Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Bezirk Landeck

Trockenheit macht Landwirten große Probleme

Die neue Förderperiode, die Trockenheit sowie das Thema Beutegreifer waren Themen bei der Sommersitzung der Bauernkammer auf der Alpe Spidur in Kappl.

Die Alpe Spidur in Kappl war Schauplatz der alljährlichen Sommersitzung der Bauernkammer.

© SchranzDie Alpe Spidur in Kappl war Schauplatz der alljährlichen Sommersitzung der Bauernkammer.



Von Paul Schranz

Kappl – „Wir haben ähnlich trockene Verhältnisse wie im Vorjahr, was sich auf die Futtermenge und -qualität auswirkt“, betont Bezirksbauernobmann Elmar Monz. 2018 haben Hitze und Trockenheit große Schäden in der Landwirtschaft angerichtet – und auch heuer ist die Situation angespannt. In den Bezirken Landeck und Imst werden derzeit Beregnungsanlagen errichtet, so Monz – „pro Hektar fallen rund 15.000 € an Kosten an. Das ist eine Investition für mehrere Generationen und Garant für ein gutes Grundfutter“, betonte Monz. Mit entsprechenden finanziellen Abgeltungen sollte künftig ermöglicht werden, dass die Nebenerwerbslandwirte im Sommer in ihren Betrieben bleiben können, wünscht sich der Bezirksobmann.

Es gebe kein großes Bauernsterben im Bezirk, aber einen schleichenden Rückgang, dem man mit großen Anstrengungen entgegenwirken müsse.

Bei der Sommersitzung des Bauernkammervorstandes auf der Alpe Spidur in Kappl wurden aktuelle Themen besprochen und beraten, welche künftigen zusätzlichen Maßnahmen für die Landwirtschaftsbetriebe gesetzt werden müssen. Dazu gehören auch der Umgang mit Beutegreifern – diese müssen laut Monz „entnommen werden, um Gefahren von der Almwirtschaft abzuwenden“ – sowie die kommende Förderperiode.

„Es geht darum, die Weichen für die neue Förder- und Finanzperiode zu stellen, die voraussichtlich 2022 starten wird“, sagte Landwirtschaftskammer-Bezirksstellenleiter Peter Frank bei der Sitzung auf der Alpe Spidur in Kappl. Um Anreize für die Weiterführung der Betriebe im Bezirk zu schaffen, schlagen die Funktionäre mehrere Maßnahmen vor. So sollen bei baulichen Investitionen diverse Förderungen von derzeit maximal 50 auf 60 % erhöht werden. „Außerdem müssen der Sockelbetrag bis sechs Hektar unter Anrechnung der anteiligen Almfutterfläche wieder eingeführt und die schwer zu bewirtschaftenden Betriebe stärker berücksichtigt werden“, schlägt Frank vor. Beim Umweltprogramm und bei den Direktzahlungen dürfe es keine Verschlechterung geben.

1436 landwirtschaftliche Betriebe gibt es derzeit im Bezirk Landeck, die zu mehr als 90 % im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Zwei Drittel der Betriebe, die zu mehr als drei Viertel in der Zone drei und vier liegen, sind kleiner als fünf Hektar und haben einen durchschnittlichen Viehbestand von 3,5 Kühen.

Die Almwirtschaft allgemein funktioniere im Bezirk Landeck sehr gut. Die hohe Qualität von Käse und Butter und die Bedeutung der Almen für die Erhaltung der Kulturlandschaft und als Gefahrenprävention seien in der Bevölkerung stark verankert.

Bezirksbäuerin Gertrud Denoth hob die Belastungen der Bäuerinnen im Nebenerwerb hervor. Landtagsvizepräsident Toni Mattle sagte, es gehe jetzt darum, die Fördermittel für die Zukunft sicherzustellen und die nächste Generation für die Landwirtschaft und die Tierhaltung zu begeistern. Mattle betreibt seit zehn Jahren mit einem Galtürer Bauern eine „Kuh-Wohngemeinschaft“. „Wir teilen uns die Arbeit und sind so zeitlich flexibler. Vielleicht ist das auch ein Modell für andere Landwirte“, so Mattle.

Spidur-Alpmeister Markus Juen stellte den Betrieb auf 2120 Metern Seehöhe vor: „Die Alm mit einer Weidefläche von 270 Hektar gehört 57 Agrarmitgliedern. Heuer sommern hier 74 Melkkühe, 14 Stücke Galtvieh und drei Kälber, 2002 wurde das Almgebäude neu errichtet.“