Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Bezirk Landeck

Gemeinschaftskraftwerk Inn: Zweiter Bohrer ist am Ziel

Beim GKI hat die zweite Tunnelvortriebsmaschine ihre Arbeit abgeschlossen. Es gab massive Verzögerungen.

Der Vielfraß, bevor er seine Arbeit aufgenommen hat.

© GKIDer Vielfraß, bevor er seine Arbeit aufgenommen hat.



Von Matthias Reichle

Ovella – Der „Zauberbohrer“ erreichte sein Ziel bereits am 9. April, am Mittwochmittag schloss nun auch sein Gegenstück – die Magliadrun oder Vielfraß getaufte Tunnelvortriebsmaschine – ihre Arbeit ab. Die beiden Kolosse sorgten für den Vortrieb des Triebwasserstollens beim Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI), dem aktuell größten Laufkraftwerk im Alpenraum.

Magliadrun war im November 2015 beim Fensterstollen Maria Stein gestartet und hat einen Weg von rund zwölf Kilometern Richtung Süden zurückgelegt. Der gewaltige, 1000 Tonnen schwere Bohrer wird nun im Berg zerlegt und an den Hersteller zurückgeschickt.

„Die letzten Monate sind super gelaufen, im Juni haben wir mit einer Maschine 800 Meter gemacht“, betont GKI-Geschäftsführer Johann Herdina. Für ihn ist der Abschluss des Arbeitsschritts ein weiterer Meilenstein nach der Fertigstellung des Krafthauses in Prutz im Herbst 2018 und dem Durchschlag der Nordröhre.

Bei beiden Tunnelvortriebsmaschinen gab es davor massive Probleme. Sie waren mehrfach stecken geblieben. Unter anderem deshalb verschob sich nicht nur die für 2018 geplante Inbetriebnahme immer weiter nach hinten – derzeit auf 2022. Auch die Kosten explodierten seit Baustart von 461 Mio. auf inzwischen 604,9 Mio. Euro.

Die Südmaschine ist nun 30 Meter vor der Wehranlage im Berg stehen geblieben. Der Triebweg habe am Ende einen Knick, den sie nicht bewältigen kann, so Herdina. Der Bau des letzten Stücks erfolgt im Sprengvortrieb. „Wir können wahrscheinlich erst im Herbst damit beginnen“, erklärt er. Grund ist die aktuelle Steinschlaggefahr an der Wehrbaustelle, weswegen diese derzeit eingestellt ist. Aktuell laufen die Sicherungsarbeiten laut Herdina auf Hochtouren.

Der 23,3 Kilometer lange Triebwasserweg von Ovella bis Prutz soll bis Ende 2020 fertig gestellt werden. In Maria Stein wird inzwischen mit der Renaturierung der Ausbruchsdeponie begonnen.