Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Standort Tirol

Tirols Wirtschaft wächst moderater

Auftragslage abgeschwächt, WK-Chef Walser wünscht Zuwanderung gegen Mangel an Arbeitskräften.

Die Bauwirtschaft spricht im ersten Halbjahr 2019 durchwegs von gefüllten Auftragsbüchern.

© Foto TT/Rudy De MoorDie Bauwirtschaft spricht im ersten Halbjahr 2019 durchwegs von gefüllten Auftragsbüchern.



Von Verena Langegger

Innsbruck – Es gebe nicht nur akuten Fachkräftemangel, der Präsident der Tiroler Wirtschaftskammer (WK), Christoph Walser, spricht sogar von Arbeitskräftemangel. Und er fordert die künftige Bundesregierung auf, „über Zuwanderung zu reden“, denn: „Wir werden mit den eigenen Leuten nicht auskommen.“ Vorstellen könne er sich etwa ein „Modell wie in Deutschland“ (3-plus-2-Regel), wo etwa Asylwerber auch bei negativem Asylbescheid drei Jahre Lehre fertig machen und dann jedenfalls noch zwei Jahre im Land arbeiten dürften. Zudem müsse geklärt werden, wie mit Asylwerbern umgegangen werde, die in die Schule gehen. Eines sei aber klar, sagt Walser: „Wir brauchen klassifizierte Zuwanderung.“

Bei der Präsentation des Konjunkturbarometers zeigten sich Geschäftslage und Erwartungen unter 240 Leitbetrieben (mit 45.000 Beschäftigten) – trotz zunehmend unsicherem Umfeld – im positiven Bereich, errechnete der Wirtschaftsstatistiker der WK-Tirol, Stefan Garbislander. Der Geschäftsklimaindex sei zwar zum Jahreswechsel 2018/19 auf 51 Prozentpunkte gefallen (von 68 Prozentpunkten im Sommer 2018), habe sich aber mit aktuell 53 Prozentpunkten im vergangenen halben Jahr stabil positioniert.

Christoph Walser, Tiroler WK-Präsident.
Christoph Walser, Tiroler WK-Präsident.
- Thomas Boehm / TT

Besonders positiv seien die Einschätzung von Bauwirtschaft und Handel, sagte Garbislander. Jeweils 71 Prozent der Unternehmen melden eine gute Geschäftslage, 29 Prozent immer noch einen normalen Geschäftsgang. Ebenfalls positiv: Kein Unternehmen bewertete die Geschäftslage als negativ. „Damit erreichen diese beiden Branchen sogar bessere Werte als in der Hochkonjunkturphase vom Sommer 2018“, so Garbislander.

Abgeschwächt habe sich jedoch die Geschäftslage in Industrie und Gewerbe. Hätten im vergangenen Sommer 2018 noch 85 Prozent der Industrieunternehmen und 75 Prozent der Leitbetriebe im Gewerbe eine gute Geschäftslage angegeben, seien es aktuell 66 Prozent bzw. 64 Prozent. Die Umsatzlage werde noch von 62 Prozent der Industrieunternehmen als gut bewertet (vor einem Jahr: 81 Prozent). Auch in Tirol werde – wie in ganz Österreich – die Konjunktur vor allem vom privaten Konsum getragen, geprägt von der „dynamischen Entwicklung in der Bauwirtschaft“. Stark zugenommen hätten aber auch in Tirol die Auslandsrisiken wie der Handelsstreit zwischen den USA und China.