Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 17.06.2019


Standort Tirol

Fünf Generationen im Zeichen der Bürsten-Vielfalt

Im Fachgeschäft von Sabine Stastny findet man alles rund um Bürste und Kamm. Der generelle Trend zur Nachhaltigkeit kommt ihr entgegen.

Sabine Stastny ist stolz auf das umfangreiche Sortiment, das sie maßgeblich mitgeprägt hat.

© StegmayrSabine Stastny ist stolz auf das umfangreiche Sortiment, das sie maßgeblich mitgeprägt hat.



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Seit 1999 führt die Innsbruckerin Sabine Stastny in fünfter Generation ein ganz besonderes Familienunternehmen in der Innsbrucker Altstadt – eines, das sich auf Bürsten und Kämme spezialisiert hat. Das Geschäft läuft gut, auch dank des Zeitgeists, der in Richtung Nachhaltigkeit und Müllvermeidung geht.

Betritt man das Geschäft in der Altstadt, ist man erst einmal fast erschlagen von der Vielzahl an Bürsten und Kämmen. Auf den zweiten Blick entdeckt man viele Besonderheiten. Etwa die Holzzahnbürste mit Naturborsten. „Die kommt bei der jungen Generation besonders gut an“, meint Sabine Stastny schmunzelnd. Man könne sie nämlich dann, nachdem sie ihren Dienst lange genug versehen hat, beispielsweise einfach einheizen. Auch zu den Holz- und Naturbürsten insgesamt würden immer mehr junge Menschen greifen, Werte wie echtes Handwerk und Qualität würden wieder wichtig, meint Stastny.

Ganz so einfach war es mit den Geschäften über die Generationen aber nicht: In den 90er-Jahren, als noch ihr Vater Josef Stastny die Zügel in der Hand hatte, gab es Konkurrenz aus Fernost. „Alle wollten dort produzieren, weil es billiger war“, berichtet Stastny. „Wir haben da aber nicht mitgemacht“, sagt sie und wirkt stolz auf diese Entscheidung. Eine weitere Zäsur stellte die Einstellung der hauseigenen Produktion im Jahr 1990 dar. „Die Maschinen wurden damals in den Schwarzwald verkauft“, erzählt Stastny.

In schwierigen Zeiten übernahm Sabine Stastny das Ruder. „Wir waren zuhause zwar drei Schwestern, aber nur ich habe mich wirklich für das Geschäft interessiert.“ Dass es mehr als nur Interesse, sondern Leidenschaft für das Unternehmen war, dessen Geschichte sich bis 1886 zurückverfolgen lässt und eng mit der Familie verbunden ist, wird schnell deutlich. „Ich habe das Sortiment vertieft und verbreitert“, erklärt Stastny. So findet sich heute z. B. auch Haarschmuck im Geschäft. Prinzipiell setzt man vor allem auf Haar- und Körperbürsten. Das Geschäft, das rund um den ersten Weltkrieg vornehmlich Besen und Handfeger bot, hat sich also deutlich gewandelt.

„Die Mischung unserer Kundenschicht ist insgesamt gut“, meint die Innsbruckerin. Neben der wachsenden Zahl an jungen Menschen, die zu den Waren greifen – bezogen werden sie u. a. aus dem Schwarzwald, Wien oder auch direkt aus Innsbruck –, habe man auch älteres Publikum. Wobei man das Kerngeschäft mit den Einheimischen mache.

Auch die sechste Generation ist schon fleißig am Werkeln. Sabines Sohn Alexander ist gerade dabei, eine Homepage aufzusetzen und einen Online-Shop einzurichten. „Ich sehe das aber eher als eine Art Zusatz-Service für unsere Kunden im Ausland“, stellt Stastny fest. Sie selbst setze immer noch auf die Beratung vor Ort und auf die Haptik der Produkte. Das tut sie zusammen mit einer Angestellten, die an drei Tagen der Woche den Laden schupft. „Unsere Geschäfte laufen derzeit gut“, meint Stastny lächelnd.