Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.07.2019


Bezirk Kufstein

Beim Thema Tierwohl gibt es Irrtümer

Passend zum Jahresmotto Tierwohl besuchten die Spitzenvertreter der Tiroler Landwirtschaftskammer Vorzeigebetriebe zu diesem Thema.

Bezirksstellenleiter Josef Lanzinger, Bezirksobmann Johann Gwiggner, Magdalena und Andreas Eisenmann, LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid, LK-Präsident Josef Hechenberger (v. l.) beim Besuch.

© LK TirolBezirksstellenleiter Josef Lanzinger, Bezirksobmann Johann Gwiggner, Magdalena und Andreas Eisenmann, LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid, LK-Präsident Josef Hechenberger (v. l.) beim Besuch.



Söll – Die Landwirtschaftskammer Tirol widmet sich heuer in ihrem Jahresmotto ganz dem Thema „Tierwohl“. Ziel dabei sei es, der Bevölkerung Einblick in das breite Themenspektrum der Tierhaltung zu geben und hervorzuheben, welche Vorreiterrolle die Tiroler Landwirtschaft bereits in vielen Bereichen einnimmt, wie es seitens der Landwirtschaftskammer heißt. Im Rahmen der alljährlichen Bezirksrunde werden heuer daher Betriebe besucht, die sich intensiv mit „Tierwohl“ auseinandersetzen.

Die Kühe von Andreas Eisenmann verbringen den Almsommer auf der Saukogelalm in Itter.
Die Kühe von Andreas Eisenmann verbringen den Almsommer auf der Saukogelalm in Itter.
- LK Tirol

„Einerseits wachsen konsumentenseitig die Ansprüche und Erwartungen, andererseits sind wir aber damit konfrontiert, dass fachliches Sachwissen fehlt und die Inhalte aus der Werbung für Realität auf bäuerlichen Betrieben gehalten wird“, erklärt LK-Präsident Josef Hechenberger. Dieser Situation seien auch viele Missverständnisse, falsche Erwartungshaltungen und enttäuschte Erwartungen geschuldet, weshalb man verstärkt Einblicke in die heimischen Betriebe geben will: „Die Tiroler Betriebe produzieren nach höchsten Qualitätsstandards und unter strengsten gesetzlichen Richtlinien“, sagt Hechenberger.

Wie jede andere Branche ist auch die Landwirtschaft mit unterschiedlichen Trends konfrontiert. Ein solcher sei die Entwicklung zu immer neuen Tierwohl-Standards der einzelnen Handelsketten. „Diese Standards dienen vielfach nur der Abgrenzung vom Mitbewerb und das zulasten der Bauern. Einen landwirtschaftlichen Betrieb kann ich nicht von heute auf morgen umstellen, Investitionen werden in Generationen gedacht. Das hat man dem Handel klarmachen können und arbeitet nun gemeinsam an möglichen Weiterentwicklungen fürs Berggebiet“, erklärt Vizepräsidentin Helga Brunschmid. Eine Station im Rahmen des Bezirksbesuches war die Alm von Andreas Eisenmann in Itter. Der Knollnhof der Familie Eisenmann befindet sich in Söll, die Alm in der Nachbargemeinde. Der Betrieb hält Milchvieh mit eigener Nachzucht und betreibt Urlaub auf dem Bauernhof. Betriebsführer Andi Eisenmann erklärt seinen Zugang zum Tierwohl: „Wir arbeiten täglich mit unseren Tieren und es ist in unserem eigenen Interesse, dass es ihnen gut geht. Es ist wichtig, sich mit der Landwirtschaft zu beschäftigen und die Tierhaltung weiterzuentwickeln. Allerdings sollte das von der Bauernseite aus vorangetrieben werden und gemeinsam mit Verarbeitern und Handel umgesetzt werden und nicht umgekehrt.“ (TT, wo)