Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Bezirk Kufstein

Drehen sich bald Windräder in Erl?

FH Kufstein untersucht die Nutzung des „Erler Windes“ zur Energieerzeugung.

Die Talenge dürfte für das Phänomen „Erler Wind“ verantwortlich sein. Es wird derzeit an der FH Kufstein Tirol erforscht.

© FH KufsteinDie Talenge dürfte für das Phänomen „Erler Wind“ verantwortlich sein. Es wird derzeit an der FH Kufstein Tirol erforscht.



Kufstein, Erl – Der „Erler Wind“ ist ein lokales Windphänomen im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern – im Inntal. Das Projekt der FH Kufstein Tirol untersucht die Annahme, dass der wiederkehrende Wind aus dem Inntal täglich frühmorgens von Österreich kommend in das Rosenheimer Becken weht, mit für den Voralpenraum ungewöhnlich hohen Windgeschwindigkeiten. Im Tagesverlauf dreht die Windrichtung und bläst ab Mittag von Deutschland in Richtung Österreich. Bisherige Untersuchungen lieferten verschiedene Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Gemeinhin spielt jedoch die signifikante Talverengung am Inntalausgang bei Erl eine wesentliche Rolle. Grundsätzlich fehlt es aber an belastbaren, gemessenen Winddaten, die Klarheit schaffen könnten.

Um die Charakteristik dieses Windphänomens hinreichend zu erforschen, haben die Projektmitarbeiter Prof. Wolfgang Woyke und Philip Egger vom Studiengang Energiewirtschaft einen Analysezeitraum von zwei Jahren bis August 2020 geplant. Die Messungen werden an zwei Standorten gleichzeitig durchgeführt: in „Schwaigen“ und in „Oberndorf“.

Nach den ersten acht Monaten mit rund 350.000 Werten lassen sich aus den Messungen bereits interessante Zusammenhänge erkennen, wie nun die Fachhochschule mitteilt. „Es bestätigt sich der vermutete Effekt, dass der Wind durch die charakteristische Talverengung mit deutlich mehr Geschwindigkeit bei der nördlichen Station Schwaigen ankommt. Sie ist für den Voralpenraum außergewöhnlich hoch.“

Im Sinne der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Euregio Inntal ermögliche dieses Projekt, wertvolles Wissen über das Windaufkommen zu sammeln und daraus wirtschaftliche Vorteile abzuleiten. „Eine energiewirtschaftliche Nutzung in Form von Kleinanlagen könnte eine Folge aus den Messergebnissen sein“, vermutet der Projektmitarbeiter Philip Egger. „Das Projekt ist deshalb so spannend, weil wir erstmals aussagekräftige Ergebnisse über so einen langen Zeitraum sammeln und auswerten können, dass wir dadurch vielleicht den entscheidenden ersten Schritt für die Windkraftnutzung in Tirol legen können“, erklärt Wolfgang Woyke. (TT, wo)

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