Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 07.07.2019


Exklusiv

Urlaub daheim ist bei den Tirolern im Trend

Wunderbare Natur vor der Haustür und ein vielfältiges Freizeitangebot. 40 Prozent der Tiroler Bevölkerung fährt im Sommer nicht weg.

Die Innsbrucker Nordkettenbahnen befördern im Sommer doppelt bis dreimal so viele Gäste wie im Winter.

© nordkettenbahnDie Innsbrucker Nordkettenbahnen befördern im Sommer doppelt bis dreimal so viele Gäste wie im Winter.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck — Früher waren es in erster Linie zwingende finanzielle Gründe, die zur Entscheidung für einen Urlaub auf Balkonien geführt haben. Jetzt verbringen viele Tiroler ganz bewusst ihre Urlaubstage daheim und unternehmen nur Tagesausflüge. „Das ist ein Trend, den wir seit etwa fünf Jahren beobachten", sagt Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Tourismus- und Freizeitforschung. 40 Prozent der Tiroler verreisen in den Sommerferien nicht, „weil sie die schöne Natur vor der Haustür haben und das Freizeitangebot in den letzten Jahren so vielfältig geworden ist", sagt Zellmann.

Natürlich gibt es diejenigen, die ans Meer wollen, „alle anderen sagen sich, warum in die Ferne schweifen, wenn ich in der Region alles finde, was zu einem perfekten Urlaub gehört", so Zellmann. Ausflüge, Sport, Erlebnistouren und Kultur: Vom simplen Wandern übers Biken auf den zahlreichen Downhilltrails bis zu diversen Sommerfestivals — die Palette der Möglichkeiten im eigenen Land ist groß. Die Menschen empfinden zudem, dass der Urlaub daheim einen „viel größeren Erholungswert hat, und wollen zwischendurch auch Dinge erledigen, für die man sonst keine Zeit findet", sagt der Tourismusforscher.

„Wir haben ein Nächtigungswachstum von mehr als 60 Prozent in den vergangenen zehn Jahren.“
Florian Phleps
(Tirol Werbung)
„Wir haben ein Nächtigungswachstum von mehr als 60 Prozent in den vergangenen zehn Jahren.“ Florian Phleps
(Tirol Werbung)
- Foto TT / Rudy De Moor

Auch andere Gründe sprechen immer häufiger für das Daheimbleiben: „Fliegen wird wegen der aufwändigen Sicherheitskontrollen und der Verspätungen immer unangenehmer und auch das dauernde Stauen auf den Autobahnen bereitet Stress", so Zellmann. Eine noch kleine Rolle spielt hingegen das Umweltbewusstsein: 10 bis 15 Prozent überlegen sich, „welchen ökologischen Fußabdruck sie mit ihrer Urlaubsreise hinterlassen", weiß ­Zellmann. Immer wichtiger für den Tourismus werden auch die Tiroler, die innerhalb des Landes verreisen, was sich im Tourismusjahr 2017/18 mit 815.000 Nächtigungen zu Buche geschlagen hat. „Wir haben hier ein Nächtigungswachstum von mehr als 60 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Damit ist Tirol nicht nur die am schnellsten wachsende, sondern mittlerweile auch die wichtigste Herkunftsregion unserer Inlandsgäste", freut sich der Chef der Tirol Werbung, Florian Phleps.

Zusätzliche Bedeutung erhält der einheimische Gast, „weil er mehr ausgibt als der durchschnittliche Tirol-Urlauber. Darüber hinaus reist er überproportional oft außerhalb der Hochsaison und sorgt so für eine willkommene Auslastungssteigerung zu den Saisonrandzeiten", sagt Phleps. Laut oberstem Tirol-Werber bevorzugen die Einheimischen „im Sommer den aktiven Urlaub in der Natur — sei es Wandern, Bergsteigen oder Fahrradfahren."

Die Freizeitaktivitäten spiegeln sich auch in den Gästezahlen der Seilbahnen wider. So gibt es bereits einzelne Bahnen des Freizeitticket-Tirol-Verbundes, „die im Sommer mindestens genauso stark genutzt werden wie im Winter", sagt Quirin Müller, Marketingchef des Freizeittickets. Ausschlaggebend sei hier unter anderem eine gute Auswahl an Kurzwanderstrecken und Hüttenwanderungen sowie ein Sommerangebot wie Mountainbiketrails. Ganz oben auf der Liste der gefragtesten Sommerlifte ist die Nordkettenbahn, „die im Sommer sogar doppelt bis dreifach so viele Gäste wie im Winter befördert", so Müller.