Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Exklusiv

Hotels werden wegen Internet-Plattform Booking bald teurer

Der Buchungsriese Booking.com verlangt künftig auch Provisionen auf Steuern, Extras und alle Dienstleistungen. Tirols Hoteliers kündigen Preiserhöhungen an und wollen sich wehren.

Die Unterkünfte müssen pro Buchung etwa 10 bis 15 Prozent an Booking abliefern. Das gilt künftig auch für Extras und Steuern.

© iStockDie Unterkünfte müssen pro Buchung etwa 10 bis 15 Prozent an Booking abliefern. Das gilt künftig auch für Extras und Steuern.



Von Nina Werlberger

Innsbruck, Lienz –Brutal“, „abstrus“, „Prügel für die Hoteliers“ und „ein Kundenvertreibungsprogramm erster Güte“: Tirols Hoteliers, die Privatvermieter und die Österreichische Hoteliervereinigung sind sauer auf die Buchungsplattform Booking.com. Diese hat vor wenigen Tagen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert und erhöht ab 1. Juli die Provisionen – und diese Erhöhung hat es in sich.

Bislang mussten die Vermieter bei der Vermittlung eines Zimmers je nach Vertrag etwa zwischen 10 und 15 Prozent Provision an Booking zahlen, manche auch etwas mehr. In Zukunft werden die Hoteliers auch für alle Extras, Gebühren, Dienstleistungen und Aufschläge Geld an Booking abliefern – vom Frühstück über die Endreinigung, vom Rad-Verleih über die Zusatzbetten, für das Besorgen von Theaterkarten oder Gebühren für einen späten Check-out. Auch für alle Steuern verlangt Booking ab kommender Woche Provision – von der Mehrwertsteuer bis zur Kurtaxe.

Für die heimischen Hoteliers geht es hier um viel Geld. Praktisch alle sind mittlerweile auf der Plattform vertreten – und sehr viele sind von ihr abhängig. „Ich höre Klagen aus der Branche, weil Booking ein derart großer Big Player geworden ist, der den Markt extrem beherrscht“, sagt Mario Gerber, Obmann der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Tirol und stellvertretender Obmann in der Bundeswirtschaftskammer. Was ihn stört: „In Wahrheit können sie jede noch so abstruse Idee bei den Hoteliers durchsetzen. Wenn Booking von der Ortstaxe eine Provision will, ist das brutal.“ Gerber will die neuen Booking-Regeln daher bekämpfen. „Wir schauen uns auf Bundesebene an, was rechtlich möglich ist.“ In Wien seien die Juristen bereits an dem Thema dran, erzählt er. Bis zum Spätsommer rechnet er mit einem Ergebnis.

Seinen Mitgliedern rät Gerber eindringlich, die Preiserhöhung an die Kunden weiterzugeben. Für die angebotenen Dienstleistungen müssten dann eben 10 oder 13 Prozent aufgeschlagen werden, gleiches gelte für die Steuern.

Dass die höheren Provisionen den Preiskampf in der Branche weiter verschärfen werden, davor warnt auch Theresia Rainer. Die Osttirolerin ist die Landesobfrau der rund 16.000 Privatvermieter in Tirol. Auch sie drängt ihre Mitglieder, die Preise zu erhöhen – auch wenn das in manchen Regionen schwierig sei. „Ich kann nur appellieren: Schlagt’s das bitte auf den Preis drauf.“ Rainer weist aber auch auf ein Dilemma hin: „Ohne Booking füllen wir unsere Betten nicht.“ Viele kleine Vermieter würden dank der Plattform vor allem in der Zwischensaison ihre Häuser voll bekommen und Lücken auffüllen. Das Service sei sehr professionell – aber eben auch teuer.

Bei der Österreichischen Hoteliervereinigung findet man die neuen Provisionsregeln „relativ unsexy“, wie Sprecher Martin Stanits zur TT meint. „Das hat die Qualität eines Kundenvertreibungsprogramms erster Güte“. Stanits verweist auf die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Hotels: Nur ein Viertel mache Gewinne und deren Rendite betrage magere zwei Prozent im Schnitt. Er rät den Hoteliers, alles dafür zu tun, um Direktbuchungen anzukurbeln.

Die Branche hat sich bereits einmal erfolgreich gegen Bookings Preispolitik zur Wehr gesetzt. Anders als in Deutschland, das erst kürzlich vor Gericht eine Schlappe gegen den Konzern erlitt, gilt hierzulande die so genannte Bestpreisklausel nicht mehr. Hoteliers in Österreich dürfen auf ihrer Homepage Zimmer günstiger anbieten als auf den großen Internet-Buchungsplattformen. Booking.com und Konkurrent Expedia sind im Herbst 2017 beim Verfassungsgerichtshof mit ihrem Versuch abgeblitzt, das seit Anfang 2017 geltende Verbot der Bestpreisklausel zu Fall zu bringen.

Allerdings gibt es weitere Praktiken, die den Hoteliers sauer aufstoßen. Ein Beispiel ist „Booking basic“: Dabei werden Preise von Drittanbietern gezeigt, wenn diese tiefer sind als bei Booking selbst und auf der Hotelwebseite. „Das ist natürlich problematisch“, sagt Stanits. Außerdem ärgern ihn die sogenannten „Sponsored Discounts“. Dabei biete Booking Gästen eigenständig und ohne Rücksprache mit dem Hotel Rabatte an. „Der Kunde zahlt dann weniger als auf der Rechnung steht, und der Hotelier bekommt ein Problem mit dem Finanzamt“, bemerkt Stanits.

Was sagt Booking selbst zu den verärgerten Hoteliers? Auf Anfrage der TT teilt der Konzern mit, es sei Teil eines ganzheitlichen Ziels, den Kunden transparente Informationen über den Gesamtpreis, den sie bei der Buchung einer Ferien­unterkunft zahlen müssen, zur Verfügung zu stellen und für alle Unterkunftspartner gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. „Aus diesem Grund sind wir bestrebt, den Prozess von Provisionserhebungen auf obligatorische Zusatzgebühren, welche die Kunden auf die entsprechenden Ferienunterkünfte zahlen müssen, zu aktualisieren.“

Booking ist eine der weltgrößten Reisebuchungsplattformen. Sie hat ihren Hauptsitz in Amsterdam und beschäftigt aktuell über 17.000 Mitarbeiter in 198 Büros in 70 Ländern weltweit. Sie hat rund 30 Millionen Einträge in 228 Ländern und Gebieten weltweit. Mehr als eineinhalb Mio. Übernachtungen werden täglich über die Plattform reserviert. In Österreich sind 35.700 Hotels und andere Unterkünfte auf Booking.com vertreten.