss kein Nachteil für das Unternehmen, wenn so viele Führungskräfte mit sozialen Kompetenzen bei uns tätig sind“, erklären Reuttes Kommandant Alexander Ammann und Bichlbachs Kommandant-Stellvertreter Nino Campestrini – beides feurige EWler – unisono.

Piepst es am Gürtel, dann darf jeder springen. Das Unternehmen zahlt nach dem Ausstempeln trotzdem den vollen Lohn während der Absenz in der Arbeitszeit fort. Das wüssten alle sehr zu schätzen und würden versuchen, das ihre beizutragen, sagt Alexander Ammann. Etwa zumindest einiges über Gleitzeit auszugleichen, wie er es handhabt.

Die Unternehmensleitung sieht in der Unterstützung der Feuerwehren, die unter anderem bis zum Auftritt als Großsponsor beim aktuellen Landesfeuerwehr-Leistungsbewerb in Breitenwang geht, eine soziale Verantwortung für den Bezirk. Wobei es auch Win-win-Bereiche gebe. Gewisse Synergien würden sich für die EWR schon ergeben, wenn gleich 20 Prozent der Belegschaft bei freiwilligen Wehren tätig sind. Denn so manche Einsatzbereiche würden sich überlappen. Viele Katastrophenszenarien betreffen den Energieversorger direkt. Wind, Hochwasser, Lawinen – die Feuerwehr ist immer als Erstes am Ort und leistet oft Vorarbeiten – sei es etwa die Entfernung eines Windwurfs aus einer Stromleitung. Der Feuerwehr wiederum nützt das besondere Know-how der EWler, das von Elektrik über Gas- bis zu Wasserversorgung reicht.

Nur ein Außerferner Unternehmen hat noch mehr Feuerwehrleute als die EWR in den eigenen Reihen stehen. „Bei Plansee und Ceratizit sind es zwischen 150 und 200“, schätzt Plansee-GF Bernd Junginger, Leiter Technik, Service und Standortinfrastruktur. Über exakte Zahlen verfüge man im 2500-Mitarbeiter-Unternehmen in dieser Frage aber nicht. Zudem gebe es selbstverständlich die Plansee-eigene Werksfeuerwehr mit 41 Aktiven. „Darunter auch zwei Frauen“, wie Junginger mit einem gewissen Stolz vermerkt. Auch Plansee hat eine klare Regelung: Bei allen Katastropheneinsätzen bis hin zum Autounfall läuft die Bezahlung während der Arbeitszeit weiter. Junginger: „Das geht in der Praxis auch sehr unbürokratisch über die Bühne. Plansee sieht hier auch eine gesellschaftliche Aufgabe für den Bezirk“ – und war laut Junginger in der Vergangenheit ja auch selbst schon froh über die Schlagkraft heimischer Wehren.“ Auch Gerätschaft wird zur Verfügung gestellt, wenn benötigt. Plansee verfügt über einen speziellen Großraumlüfter, der gerne ausgeliehen wird, wenn es zum Beispiel Rauch aus Straßentunneln zu blasen gilt.

Apropos Landesfeuerwehr-Leistungsbewerb: Am Freitag um 15 Uhr starten die Bewerbe in Breitenwang am Sportplatz. Abends geht die Party im Großzelt um 21 Uhr weiter. Am Samstag sprintet die Feuerwehr wieder ab acht Uhr los. Um 15 Uhr matchen sich dann die 24 Schnellsten des Vorjahres beim Firecup. Nach der Schlussveranstaltung um 19 Uhr geht es um 21 Uhr im Zelt erneut rund. Dort ist auch untertags dauernd für Livemusik gesorgt.




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