Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.07.2019


Standort Tirol

Egger mit Rekordumsatz, weiteres Plus in Aussicht

Gewinn des Holzkonzerns Egger ging wegen der Expansion zurück. Brexit bisher ohne Auswirkung. Heuer rollen wieder fast 500 Mio. Euro.

Im Juni hat Egger das neue Spanplattenwerk im polnischen Biskupiec eröffnet – davon erwartet man sich einen weiteren Umsatzschub.

© EggerIm Juni hat Egger das neue Spanplattenwerk im polnischen Biskupiec eröffnet – davon erwartet man sich einen weiteren Umsatzschub.



Von Max Strozzi

St. Johann in Tirol – In den vergangenen beiden Geschäftsjahren (jeweils von Mai bis Ende April) hat der Holzkonzern Egger mit Sitz in St. Johann in Tirol kräftig expandiert: neue Werke in Argentinien und Polen, dazu der Baustart des ersten Egger-Werks in den USA. Für diese Expansion öffnete das Familienunternehmen die Geldschatulle: In den vergangenen beiden Geschäftsjahren wurden mehr als 900 Millionen Euro investiert, heuer will der Konzern weitere fast 500 Millionen Euro folgen lassen – etwa in die Fortsetzung der Errichtung des US-Werks. Es sei Zeit, „die Früchte zu ernten“, sagte gestern Firmensprecher Thomas Leissing bei der Präsentation der Jahresbilanz.

Demnach steigerte Egger im Geschäftsjahr 2018/2019 den Umsatz um 5,6 % auf den Rekord von 2,84 Mrd. Euro – zum Teil auch als Folge des Zukaufs in Argentinien. 80 Prozent des Umsatzes macht Egger mit dekorativen Elementen für Möbel. Die Gewinnkennzahlen gingen dagegen zurück: sowohl beim Betriebsergebnis (EBIT) (von 208,7 auf 168,7 Mio. Euro) als auch beim Gewinn nach Steuern (von 164,5 auf 154,7 Mio. Euro). Auch dieser Umstand sei der Expansion geschuldet, etwa „weil Hunderte Mitarbeiter in neuen Werken bezahlt werden müssen, diese aber noch keinen Umsatz erwirtschaften“, so Egger. An freiem Cash-Flow – also „Geld, das für Wachstum zur Verfügung steht“, seien 276 Millionen Euro erwirtschaftet worden.

Zuletzt beschäftigte der Konzern weltweit 9600 Mitarbeiter, davon etwa 1200 in St. Johann und Wörgl. Nicht in jeder Region liefen die Geschäfte rund. Mit der Entwicklung des zugekauften Werks in Argentinien sei man „unzufrieden“, betont Leissing: „Wir sind weit unter dem, was wir uns bei der Übernahme erwartet haben.“ Die Gründe: Rezession in Argentinien, massive Abwertung der dortigen Währung (Peso) und eine Inflation von 50 %.

Den Brexit dagegen „spüren wir nicht“, so Leissing. In England betreibt Egger zwei Werke: „Wir sind dort ein lokaler Produzent und verkaufen lokal.“ Vielmehr habe es in England und Frankreich großes Wachstum gegeben. Derzeit sehe es nach einem „harten Brexit“ aus, so Leissing. Entsprechend stocke man weiter die Lager auf der Insel auf.

In der Türkei sei die Situation wiederum zwiespältig: Die massive Abwertung der Lira belaste zwar den Markt in der Türkei selbst, fördere aber gleichzeitig die Exporte aus dem Land.

Für das laufende Jahr erwartet der Egger-Konzern ein weiteres Wachstum: „Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum, unter anderem durch den Start des Werks in Polen. Und wir erwarten ein stabiles Ergebnis“, sagt Leissing. Die Stimmung der Konsumenten sei etwa in den USA und China sehr gut, erklärte Egger-Vorstand Ulrich Bühler. Für Russland sehe er eine stabile Entwicklung, für Deutschland, Österreich und Osteuropa eine Verlangsamung des Wachstums auf hohem Niveau. Der Konjunkturschub der vergangenen Jahre hat auch seine Kehrseite. Zuletzt erklärten laut Umfrage 70 % der Handwerker in Deutschland, Aufträge abgelehnt zu haben. „Das bedeutet aber auch, dass viele Projekte in der Pipeline sind“, so Bühler.

Aufgestockt hat Egger den Aufsichtsrat um mehrere Fach­experten auf sechs Personen. Zu Fritz und Michael Egger sowie Robert Briem stießen Michael Stiehl, Ewald Aschauer und Alfred Wurmbrand. Michael Pollak schied aus.




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