Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Bezirk Landeck

Kaunertaler Gletscherpionier Eugen Larcher geht in Pension

Nach 40 Jahren übergibt Eugen Larcher die Geschäftsführung der Kaunertaler Gletscherbahnen. Ab 1979 wurde das Skigebiet erschlossen.

Seilbahnpionier Eugen Larcher (r.) überreichte symbolisch eine Seilscheibe an Franz Wackernell und Beate Rubatscher-Larcher.

© Kaunertaler GletscherSeilbahnpionier Eugen Larcher (r.) überreichte symbolisch eine Seilscheibe an Franz Wackernell und Beate Rubatscher-Larcher.



Von Matthias Reichle

Kaunertal – Vor 40 Jahren startete die Erschließung des Kaunertaler Gletschers, genauso lang war er Geschäftsführer: Seilbahnpionier Eugen Larcher. „Am 4. Juni 1979 hat der Bau der Gletscherstraße begonnen, am 8. August 1980 ist das erste Auto mit Skifahrern hinaufgefahren“, erinnert er sich heute an diese spannende Anfangszeit. Mit 80 Jahren war Larcher zuletzt vermutlich der älteste aktive Seilbahner landauf, landab – mit Anfang Juli übergab er nun die Geschäftsführung an die nächste Generation. „Es war höchste Zeit, die jungen Leute ranzulassen“, betont er im TT-Interview.

Künftig wird Beate Rubatscher-Larcher die Geschicke am Kaunertaler Gletscher leiten. Ihr zur Seite steht Franz Wackernell als technischer Geschäftsführer.

Die Idee zur Erschließung des Gletschers kam Larcher schon in jungen Jahren. „Ich war mit dem Vater in Zermatt“, erinnert er sich. Im Sommer starteten die beiden als Rucksackträger zu einer Bergtour zum Breithorn. Damals sah er am Theodulgletscher die ersten Schlepplifte – „da hab’ ich mir vorgenommen, das machen wir im Kaunertal auch.“ Es dauerte bis in die 70er-Jahre. Auch wenn die Umsetzung viel Arbeit war, ans Hinwerfen habe er nie gedacht – „ich bin Optimist“, erinnerte sich in einem Zeitzeugeninterview, das er im vergangenen Jahr gegeben hatte. „Ich war ein Leben lang ein Kämpfer“, geradeausgehen sei seine Devise gewesen, „mit Zickzack kommst du nicht weiter.“ Die Erschließung des Gletschers sei enorm wichtig gewesen. „Inzwischen wären wir sonst 300 Leute in der Gemeinde. Die anderen wären abgewandert, wenn ich kein Geld da verdienen kann, keine Arbeit hab’ – da wäre vielleicht auch ich mit abgewandert.“ Eine Erschließung wie damals wäre heute in dieser Form nicht mehr möglich, glaubt Larcher inzwischen.

Heute hat das Unternehmen 13 Liftanlagen und drei Gastronomiebetriebe. Ende der 80er übernahm man die Bergbahnen Fendels. Mit 70 Ganzjahresarbeitsplätzen ist es eines der größten Unternehmen in der Region.

Larcher erinnert an schwere Zeiten. „1984 sowie 1998/99 gab es zwei Mal Geldknappheit. Das erste Mal ist das Land eingesprungen, beim zweiten Mal war es 5 vor 12, als die Pitztaler Gesellschaft eingestiegen ist. Seither stehen wir gut da. Die letzten drei Jahre hatten wir keinen Euro Schulden.“

Auch heuer wird wieder investiert. Es ist ein arbeitsintensives Jahr, in dem Neo-Geschäftsführerin Beate Rubatscher-Larcher das Unternehmen übernimmt. Um 13,5 Mio. Euro baut man die neue Bahn aufs Falginjoch (die TT berichtete) sowie eine neue Kläranlage. „Wir haben derzeit zwei große Baustellen“, betont sie. Rubatscher-Larcher selbst ist seit 2002 im Unternehmen. „Seit letztem Jahr bin ich Prokuristin“, erklärt sie. Es gab ein Jahr intensive Vorbereitungszeit. „Eugen ist nach wie vor im Hintergrund.“ Dieser will künftig mehr Zeit mit Frau und Enkel verbringen, wie er betont.