Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.06.2019


Wirtschaft im Gespräch

„Online ist sehr wichtig, aber nicht unbedingt gewinnbringend“

Juwelier Ingo Appelt spricht über den Trend der Nachhaltigkeit bei Schmuck und warum er Schmuck-Nahversorger ist.

Ingo Appelt, Olympiasieger im 4er-Bob,  führt das Familienunternehmen Appelt Juwelen.

© Thomas Boehm / TTIngo Appelt, Olympiasieger im 4er-Bob, führt das Familienunternehmen Appelt Juwelen.



Appelt Juwelen ist ein Familienunternehmen.

Ingo Appelt: Mittlerweile gibt es uns seit mehr als 50 Jahren. Inzwischen arbeiten die zweite und dritte Generation in der Firma: mein Sohn Maximilian, der Einzelhandelskaufmann gelernt hat, und ich als Goldschmied. Mein Sohn Julian hat auch Goldschmied gelernt, derzeit orientiert er sich jedoch beruflich anders. Mein Ziel ist es, den Betrieb so aufzustellen, dass beide Söhne ihn gemeinsam führen können. Gegründet wurde das Unternehmen von meinem Vater am Standort in Fulpmes, wo auch heute noch ein Geschäft und die Werkstätte beheimatet sind. Seit mehr als 10 Jahren sind wir mit einem weiteren Geschäft in den Innsbrucker RathausGalerien vor Ort.

Wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt?

Appelt: Früher erwirtschafteten wir den Umsatz in Fulpmes mit Touristen. Mittlerweile sind Einheimische unsere Stammkunden. Der Anteil der Touristen, die bei uns im Stubaital Schmuck kaufen, ist verschwindend gering. Wir sind zum Schmuck-Nahversorger für die Tiroler geworden.

Warum ist das Geschäft mit den Gästen so zurückgegangen?

Appelt: In Fulpmes schlagen zwei Herzen — das Industrieherz und das Tourismusherz. Ersteres ist wesentlich stärker als jenes des Tourismus. Noch vor 40 bis 50 Jahren war Fulpmes in Sachen Tourismus toll aufgestellt. Doch die Touristenströme haben sich Richtung Neustift und zum Gletscher verlagert.

Juwelen Appelt führt Schmuckmarken und Eigenkreationen. In welchem Größenverhältnis stehen diese beiden Bereiche zueinander?

Appelt: Es gibt Juweliere, die definieren sich über die Marke und andere sind selbst die Marke. Wir wollen selbst die Marke sein, entweder durch den Schmuck, den wir selbst entwerfen beziehungsweise umarbeiten. Als Ergänzung zu den Eigenkreationen haben wir einige interessante Marken und Partner an Bord geholt. So führen wir beispielsweise Uhren von Oris, Meistersinger, Jacques Lemans oder Raymond Weil. Das sind familiengeführte Unternehmen wie wir, die stimmig zu uns und unserem Konzept passen.

Was auffällt, ist Ihr Online-Auftritt. Auf Ihrer Homepage präsentieren Sie Schmuckstücke inklusive Preis, die man gleich bestellen kann. Wie wichtig ist so ein Online-Auftritt?

Appelt: Aus meiner Sicht sehr wichtig, aber nicht unbedingt gewinnbringend. Die Homepage ist notwendig, damit Menschen uns auch im Internet finden und sich vorinformieren können. Letztlich geht es bei unserem Geschäftsmodell immer um die persönliche Beratung und Bindung in einem unserer beiden Geschäfte.

Derzeit ist Nachhaltigkeit auch bei Schmuck ein Thema. Es geht um Diamanten aus ethisch fairem Abbau und Handel und zertifiziertes Gold. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Appelt: Wir leben diese Nachhaltigkeit, seitdem ich die Firma führe. Wir verwenden ausschließlich zertifiziertes Gold, das aus Altgold hergestellt wurde, da auch dessen Qualität deutlich besser ist. Für jedes Schmuckstück, das unsere Goldschmiede verlässt, können wir bei Bedarf ein entsprechendes Zertifikat ausstellen. Mein Schmuck hat noch eine zusätzliche andere Nachhaltigkeit: Generationen später erfreuen sich junge Menschen noch immer an Schmuck, an dem mein Vater gearbeitet hat. Sie lassen ihn bei uns reinigen oder modifizieren.

Appelt Juwelen

Appelt Juwelen wurde vor mehr als 50 Jahren gegründet. Derzeit werden in der Werkstätte in Fulpmes und den beiden Geschäften in Fulpmes und den RathausGalerien Innsbruck 10 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahresumsatz liegt bei mehr als 1 Mio. Euro.

Ingo Appelt gewann bei der Olympiade 1992 die Goldmedaille im 4er-Bob. Er wurde auch Welt- sowie Europameis­ter und Weltcup-Gesamtsieger. Appelt hat die HTL für Maschinenbau abgeschlossen. Seit 1992 führt er den Familienbetrieb, den er schon von Kindesbeinen an kennt.