Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


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Nullzins trifft Sparer und hilft Staaten

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„Steigende Preise und keine Zinsen — sind wir alle Verlierer?" Unter diesem provokanten Titel lud die Nationalbank (die Europäische Zentralbank fährt seit Jahren eine nicht unumstrittene Nullzins-Politik) zu einer Veranstaltung in Innsbruck. Notenbank-Volkswirtschafter Fabio Rumler sieht die Sparer als Verlierer der Tiefstzinsen, gleichzeitig würden aber Kreditnehmer und vor allem auch die Staaten profitieren. Während allein Österreichs Sparer Jahr für Jahr etliche Milliarden an Kaufkraft einbüßen, hat sich die jährliche Zinslast für die 280 Mrd. Euro Staatsschulden für die Republik Österreich von 3 auf 1,6 Prozent des BIP fast halbiert.

Für Rumler waren die EZB-Maßnahmen mit Nullzins und Geldschwemme (es wurden in den vergangenen Jahren massiv Staatsanleihen aufgekauft) alles in allem erfolgreich: In den letzten vier Jahren sei die Wirtschaft der Eurozone dadurch laut einer Studie kumuliert um 1,9 Prozent kräftiger gewachsen, die Arbeitslosenquote habe sich von durchschnittlich 12 auf unter 8 Prozent kräftig reduziert. Weil das Inflationsziel im Euroraum von knapp 2 Prozent auf mittlere Frist noch immer nicht erreicht sei, werde die Tiefstzinsphase, die auch die Banken wegen der unter Druck stehenden Zinsspanne massiv trifft, voraussichtlich noch länger anhalten, sagt Rumler. In einem langfristigen Vergleich seien die Zinsen aber in den meisten Jahren geringer gewesen als die Inflation. Viele würden daher in riskantere Anlageformen (etwa Aktien bzw. Fonds) ausweichen, aber auch in Immobilien. Hier seien die Preise im letzten Jahrzehnt im Schnitt um 5 Prozent pro Jahr massiv nach oben geschnellt, so Rumler.

Die Bevölkerung befürchte durch die Inflation einen Verlust von Kaufkraft (75 %), Nachteile für Wenigverdiener (70 %) und einen Verlust bei Ersparnissen (65 %). Der Warenkorb für die Berechnung (40.000 erhobene Preise pro Monat aus 750 verschiedenen Gütern und Dienstleistungen) werde alle fünf Jahre angepasst, das nächste Mal bereits 2020. Die gefühlte Inflation (diese wird von häufigen Ausgaben wie Lebensmittel oder Tanken dominiert) sei oft deutlich höher als die tatsächlich von der Statistik Austria ausgewiesene — und diese wiederum ist laut Rumler um 0,5 bis 1 Prozent zu hoch, weil Kunden bei Teuerungen oft auf günstigere Produkte umsteigen würden. (va)