Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Bezirk Reutte

„Schilderbäume“ weisen Paddler in die Schranken

Freizeitsport und Naturschutz – eine Kombination, die Konfliktpotenzial garantiert. Eine neue Besucherlenkung am Lech soll Spannungen abbauen.

Vorbei am Naturparkhaus Klimmbrücke erleben Wildwassersportler den Lech auf Augenhöhe.

© Fun Rafting FriedleVorbei am Naturparkhaus Klimmbrücke erleben Wildwassersportler den Lech auf Augenhöhe.



Von Simone Tschol

Lechtal – Mit der Schneeschmelze, den daraus resultierenden erhöhten Pegelständen und den warmen Temperaturen sind derzeit geradezu optimale Bedingungen für Wildwassersportler gegeben. Das Befahren von Gebirgsflüssen – ob im Kajak oder Canadier – erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Im Naturpark Tiroler Lech ist die Wildwasserstrecke von Steeg bis Weißenbach befahrbar. Als Start- oder Endpunkte der Fahrt dürfen nur die extra ausgewiesenen Ein- und Ausstiegsstellen verwendet werden. Rafting ist nur über einen kommerziellen Anbieter zwischen 9 und 19 Uhr erlaubt.

Aber nicht nur Kanusportler beanspruchen die naturnahen Gewässer. Zahlreiche seltene Tierarten wie der Flussregenpfeifer und Flussuferläufer nutzen die alpinen Wildflüsse als Brutplätze. Sie nisten auf freien Schotterflächen und bauen ihre Nester in kleinen Gruben. Hier sind die gefleckten Eier perfekt getarnt. Erholungssuchende zerstören oft unwissentlich die Gelege. Konflikte zwischen Freizeittourismus und Artenschutz sind vorprogrammiert.

Um diese erst gar nicht aufkeimen zu lassen, haben der Naturpark Tiroler Lech und der Naturpark Karwendel sowie die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. ein Projekt „für ein respektvolles Miteinander“ auf die Beine gestellt.

Im Rahmen dessen wird am Lech derzeit ein neues Besucherlenkungskonzept umgesetzt. Die Ein- und Ausstiegsstellen für Wildwassersportler werden mit Hilfe von so genannten „Schilderbäumen“, Infopunkte mit mehreren Hinweistafeln, gekennzeichnet. Diese weisen nicht nur Sportbegeisterten den Weg, sondern informieren auch Sonnenhungrige, Picknick- und Grillgesellschaften über das wertvolle Ökosystem – verbunden mit dem eindringlichen Appell, die Schotterbänke nicht zu betreten.