Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.07.2019


Bezirk Imst

„Beirat Zukunft“: Ein Plädoyer für den Ökotourismus

Nach dem vorläufigen Aus für die Liftehe Hochoetz-Kühtai tagte der „Beirat Zukunft“ zum dritten Mal.

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© Estermann



Von Thomas Parth

Oetz – Diesmal wurde in Habichen ein wahres Ideenfeuerwerk gezündet. Überraschenderweise nicht von den touristischen Praktikern, sondern von den „Lift-Gegnern“. Gerd Estermann und Bernhard Stecher als Protagonisten ihrer jeweiligen Bürgerinitiativen stellten ihre Ideen und Gedanken zur Diskussion; mit erstaunlich viel Einfühlungsvermögen für den Tourismus.

Doch bevor es so weit war, hatte der Bürgermeister von Werfenweng in Salzburg seinen großen Auftritt: Peter Brandauer präsentierte die Gemeinde und speziell deren ökotouristisches Konzept.

„Aus der Not heraus, weil die Nächtigungszahlen zurückgingen, kamen die Touristiker auf mich zu“, berichtet Brandauer. Ein Ortsleitbild bildete den Anstoß für ein tiefgreifendes Umdenken. „Wir wollten die Lebensqualität der Einwohner sowie der Gäste steigern“, so der ÖVP-Langzeitbürgermeister über das Jahr 1994. Damals wurde nicht alles übers Knie gebrochen, sondern ein Pfad „der tausend kleinen Schritte“ begangen. Die Schlagworte einer „autofreien Gemeinde“, in der man „den Autoschlüssel im Urlaub beim Tourismusbüro abgibt“, wo auch „das Auto Urlaub macht“, schlugen medial sehr hohe Wellen, speziell im Hauptzielmarkt Deutschland.

Bestärkt durch diesen Rückenwind und durch erste Erfolge hat man sich in Werfenweng dazu entschieden, mit einer Gästecard bzw. mit ihrem Pendant für Einheimische für Mobilität zu sorgen. „Dabei handelt es sich um eine herkömmliche Umlagekarte, die neben der Mobilität weitere Angebote beinhaltet“, weiß Brandauer. Eine Familie, die ihre Kinder zu Fuß zur Schule schickt, bekommt die Saisonkarte für den Badesee gratis. Gäste, die mit der Bahn anreisen, werden vom Shutt­le abgeholt und bekommen auf Wunsch während ihres Aufenthalts ein Elektroauto. Der Renner im Winter ist die Langlaufausrüstung, welche die Gäste gestellt bekommen. Mittlerweile komme jeder vierte Gast wegen dieser Profilierung, so Brandauer. Mit einem Altersdurchschnitt von 37 Jahren ist Werfenweng eine der jüngsten Gemeinden Salzburgs.

Das ökotouristische System funktioniere durch starke Bürgerbeteiligung sowie durch Belohnung. „Wir zwingen niemanden mitzumachen, aber wir belohnen jeden, der es tut“, bestätigt der Bürgermeister: „Wir waren Pioniere und haben damals bereits Probleme behandelt, die erst heute als solche erkannt werden.“

Nach dem Beispiel aus der Praxis, dass eine Ökotourismus-Gemeinde funktionieren kann, brachten sich die Bürgerinitiativen ein. Bernhard Stecher lieferte Ideen, ganz im Sinne einer möglichen „Ökoregion“. Dabei gehe es vielmehr um eine Prüfung der „Einheimischentauglichkeit“, der alle Projekte unterzogen werden sollten, hofft Estermann.

Ideen wie z. B. ein Radweg auf der alten Kühtaier Straße bis Ochsengarten sollten in einen Masterplan einfließen und nicht als Eintagsfliegen sterben. Für Estermann wäre Oetz gar ein „Paradebeispiel für eine Fußgängerzone“, wenn der Verkehr nicht wäre.