Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.06.2019


Bezirk Schwaz

Um 88 Überstunden geprellt: Arbeitgeber soll Aufzeichnungen gefälscht haben

Die AK Schwaz ist mit einem Fall aus Salzburg beschäftigt, bei dem die Arbeitszeitaufzeichnung vom Arbeitgeber offenbar gefälscht wurde.

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© Robert Parigger(Symbolfoto)



Von Angela Dähling

Schwaz – Als „dauerhafte Problematik, die zermürbend ist“, bezeichnet der Leiter der Schwazer Arbeiterkammer Andreas Herzog fehlerhafte Endabrechnungen bzw. Arbeitszeitaufzeichnungen zu Lasten des Arbeitnehmers. Nach jedem Saisonende hat die AK vor allem mit der Prüfung von Endabrechnungen von im Tourismus Angestellten zu tun. „Grob geschätzt sind es über 100 Beschäftigte, die sich bei uns ihre Endabrechnungen ansehen lassen“, sagt Herzog. Die gute Nachricht: „Heuer hält sich die Anzahl fehlerhafter Endabrechnungen relativ im Rahmen. Es war schon schlimmer“, informiert der AK-Chef.

Der Fall zweier Ungarinnen, die im Bundesland Salzburg in einem Restaurant arbeiteten, aber im Bezirk Schwaz wohnhaft waren und sich daher an die Schwazer AK wandten, mache aber die Problematik deutlich. Sie waren von Jänner bis Ende März beschäftigt und machten viele Überstunden, 189 genau waren es bei der einen. 101 Überstunden wurden aber nur abgerechnet. „Damit wurden ihr 1150 Euro zu wenig ausgezahlt“, weiß Herzog. Die Ungarinnen führten genaue Aufzeichnungen über ihre geleisteten Arbeitsstunden. „Im Jänner bat die eine den Arbeitgeber um dessen Aufzeichnungen. Sie erhielt sie schriftlich und sie deckten sich mit denen der Frau und liefen wahrscheinlich über das Kassasystem“, sagt Herzog.

Die Aufzeichnungen, aufgrund derer die Endabrechnung ausgestellt wurden, sahen jedoch anders aus. Wochenlang komplett einheitliche Arbeitszeiten waren darauf vermerkt – so wie sie gerade in der Gastronomie in der Realität praktisch nie vorkommen. „Sie deckten sich nicht mit jenen der Mitarbeiterin“, sagt Herzog. Dass die Mitarbeiterin sie dennoch bei der Endabrechnung unterschrieb, schreibt er mangelnden Deutschkenntnissen und dem Zeitdruck zu, der bei der Endauszahlung, die bei ausländischen Mitarbeitern oft bar erfolge, herrscht. Es sei ein seltener Einzelfall, dass so gut belegt werden könne, wie hier die Mitarbeiterin und wahrscheinlich auch das Sozialsystem betrogen worden seien. Herzog: „Hier haben wir durch die Jänneraufzeichnungen einen Beleg in der Hand, der zeigt, dass die Mitarbeiterin korrekt die Arbeitszeit notiert hat. Sonst steht oft Aussage gegen Aussage.“