Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 29.06.2019


Osttirol

Kraftwerk Lesachalm interessiert Japaner

Eine Delegation aus Kyoto holte sich kürzlich beim Kraftwerk Lesachalm Inspirationen für Wasserkraftnutzung. Dass das Werk in Betrieb gehen konnte, war lange Zeit gar nicht sicher.

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© Ottilie Stemberger



Von Catharina Oblasser

Kals – Besuch aus Fernost war letzte Woche in Kals eingetroffen. Eine japanische Delegation aus Kyoto mit Technikern, politischen Vertretern, einem Juristen und der Vorsitzenden des Vereins „Wasserkraft in Japan“ interessierte sich für das Kraftwerk Lesachalm, das die gleichnamige Agrargemeinschaft mit Obmann Toni Huter errichtet hatte. Der Kontakt mit Japan war über den Deferegger Unternehmer Bernhard Unterlercher zustande gekommen, der das Kalser Kraftwerk ausgestattet hat. „Kleinwasserkraftanlagen sind in Japan noch nicht sehr verbreitet“, erklärt Unterlercher. „Wir haben schon einmal Turbinen an eine japanische Firma verkauft, seither kommen immer wieder Gruppen auf Besuch, die sich über österreichische Anlagen informieren wollen.“

Zurzeit läuft das Kraftwerk Lesachalm im Probebetrieb. Dass es überhaupt so weit gediehen ist, war lange Zeit gar nicht sicher, wie sich Agrargemeinschaftsobmann Toni Huter erinnert. Die Anlage sollte acht Almhütten sowie einen noch zu bauenden neuen Gasthof am Lesachbach mit Strom versorgen. Ein allfälliger Stromüberschuss wird ins Netz eingespeist. Drei Millionen Euro betrug die Investitionssumme. Im Jahr 2013 war das Projekt begonnen worden, 2015 kam die wasserrechtliche Bewilligung. Im Juli 2018 gab es schließlich auch den positiven Naturschutzbescheid.

Dann folgte die Ernüchterung bei der Agrargemeinschaft Lesachalm: Der Umweltschutzverband WWF erhob Einspruch. Der Lesachbach sei ein einzigartiges Flussjuwel, das nicht verbaut werden dürfe, und zur Stromerzeugung für die Hütten auf der Alm wäre eine schonendere Lösung möglich, argumentierte WWF-Flussexperte Gerhard Egger damals. Die Causa ging an das Landesverwaltungsgericht in Innsbruck.

Nun steht fest: Das Kraftwerk Lesachalm ist rechtens. Das Landesverwaltungsgericht hat die Beschwerde des Umweltverbandes zurückgewiesen. „Wir sind darüber sehr erleichtert“, meint Huter. „Die Agrargemeinschaft ist froh, dass sie jetzt Rechtssicherheit hat.“

Auch der ÖVP-Landtagsabgeordnete Hermann Kuenz hatte sich für die Errichtung des Kraftwerks Lesachalm starkgemacht. Das Urteil des Landesverwaltungsgerichts ist für ihn richtungsweisend, wie Kuenz mitteilt. Er sieht im Kraftwerk eine bestens ins Landschaftsbild integrierte Anlage. „Wir müssen sehr gut aufpassen, dass gesetzliche Hürden nicht irgendwann unüberwindbar für Projekte in den Regionen werden und die Auflagen zu groß.“