Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Bezirk landeck

Venet-Bob wird auf Herz und Bremse getestet

Diese Woche lief eine letzte Testphase vor der Inbetriebnahme des Venet-Bobs. Nach den Bremstests werden Adaptierungen im Startbereich nötig.

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© Venet Bergbahnen AG



Von Matthias Reichle

Landeck, Zams – Der Bob rollt los, nimmt Geschwindigkeit auf, in der Kurve dann das Signal – der Fahrer reißt die Bremshebel nach oben. Die neuen Rollbobs der Venet Bergbahnen werden in dieser Woche auf Herz und Nieren getestet – und natürlich auch auf ihre Bremskraft.

Die Techniker sind seit Anfang der Woche am Berg, um die neue Attraktion unter die Lupe zu nehmen. „Am Montag und Dienstag war die mechanische Prüfung“, erklärt Venet-Vorstand Werner Millinger. Nun werden die elektrotechnische und die Bremsprüfung durchgeführt.

Seit letztem Herbst wird am Krahberg gebaut. 1,4 Mio. Eur­o investieren die Hauptaktionäre, die Gemeinden Landeck und Zams, in den Neubau des so genannten Venet-Bobs – einer Art Sommerrodelbahn mit Bobs auf Schienen. Im Land­ecker Gemeinderat war das Investitionspaket durchaus umstritten. Die Kosten seien im Plan, so Millinger.

„Nach Abschluss der Prüfphase gibt es einen Abnahmebericht und dann könnten wir starten“, betont er. Bei den Bremstests gestern Nachmittag stellte sich allerdings heraus, dass es Adaptierungen beim Bremssystem im Startbereich geben muss. Die Motoren werden getauscht. „Die Inbetriebnahme wird sich um eine Woche verzögern“, betont der Venet-Vorstand. Die Geschwindigkeiten habe man in den Griff bekommen.

Starten will man dann leise. Es soll einen öffentlichen Testtag geben, an dem alle gratis fahren dürfen, so oft sie wollen – einen „All You Can Drive Day“.

Feierlich eröffnet wird der Venet-Bob Ende September gemeinsam mit dem Observatorium, das derzeit gebaut wird – und zwar rechtzeitig zum Neumond.

Doch bis alles so weit ist, wurde gestern noch getestet – an drei Stellen der Bahn stellten die Techniker Signalfahnen auf. Sobald der Bob den Punkt erreichte, wurde gebremst, was das Fahrzeug hergibt. „Ungebremst haben wir im Test 53 km/h erreicht, das geht nicht für Otto Normalverbraucher. Im Betrieb wird eine maximal­e Fahrgeschwindigkeit von 40 km/h möglich sein“, so Millinger. Er selbst sei bereits zweimal gefahren: „Es geht viel schneller und komfortabler, als man es vielleicht erwartet – wie auf Luftschiene­n. Es ist fast ein Formel-1-Feeling.“

Eine Fahrt mit dem Venet-­Bob wird sechs Euro pro Erwachsenem kosten. Die Streck­e ist 860 Meter lang und überwindet 130 Höhenmeter mit einem durchschnittlichen Gefälle von 12,9 Prozent.

Die Anlage sei später auch erweiterbar, betont Millinger. Nicht nur der Länge nach, sondern vor allem bei Attraktionen wie einem Kreisel oder einer Schraube – aber das sei „Zukunftsmusik“. Bereits jetzt umgesetzt werden soll, dass man mit den Bobs in absoluter Dunkelheit fahren kann – ohne jede Beleuchtung. Das sei vor allem für die Nächtigungsgäste in der Gipfelhütte interessant.

Zufrieden ist man, wenn – bei 130 Vollbetriebstagen – künftig 250 Zahler pro Tag mit der Bahn fahren, so Millinger. Am Anfang rechnet man mit 100. Derzeit gibt es auch kritische Stimmen zum Bob. „Ein­e Gruppe Senioren hat mir kürzlich gesagt, wir würden das Landschaftsbild verschandeln. Unser Ziel ist ein Frequenzbringer für Tagesgäste, vor allem aber für unsere Aufenthaltsgäste. Ich glaube, dass das sehr gut funktioniert. Imst ist ein gutes Beispiel, die haben dort jährliche Steigerungen. Das läuft sich nicht tot“, ist Millinger überzeugt.