Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Osttirol

Tourismus in Osttirol: „Familienbetriebe dürfen nicht wegbrechen“

Eine neue Initiative will den kleinstrukturierten gewerblichen Unterkunftgebern eine Stimme verleihen und Zusammenarbeit fördern.

Michael Aichner (Obmann WK Osttirol), Hotelier Dieter Mayr-Hassler und Reinhard Lobenwein (v. l.) präsentieren den familiär geführten Beherbergungsbetrieben bis 50 Betten ein neues Konzept.

© Christoph BlassnigMichael Aichner (Obmann WK Osttirol), Hotelier Dieter Mayr-Hassler und Reinhard Lobenwein (v. l.) präsentieren den familiär geführten Beherbergungsbetrieben bis 50 Betten ein neues Konzept.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Das touristische Rückgrat in den Osttiroler Tälern sind Familienbetriebe. „Den kleinen gewerblichen Beherbergungsbetrieben wollen wir eine gemeinsame Stimme geben“, sagt Reinhard Lobenwein von der Wirtschaftskammer Lienz. Gemeinsam mit Dieter Mayr-Hassler vom Spiele- und Buchhotel Tschitscher in Nikolsdorf hat Lobenwein in den letzten beiden Jahren rund siebzig Familienbetriebe im Bezirk besucht. „Wir wollten uns vor Ort bei den Leuten ein Bild machen“, erklärt Mayr-Hassler. In Osttirol sei man zwar bei den Familienbetrieben bisher von einer Schließungswelle wie in anderen Regionen verschont geblieben. „Doch wir sehen, dass es schwieriger wird, gerade wenn es um einen Generationenwechsel geht“, zeigt sich Lobenwein besorgt, dass eine Stütze der Wirtschaft im ländlichen Bereich ins Wanken geraten könnte.

Wenn das Projekt in den nächsten Wochen genügend Unterstützer findet, sollen die Betriebe zur Verbesserung ihrer Situation Werkzeuge eines neuen Vereins in Anspruch nehmen können: Externe Berater würden dann den Ist-Zustand aufnehmen, bei Bedarf bei einer strategischen Neuausrichtung helfen und eine solche beratend begleiten. 80 Prozent der Kosten dafür würden die Wirtschaftskammer und das Land Tirol übernehmen, sagt Lobenwein.

Als Ergänzung schlagen die beiden Projektbetreiber Kooperationen vor, die für den Unternehmer eine Kostenersparnis und für den Gast ein erweitertes Angebot bringen sollen. „Wir sprechen alle gewerblichen Beherbergungsbetriebe mit bis zu 50 Betten an“, verdeutlicht Mayr-Hassler. In Osttirol gebe es davon rund 230. Wenn zu Beginn jeder Zehnte Teil der Initiative würde, könnte man im September auch eine EU-Leader-Förderung für die nächsten drei Jahre beantragen.

Sparpotenzial biete die betriebsübergreifende Zusammenarbeit etwa beim Einkauf, bei Geräteanschaffungen, bei Hausmeistertätigkeiten, im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Für den Gast könnten die Familienbetriebe ihre spezifischen Angebote wie Tagesausflüge oder Seminare in einem Pool bündeln. „Wenn jeder drei seiner Veranstaltungen pro Jahr für andere zahlende Gäste öffnet, hätten wir bei 30 Betrieben insgesamt 90.“ Es gelte gemeinsam neue Geschäftsfelder zu eröffnen.