Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Bezirk Kitzbühel

„Stixeln“ für die begehrten Edelweiß-Auszeichnungen

Die Prüferinnen des Tiroler Privatvermieter-Verbands – liebevoll Edelweißköniginnen genannt – waren im Bezirk Kitzbühel unterwegs.

Vermieterin Andrea Graf „malt“ unter den prüfenden Blicken von Maria Schweiger und Maria Breito (v. l.) ein Herz in die Bettdecke.

© Michael MaderVermieterin Andrea Graf „malt“ unter den prüfenden Blicken von Maria Schweiger und Maria Breito (v. l.) ein Herz in die Bettdecke.



Von Michael Mader

St. Johann i. T. – Schublade auf, Schublade zu, Kasten auf, Kasten zu und kurz noch mit dem Finger über den Bettrand gewischt: Wenn Maria Schweiger auf „Edelweißmission“ ist, entgeht ihr nicht die kleinste Kleinigkeit.

Landesweit dürfen sich rund 1200 Mitgliedsbetriebe des Tiroler Privatvermieter-Verbandes mit zwei, drei, vier oder sogar fünf Edelweiß schmücken. Und was für die Hotels die Sterne bedeuten, sind für die Alpinen Gastgeber Tirol eben die Edelweiß.

Hinter den begehrten Auszeichnungen stecken strenge Qualitätsanforderungen. Etwa alle fünf Jahre müssen sich die Betriebe dem Auge der Prädikatskontrolleurinnen stellen. Maria Schweiger und ihre (Namens-)Kollegin Maria Breito sind zwei davon. Gemeinsam sind sie in den Bezirken Kitzbühel und Kufstein unterwegs, wobei Schweiger in Kitzbühel kontrolliert und ihr Breito über die Schulter blickt – im Bezirk Kufstein ist es umgekehrt.

Maria Schweiger schaut bei der Inspektion in jede Schublade, jeden Kasten und hinter jede Türe: „Früher haben wir das ‚Stixeln‘ genannt.“
Maria Schweiger schaut bei der Inspektion in jede Schublade, jeden Kasten und hinter jede Türe: „Früher haben wir das ‚Stixeln‘ genannt.“
- Michael Mader

Pro Jahr besuchen die beiden etwa 30 Betriebe und entscheiden dann anhand von vorgegebenen Listen, mit wie vielen Edelweiß sich die Häuser in den kommenden Jahren schmücken dürfen.

„Kontrolliert wird in der Zwischensaison, wenn die Zimmer leer sind. Wenn die Räume bewohnt sind, bekommt man ja kein objektives Bild“, erklärt Schweiger. Im Bezirk Kitzbühel gibt es 356 Betriebe, die sich mit einem oder mehreren Edelweiß schmücken dürfen. Wer sich prüfen lassen will, bekommt dafür einen Kriterienkatalog zugeschickt.

Gerade für das Erreichen der fünf Edelweiß sind die Kriterien aber sehr hoch angesetzt. Unter anderem braucht es für jedes Zimmer ein eigenes Bad, in jedem Zimmer einen Fernseher mit Kabel- oder Satellitenanschluss, die Bezahlung mit Kreditkarte muss akzeptiert werden, die Möbel und die Türen müssen in Tischlerqualität ausgeführt sein und die Vermieterin oder der Vermieter muss eine touristische Ausbildung oder Kurse der Vermieterakademie besucht haben. Für einen Privatvermieter nicht so leicht zu erfüllen, weshalb im Bezirk Kitzbühel bislang noch keiner die fünf Edelweiß erreicht hat. „Aber wir arbeiten daran“, sagt Breito. „Es liegt ja in unserem Interesse, dass die Vermieter vorwärtskommen. Da helfen wir gerne weiter“, ergänzt Schweiger.

Nichts zu bekritteln gab es jedenfalls bei Vermieterin Andrea Graf vom Landhaus Graf in St. Johann. Und die Humanenergetikerin, die nicht nur ihre Klienten betreut, sondern sich auch um die Wehwehchen ihrer Gäste kümmert, weiß auch, warum: „In unserer Ferienwohnung sieht es so aus, wie ich es auch gerne hätte.“ Schweiger: „Ich gratuliere Frau Graf zur höchsten für sie erreichbaren Auszeichnung – zu vier Edelweiß. Mehr geht nicht, dafür fehlt ein eigenes Bad für das dritte Zimmer“, sagt Schweiger beim Lokalaugenschein der Tiroler Tageszeitung.