Letztes Update am Do, 27.06.2019 09:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Ex-Buwog-Wohnblock mit Millionengewinn versilbert

Plus von 60Prozent in zwei Jahren: Luxemburger Fonds verkauft Buwog-Wohnblock an Tiroler Immo-Firma. Haus wird aufgestockt, für Mieter soll sich nichts ändern.

Der Luxemburger Immobilienfonds JP verdient mit ehemaligen Buwog-Häusern gutes Geld: Jüngst wurde in Innsbruck dieser Wohnblock verkauft.

© Rudy De MoorDer Luxemburger Immobilienfonds JP verdient mit ehemaligen Buwog-Häusern gutes Geld: Jüngst wurde in Innsbruck dieser Wohnblock verkauft.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Die internationalen Investoren, zum Teil aus den USA, die hinter dem in Luxemburg angesiedelten Immobilienfonds Jargonnant Partners JP stecken, reiben sich die Hände. Für sie lohnt sich die Spekulation mit ehemaligen Buwog-Wohnungen in Tirol, die einst allen Österreichern gehörten. Wie berichtet, hatte Ende 2016 der Luxemburger Fonds JP der unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser privatisierten Buwog ein Tirol-Paket von 1150 Wohnungen abgekauft, für kolportierte 120 Mio. Euro. Kurz darauf begann JP die Wohnungen zu versilbern, die TT berichtete über mehrere Verkäufe.

Nun haben die internationalen JP-Investoren aus dem Tirol-Paket einen ehemaligen Buwog-Wohnblock in Innsbruck mit insgesamt 50 Wohnungen an die Tiroler Immobilienfirma Gattinger Realitäten Treuhand verkauft, die zu je einem Drittel den erfahrenen Tiroler Immobilienunternehmern Armin Ennemoser, Martin Baldauf und Wolfgang Sommavilla gehört. Das Trio ist schon lange im Immobiliengeschäft tätig. Der Kaufpreis beträgt laut Kaufvertrag 7,1 Mio. Euro. Damit macht JP innerhalb von knapp mehr als zwei Jahren mit einem Aufschlag von 60 % einen guten „Schnitt“ – Ende 2016 hatte man das Zinshaus von der Buwog für 4,5 Mio. Euro erworben.

Von den 50 Wohnungen sind 34 vermietet, davon 26 unbefristet. „Für die Mieter ändert sich nichts“, versichert Ennemoser. „Alle Konditionen bleiben gleich.“ Schließlich unterliegen die Verträge dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG). Die derzeit leer stehenden Wohnungen werde man entsprechend einem 1957 im Grundbuch verankerten Vertrag den Bediensteten von Stadt, Zoll und Bund zur befristeten Miete anbieten, so Ennemoser.

Im Kaufpreis enthalten ist ein Baubescheid für den Ausbau des Wohnblocks: So wird das Gebäude um 10 weitere Dachgeschoßwohnungen aufgestockt, hinzu kommen fünf Lifte und eine Tiefgarage mit 44 Stellplätzen. Der Bau der Tiefgarage werde keinen Mieter etwas kosten, betont Ennemoser. Die Tiefgaragenplätze würden separat vermietet. Die zusätzlich errichteten Dachgeschoßwohnungen würden ebenfalls vermietet, diese allerdings zu Marktpreisen.

Mit dem Kauf sei der Wohnblock nun immerhin in Tiroler Händen, so Ennemoser. Man werde die Immobilie auch weiterhin im Eigentum behalten, erklärt der Immobilienunternehmer. Er sieht aber generell die Privatisierung von Wohnungen der öffentlichen Hand kritisch. Zudem habe die Buwog die Tiroler Wohnungen durch „Anfängerfehler“ viel zu günstig an JP verkauft (siehe nachfolgendes Interview).

„Buwog machte Anfängerfehler“

Der Tiroler Immobilienunternehmer Armin Ennemoser kritisiert Privatisierungen öffentlicher Wohnungen und ortet beim Buwog-Verkauf Anfängerfehler.

Warum ist Ihnen ein Wohnblock 7,1 Mio. Euro wert, den die JP-Investoren vor 2 Jahren der Buwog um nur 4,5 Mio. Euro abgekauft haben?

Armin Ennemoser: JP hat die Buwog-Wohnungen unterpreisig gekauft, weil die Buwog einen Anfängerfehler gemacht hat. Sie hat ein viel zu großes Paket geschnürt – das schränkt den Käuferkreis ein.

Entsprechend kann JP jetzt das Paket filetieren und gut verdienen?

Ennemoser: JP macht das, was jeder andere Private auch tun würde. Stückeln und in kleineren Tranchen verkaufen.

Mit der Privatisierung der Buwog-Wohnungen verdienen nun etwa Investoren aus den USA viel Geld. Wie sehen Sie die Buwog-Privatisierung?

Ennemoser: Die Privatisierung war ein Fehler. Liegenschaften, die mit öffentlichen Geldern finanziert worden sind, sollte man nicht verkaufen. Auch wohnbaugeförderte Wohnungen dem freien Markt zu überlassen ist ein Fehler, weil man öffentliches Eigentum privatisiert.

Das Interview führte Max Strozzi