Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Exklusiv

Sägeblatt aus Tirol schützt Arbeiter vor Verletzung

Der Tiroler Holzmaschinenbauer Felder entwickelte mit der TU Wien ein Sägeblatt, das bei nahendem Finger unter den Tisch „abtaucht“.

Kommt die Hand zu nahe, taucht das Sägeblatt ab: Der Tiroler Holzmaschinenbauer Felder vermarktet das mit der TU Wien entwickelte Patent.

© FelderKommt die Hand zu nahe, taucht das Sägeblatt ab: Der Tiroler Holzmaschinenbauer Felder vermarktet das mit der TU Wien entwickelte Patent.



Hall — Vor fünf Jahren wurde die Idee geboren, die Entwicklung dauerte drei Jahre: Die Tiroler Maschinenbaufirma Felder, Spezialist für Holzbearbeitungsmaschinen mit Sitz in Hall, hat in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Technischen Universität Wien (TU Wien) ein patentiertes Sägeblatt für Kreissägen entwickelt, das Arbeiter vor Verletzungen schützen soll. Das Prinzip: Nähert sich ein Finger dem Sägeblatt, verschwindet dieses blitzartig im Gerätegehäuse.

Die technische Lösung des patentierten Konzepts: Durch die Rotation des Sägeblatts entsteht eine bestimmte Frequenz. „Wir messen diese Frequenz. Wenn sich menschliches Gewebe nähert, verändert sich die Frequenz — und zwar in einer anderen Art, als wenn sich Holz nähert", erklärt Produktmanager Wolfgang Geiger auf Nachfrage der TT. Gemessen werde zudem auch die Geschwindigkeit, mit der sich Dinge der Kreissäge nähern. Nähert sich beispielsweise die Hand eines Arbeiters schneller, etwa weil er gestolpert ist, könne der Mechanismus früher ausgelöst werden, damit die Säge rechtzeitig unterm Tisch „verschwindet". Zudem gebe es ein Back-up-System, das bei direktem Kontakt auslöst.

Damit das Sägeblatt binnen Millisekunden in das Innere des Gerätes verschwinden kann, haben Techniker der TU Wien eine spezielle elektromagnetische Bewegungseinheit entwickelt, wie Thomas Weiler vom Institut für Fertigungstechnik und Photonische Technologien der TU Wien erläuterte. Permanentmagneten werden dabei umgepolt, die magnetische Abstoßung beschleunigt das Sägeblatt blitzschnell nach unten. Die Säge werde dabei nicht beschädigt und sei innerhalb weniger Sekunden wieder einsatzbereit. Technologisch umgesetzt und unter dem Namen „Preventive Contact System" vermarktet werde die neue Technologie eben von Maschinenbauer Felder.

Die neue Sicherheitstechnologie sei zusätzlich zu den gesetzlich geforderten Sicherheitssystemen eingebaut, betont Geiger. Das neue System mit der Sensor-Säge befinde sich noch im Zertifizierungsprozess. „Wir sind in der Final­umsetzung und planen, im zweiten Quartal 2020 die erste Maschinenreihe ausliefern zu können", erklärt Felder-Manager Geiger. Begonnen werde bei den größten Maschinen, um das Sicherheitssystem Schritt für Schritt auf weitere Baureihen auszuweiten. (mas, APA)