Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Reutte

Neues Werkhaus geht in den Realbetrieb über

Ein besonderes Laboratorium gewährt am 14. und 15. Juni Einblick. Sandra Moosbrugger-Koch und Johannes Leismüller verwirklichen Lebenstraum.

Johannes Leismüller und Sandra Moosbrugger-Koch betreiben das neue FabLab „Werkhaus“ im Reuttener Untermarkt.

© WerkhausJohannes Leismüller und Sandra Moosbrugger-Koch betreiben das neue FabLab „Werkhaus“ im Reuttener Untermarkt.



Reutte – „Werkhaus“ nennt sich das erste „FabLab“ (Fabrication Laboratory) im Außerfern, das Mitte Juni im Reuttener Untermarkt 16 seine Türen öffnet. Hinter dem Werkhaus steht eine gemeinnützig ausgerichtete GmbH, die mit Unterstützung der Regionalentwicklung Außerfern gegründet wurde und ihren laufenden Betrieb künftig über Nutzungsgebühren sowie über Förder- und Stipendienbeiträge durch Gemeinden und Firmen finanzieren will. „Als offene Werkstätte für Handwerk und Digitalisierung schließt diese neue Institution eine Lücke in der Technologieentwicklung und -förderung des Außerferns“, sagt Johannes Leismüller, einer der beiden Drahtzieher.

Denn die für die Digitalisierung nötige Infrastruktur sei für die meisten Schulen schlichtweg nicht leistbar und im Bereich der Lehrerfortbildung fehlten vielfach das Angebot sowie die didaktischen Konzepte. Gleichzeitig benötige das Außerfern Fachkräfte, die mit Technik und Digitalisierung auf Du und Du seien und auch aus der Region kommen sollten. „Wir wollen Junge wie Junggebliebene ermutigen, sich darauf einzulassen, mit neuen Technologien zu experimentieren, sich weiterzubilden und idealerweise sogar einen technischen Beruf zu ergreifen“, sagt Sandra Moosbrugger-Koch weiter.

Sie und Leismüller sind die beiden Köpfe hinter der Werkhaus-Idee, mit der sie bereits vor zwei Jahren bei dem damals noch von Henrik Wentzler ausgerufenen Tiroler Lech Funding Contest reüssiert hatten. Friederike und Finn Wentzler, die damals in der Jury saßen, sind neben Berggut-Gaicht-GF Sandra Bischof und dem Werkhaus-Initiatoren-Duo nun auch Mitgesellschafter und wurden damit – ganz im Sinne ihres Vaters – zu Starthelfern.

Die beiden Düsentriebe fiebern nun dem Realbetrieb entgegen. Auf knapp 250 m2 Fläche beherbergt das Werkhaus ein Technik-FabLab für Elektrotechnik und Robotik, ausgestattet mit Lötstationen, 3D-Druckern, Lasercutter und IT-Arbeitsplätzen, einen IT-Hackerspace plus eine Teeküche. Daran angeschlossen sind zudem drei separate Kreativräume für die Holz-, Metall- und Textilbearbeitung. Im Textil-Kreativraum stehen etwa Nähmaschinen, Schneideplotter und Thermopressen für das Branden von Textilien und anderen Gegenständen zu Verfügung, im Metallbereich eine CNC-Fräse sowie Kleinmaschinen für Metall- und Kunststoffbearbeitung. Zudem für Holz eine Abricht-Dickenhobelmaschine, Drechselbank, Kreis- und Bandsäge. Für Interessierte wie für regelmäßige Nutzer bietet das Werkhaus Tagespässe, Monats- und Jahreskarten an.

Nach einer intensiven Planungs- und Vorbereitungszeit von wenigen Monaten und einem zügig durchgeführten Umbau von nur wenigen Wochen, an dem sich zuletzt auch zahlreiche freiwillige Helfer und Helferinnen beteiligt hatten, präsentiert sich das Werkhaus am 14./15. Juni nun im Rahmen von zwei „Open Lab Days“ erstmals der Öffentlichkeit. (TT, hm)