Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Standort Tirol

Defizite bei Tiroler KMU oft online

Laut einer Studie sind Firmen im Internet nicht dort, wo Konsumenten sie finden können, Social Media wird überbewertet.

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Innsbruck, Wien – „Besonders übel ist, wenn die Website des Unternehmens am Handy nicht lesbar ist“, sagt John Goddard, Experte für Online-Marketing und Geschäftsführer von Herold. Ebenfalls schlecht sei, wenn es 10 Sekunden dauere, bis die Website geladen sei, und dann kann sie nicht gelesen werden. „Und wenn man sie mit den Fingern mühsam vergrößert hat, dann steht vielleicht nicht einmal eine Telefonnummer da.“

In einer Studie hat marketmind im Auftrag von Herold die Werbe- und Marketing-Aktivitäten von 1400 KMU untersucht. Parallel dazu wurden österreichweit über 1000 Konsumenten befragt, wo sie nach einem passenden Dienstleister suchen und auf welcher Basis sie ihre Kaufentscheidungen treffen. Das Ergebnis der Studie sei brisant, sagt Goddard. 67 Prozent der Personen, die in Tirol einen Handwerker suchen, verlassen sich auf persönliche Empfehlungen. Doch für immerhin 63 Prozent stehe das Internet bereits an zweiter Stelle, hier dominiere mit 93 Prozent ganz klar die Google-Suche. Aber: Bis zu 80 Prozent der Handwerker würden in Tirol immer noch auf Branchenportalen gesucht. Auch Versicherungen, Immobilienmakler, Steuerberater und Ärzte würden noch häufiger in Themenportalen gesucht. „Allerdings investieren beispielsweise nur 21 Prozent der Handwerker (Außen) und 29 Prozent der Handwerker (Innen) in Branchenportale.“ Damit würden viele Konsumenten nicht abgeholt, Konsumenten, die großes Kaufinteresse hätten, sagt Goddard. „Vom Branchenportal herold.at wissen wir, dass jeder zweite Besucher der Seite eine Firma kontaktiert. Unternehmen erhalten so alleine über das Portal rund 21 Millionen Anrufe, E-Mails und Website-Besuche pro Jahr.“

Branchenportale und gute Websites würden von KMU also unterbewertet, Social-Media-Kanäle wie Facebook dafür überbewertet. So hätten 42 Prozent der KMU einen Auftritt auf Facebook. „Allerdings ziehen nur 13 Prozent der Konsumenten, die auf der Suche nach einem Dienstleister sind, eine Suche auf Facebook in Betracht“, sagt Goddard. Und wie schlimm sind negative Bewertungen auf Websites? „Nur Positives wirkt unrealistisch“, sagt Goddard: „Es ist wie im Leben, rund 15 Prozent läuft schief. Alles andere wäre ein Wunder.“ (ver)